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Frühstück in Potsdam: Fritz keller, DFB-Präsident - noch. Foto: dpa
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Frühstück in Potsdam: Fritz keller, DFB-Präsident - noch.

Krisensitzung

DFB-Präsident Fritz Keller soll zurücktreten

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die Landeschefs entziehen dem DFB-Präsidenten Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius das Vertrauen.

Das Amateurlager des Deutschen Fußball-Bundes hat sowohl DFB-Präsident Fritz Keller als auch Generalsekretär Friedrich Curtius das Vertrauen entzogen. Der 64-jährige Keller wurde von den in Potsdam versammelten Landes- und Regionalchefs konkret aufgefordert, von seinem Amt zurückzutreten. Ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen wurde, wenn auch aufgrund des gespaltenen Abstimmungsergebnisses mit einer Gelben Karte, Vizepräsident Rainer Koch (21:13) und Schatzmeister Stephan Osnabrügge (22:13). Die Amateurvertreter sahen somit davon ab, die gesamte DFB-Spitze zu stürzen.

Keller erbat sich Bedenkzeit und äußerte zunächst, dass er die noch nicht terminierte Entscheidung der DFB-Ethikkommission, bei der eine Anzeige von Curtius gegen ihn vorliegt, abwarten wolle. Kaum vorstellbar jedoch, dass der im September 2019 zum DFB-Chef gewählte Südbadener sich dem 26:9-Votum gegen ihn nicht beugt. Zu deutlich ist deren Rücktrittsforderung, die am Sonntagnachmittag nach Beendigung der Gespräche im Kongresshotel am Templiner See so begründet wurde: „Die Konferenz missbilligt den von Fritz Keller vorgenommenen Vergleich des Vizepräsidenten Rainer Koch mit dem Nazi-Richter Roland Freisler. Eine derartige Äußerung ist völlig inakzeptabel und macht uns fassungslos. Sie wird auf das Schärfste verurteilt. Die Äußerung des Präsidenten ist mit den Grundsätzen und Werten der Verbände nicht vereinbar.“

Keller, der bis zu seiner verbalen Entgleisung im Machtkampf gegen Curtius von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gestützt wurde, hatte bis zur Sitzung in Brandenburg darauf gesetzt, dass auch die Vertreter der Amateure ihm ausreichend vertrauen, um sein Amt fortzuführen. In der Krisensitzung wurde jedoch so deutlich Klartext geredet, dass sich Keller bald eines Besseren belehren lassen musste.

Es waren im Vorfeld einige Schreiben in der DFB-Zentrale zirkuliert. Der Betriebsrat beklagte das „desaströse Bild“ der Verbandsoberen (die FR berichtete), kritisierte Keller für dessen Nazi-Vergleich („Vollkommen inakzeptabel und nicht zu tolerieren“) derweil der Verbandschef seinerseits mit einem emotionalen Schreiben im Intranet an die DFB-Mitarbeiter aktiv wurde. Seinen Nazi-Vergleich gegenüber Koch beschrieb er dort als eine „dumme, unbedachte und beleidigende Aussage“, die „selbst zu diesem schlechten Bild“ des Verbandes beigetragen habe. Gleichzeitig kämpfte der Winzer um Ansehen und Amt, auch mit der Argumentation, er habe sich stets sehr glaubhaft für Antirassismus und Antisemitismus eingesetzt.

20:14 gegen Curtius

Kellers verbandsinterner Kontrahent Curtius geht dennoch nicht als Sieger aus der Konferenz, sondern mit 14 Ja- und 20 Nein-Stimmen als weiterer Verlierer hervor. Der 45-Jährige konnte die Landes- und Regionalbosse nicht überzeugen, dass er in der Vergangenheit der richtige Mann war, um den DFB zusammenzuhalten und dass er dies auch in Zukunft nicht sein wird. Anders als im Fall Keller gibt es bei Curtius keine konkreten Gründe für eine Demission, er befindet sich zudem - anders als der mit 246 000 Euro pro Jahr vergütete Ehrenamtler Keller - in einem Arbeitsverhältnis mit dem Verband. Nicht auszuschließen, dass die Abfindungsgespräche mit dem seit 15 Jahren beim DFB angestellten Curtius komplex werden könnten, so er denn bereit ist, sich dem Urteil zu beugen.

Das Wochenende in Potsdam legte auch Zeugnis darüber ab, dass die gestärkten Landes- und Regionalchefs in einer zuvor nicht gekannten Klarheit mit der Verbandsführung kommunizierten und nicht mehr bereit sind, deren Defizite klaglos zu akzeptieren. Zudem machten die Abstimmungsergebnisse klar, dass die Amateurvertreter weiter auf den durch das Votum geschwächten Vizepräsident Koch setzen und mit dieser Personalie vor allem dem Profilager die Stirn bieten.

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