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Nicht zu stoppen: Milot Rashica (links) feiert mit Max Kruse.

Werder Bremen

Das Dreamteam von der Weser

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Max Kruse und Milot Rashica: Der Bremer „M&M“-Sturm soll es gegen Schalke richten.

In seiner Kinder- und Jugendzeit war bei Florian Kohfeldt nicht zwangsläufig absehbar, dass er beim SV Werder mal Cheftrainer sein würde. Aber wer in Delmenhorst vor den Toren Bremen aufwuchs, der kennt die lange Geschichte erfolgreicher Sturmpärchen. Und auch die dazugehörigen Spitznamen. Als Claudio Pizarro und Ailton Tore am Fließband produzierten, hieß der Lieferservice einfach „Pizza Toni“. Und als Miroslav Klose und Ivan Klasnic trafen, war der „K&K“-Sturm geboren. Aktuell geben Max Kruse und Milot Rashica die „M&M“-Kombination ab, die so unberechenbar bunt daherkommt wie die Schokoladenbonbons der gleichnamigen Marke.

Kohfeldt fand es „eine nette Bezeichnung“, als er erstmals von der Wortschöpfung hörte, nachdem der 31 Jahre Kruse und der erst 22-jährige Rashica sich gegen den FSV Mainz 05 (3:1) gegenseitig die Bälle aufgelegt hatten. Die Nummer zehn und elf offenbarten blindes Verständnis. „Wir sind schon wie ein kleines Dreamteam. Ich weiß mittlerweile ganz genau, wann und wie die Pässe von Max kommen“, sagte der Kosovare Rashica nach einem Auftritt, auf dem sich die Bremer Zuversicht für das DFB-Pokalviertelfinale beim FC Schalke 04 (Mittwoch 20.45 Uhr/ ARD) speist.

„Sie harmonieren total gut“

Der Alleskönner Kruse (zehn Bundesligatore/zehn Vorlagen) und der Irrwisch Rashica (8/2) zählen in der Rückrunde zu den besten Angreifern der Liga. Wenn der Werder-Traum vom ersten Pokalfinale seit 2010 in Erfüllung gehen soll, braucht es die beiden. Im Achtelfinaldrama bei Borussia Dortmund (7:5 nach Elfmeterschießen) hatte Rashica nach einem Kruse-Freistoß das frühe 1:0 erzielt, Kruse in der Verlängerung noch eine weitere Torvorlage gegeben und einen Strafstoß verwandelt. „Max und Milot sind total unterschiedlich, aber auf dem Platz harmonieren sie total gut“, sagt Martin Harnik.

Eine stürmende Symbiose: Kapitän Kruse als Freigeist, der sich oft fallen lässt und Pässe in die Schnittstellen hinbekommt, die kaum ein anderer schafft. „Max ist keiner, der zehn Leute ausspielt und den Ball versenkt, er braucht jemanden wie Milot. Deshalb ergänzt sich das so gut“, erklärt Geschäftsführer Frank Baumann, der mit Werder nicht 2004 nicht das Double gewonnen hätte, wenn nicht der Vorbereiter Johan Micoud und der Torjäger Ailton ähnlich brilliert hätten. Der eine lenkt, der andere rennt. „Max hat ein unglaublich gutes Gefühl für Räume und Positionen. Vielleicht sollte ich einmal nachschauen, ob er auch hinten Augen hat“, erläutert Kohfeldt mit einem Augenzwinkern.

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Rashica stößt zumeist vom linken Flügel Richtung gegnerisches Tor, seine Tiefenläufe mit hohem Tempo sind eine grün-weiße Waffe geworden, wobei es im Rückblick fast wie Luxus wirkt, dass der Coach in der ersten Halbserie wochenlang auf Rashica verzichtete, weil der für 7,5 Millionen Euro von Vitesse Arnheim geholte Flügelflitzer die taktischen Vorgaben nicht befolgte.

„Es hat gedauert, bis er die richtigen Laufwege drin hatte“, sagt Kohfeldt, der das unfertige Talent nach dessen Verpflichtung am letzten Tag der Wintertransferperiode 2018 sofort auf Schalke (2:1) einsetzte. Vom enormen Potenzial war damals nicht mal in Ansätzen etwas zu erahnen, so oft rannte sich die Neuerwerbung fest. Inzwischen hat Rashica unter acht (!) nominellen Stürmer im Bremer Aufgebot seinen Platz neben Kruse sicher.

Ob der SV Werder auch nächste Saison mit solch einer Vielfalt stürmt, ist nicht sicher. Beim Verpassen des ausgerufenen internationalen Geschäfts ist die Sorge groß, dass renommierte Vereine nicht nur den ablösefreien Kruse umgarnen, sondern auch Rashica noch ein unmoralisches Angebot erreicht – im letzteren Fall würden die Norddeutschen wenigstens eine ordentliche Entschädigung kassieren.

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