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Selbst der Berliner Fernsehturm steht am Samstag im Zeichen des Pokalfinales.

DFB-Pokal

Gehaltvolles Finale: RB Leipzig fordert Bayern München heraus

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Mit dem Kräftemessen zwischen RB Leipzig und FC Bayern bekommt das DFB-Pokalfinale einen besonderen Anstrich.

Irgendwie passte das ja: Berlin präsentierte sich am Freitag von seiner sonnigen Seite. Ein Hauch von Sommer, nur ohne Hitzewallungen, hatte die Hauptstadt erfasst, als die beiden Teilnehmer des diesjährigen DFB-Pokalfinales einschwebten. Tief im Westen, am Olympiastadion, wo sich RB Leipzig und der FC Bayern (Samstag 20 Uhr/ARD) vor der fast vollständig versammelten Prominenz des deutschen Fußballs begegnen, war alles schon herausgeputzt. Die diesjährige Auflage wirkt mit den beiden besten Rückrundenteams sportlich besonders gehaltvoll. Dazu kommt der Reiz der Gegensätze zweier Freistaat-Repräsentanten: hier der Emporkömmling aus Sachsen, der erstmals die Bühne betritt, dort der 18-fache Rekordpokalsieger aus Bayern, der schon 23 Mal mitgespielt hat.

Die Münchner bringen auch die innigste Berliner Bindung mit: Trainer Niko Kovac kehrt für die dritte Endspielteilnahme hintereinander in „sein Zuhause“ zurück, wie er sagt. Sein Elternhaus steht in der Turiner Straße, Stadtteil Wedding. Seinen ersten Verein, den SC Rapide Wedding 1893 e. V., gibt es gar nicht mehr. Aber die Schillerwiese, auf der er und sein Bruder Robert kickten. Werte, die ihm beim Bolzen zwischen Kaninchenlöchern, Trampelpfaden und Picknickdecken oder in den Käfigen auf Beton am Leopoldplatz vermittelt wurden, trägt Kovac noch immer in sich.

Den heutigen Termin habe er schon „vor Saisonbeginn für uns reserviert“, versichert der Wiederholungstäter. 2017 verlor Kovac mit Eintracht Frankfurt nach großen Kampf gegen Borussia Dortmund (1:2), 2018 gewann er mit den Hessen gegen seinen heutigen Arbeitgeber in einem wahren Drama (3:1). Da verlor sogar ein Fußballlehrer, der ansonsten die Gefühle so vortrefflich hinter einer eisernen Fassade versteckt, die Fassung. Mit der Sensation hatte er sich aufrechten Hauptes aus Frankfurt verabschiedet.

Ralf Rangnick will mit Pokalsieg sein Lebensweg krönen

2019 ist die Ausgangslage für den 47-Jährigen anders: Diesmal kann er mehr verlieren als gewinnen, auch wenn seine Weiterbeschäftigung nicht mehr zwingend vom Gewinn des Pokals abhängen soll. Gleichwohl würden die beiden nationalen Titel eine Trennung in diesem Sommer nahezu unmöglich machen. „Jetzt wollen wir das Double. Ich kann euch versprechen, dass wir alles geben werden“, sagte Kovac bei der Meisterfeier. Er erwarte „ein Spiel auf Biegen und Brechen, wir müssen uns richtig strecken.“

Da hat er vermutlich recht. Beim letzten Pokalduell der beiden Kontrahenten – in Pokal-Runde zwei 2017/2018 – verschoss übrigens Timo Werner im Elfmeterschießen den entscheidenden Strafstoß. Ansonsten muss die Vergangenheit nicht viel heißen. Beim Bundesligaduell vor zwei Wochen in Leipzig (0:0) deckte RB-Trainer Ralf Rangnick die Karten insofern nicht vollständig auf, weil bei den Roten Bullen „die letzten fünf Prozent Adrenalin“ fehlten, wie der 60-Jährige damals sagte.

Offensiv hielt sich seine Tempo-Truppe sehr vornehm zurück. Rangnick, der 2011 mit dem FC Schalke 04 den Cup in den Händen hielt, will, dass sein Team den Turbo erst heute zündet. Der Lehrmeister hat seit dem Finaleinzug alles seinem letzten Spiel als RB-Coach untergeordnet, um zum zehnjährigen Bestehen „sein Lebenswerk“ mit dem ersten Titel zu krönen.

Uli Hoeneß pflegt enge Kontakte zu RB-Mäzen Mateschitz

Dabei spielen in dieser besonderen Konstellation weit weniger ideologische Unterschiede mit als viele vermuten. Auf den ersten Blick fordert das neumodische Brausegeld das alte bayrische Festgeldkonto heraus. Aus München allerdings sind kaum Spitzen in Richtung des RB-Konstrukts zu hören. Bayern-Präsident Uli Hoeneß pflegt persönlich einen engen Austausch mit Red-Bull-Tycoon Dietrich Mateschitz. Weshalb das Mia-san-mia-Oberhaupt gleich wieder jene Kampfansage kassierte („Wir haben neben Dortmund einen zweiten Feind, den wir jetzt endlich wieder attackieren können“), mit der er bei seiner erneuten Inthronisierung Ende 2016 für Verwunderung gesorgt hatte. Mittlerweile wird sogar gemeinsame Sache gemacht. Wenn die neue Sportarena im Münchner Olympiapark eröffnet, sollen darin der Eishockey-Erstligist Red Bull München und die Basketballer des FC Bayern gemeinsam spielen.

Und es ist auch nicht verboten, dass der eine vom anderen profitiert. Bayerns Nachwuchschef Jochen Sauer und Nachwuchstrainer Sebastian Hoeneß – Sohn des ehemaligen Hertha-Machers Dieter Hoeneß – haben schon für RB gearbeitet. Und auf der Gegenseite sagt Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff über den FC Bayern: „Natürlich ist das ein gut geführter Verein, den wir gerne im Blick haben. Da macht es schon Sinn, auch mal etwas mit Copy & Paste zu übernehmen.“

Die gewaltigen Unterschiede zwischen den Klubs werden indes so schnell nicht verschwimmen. Neben den unterschiedlichen finanziellen Voraussetzungen – geschätzt 250 Millionen (Rasenball) zu 657 Millionen Euro (FC Bayern) Umsatz – sorgt dafür schon der krasse Unterschied einer Vereinsstruktur, die bei den Mitgliederzahlen am deutlichsten wird: In Leipzig sind es 17, bei den Bayern 291 000. Für den heutigen Ausgang muss das nichts bedeuten. Viel gravierender könnte die fehlende Erfahrung sein, bei solch einem aufgemotzten Event aufzutreten.

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