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DFB: Razzia fast ohne Ertrag

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Von: Jan Christian Müller

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Verfahren vorbei: Reinhard Grindel (l), und Friedrich Curtius.
Verfahren vorbei: Reinhard Grindel (l), und Friedrich Curtius. © dpa

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen angeblicher Steuerhinterziehung gegen Grindel und Curtius eingestellt - es gab viel Brimborium für bisher wenig Ertrag. Ein Kommentar.

Just an jenem Tag, an dem der Deutsche Fußball-Bund in einem Festakt sein Zukunftsprojekt DFB-Campus eingeweiht hat, wurde ein Kapitel Vergangenheit zugeschlagen. Ex-Präsident Reinhard Grindel und der vormalige Generalsekretär Friedrich Curtius haben jeweils einen fünfstelligen Betrag berappt, auf dass die Frankfurter Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen angeblicher Steuerhinterziehung einstellte.

Der Fall hatte im Oktober 2020 für riesiges Aufsehen gesorgt, nachdem die Behörde mit 200 Beamt:innen in der Verbandszentrale und bei sechs Ex-Funktionären zu Hausdurchsuchungen aufgetaucht waren. Ein bisschen viel Brimborium für bisher wenig Ertrag. Im Grunde eine Peinlichkeit für die Ermittler. Die neben Curtius und Grindel ins Visier geratenen Ex-Ligapräsident Reinhard Rauball, Ex-DFB-Vize Rainer Koch (der seit Sonntag auch kein Verbandspräsident in Bayern mehr ist) und Ex-Generalsekretär Helmut Sandrock waren schon bald nach der Razzia als komplett unschuldig aus dem Strafverfahren herausgekommen.

Auch bei Grindel und Curtius ist nicht viel übrig geblieben von den Anschuldigungen. Beide haben nur deshalb der Einstellung gegen Geldauflage zugestimmt, weil sie endlich Ruhe haben wollen. Curtius steigt bald als Partner in Darmstadt in eine Rechtsanwaltskanzlei ein. Grindel arbeitet als Unternehmensberater. Kaugummi-Strafprozesse sind in beiden Fällen hinderlich.

Zumal es ja auch nicht um bösartigen Steuerbetrug in die eigene Tasche geht, sondern um unterschiedliche Interpretationen, wie ein gemeinnütziger Verband Bandenwerbung bei Länderspielen abzurechnen hat. Der DFB hatte da eine andere Auffassung als die Steuerbehörden und musste 4.7 Millionen Euro nachzahlen.

Von den sechs Verdächtigen ist einzig und allein Ex-Schatzmeister Stephan Osnabrügge nicht aus dem Schneider. Und zwar deshalb, weil der Jurist weiter um die Anerkennung seiner Unschuld kämpft und somit nicht bereit ist, sich aus dem Verfahren rauszukaufen. Das ist sein gutes Recht.

Man darf gespannt sein, was beim sich nun schon seit sieben Jahren ziehenden Steuerstrafverfahren zum Sommermärchen 2006 gegen die DFB-Funktionäre Wolfgang Niersbach, Horst R. Schmidt und Theo Zwanziger herauskommt. Es geht um die steuerliche Bewertung von dubiosen 6,7 Millionen Euro, die aus Deutschland gezahlt wurden und in Katar buchstäblich versandeten. Die Wahrheit wird wahrscheinlich niemals ausgebuddelt.

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