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Weltklasse adé: Für die DFB-Elf geht es gegen Italien um mehr als die Nations League

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Von: Nico Scheck

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Hansi Flick und Timo Werner spielen mit dem DFB-Team nur 1:1 gegen Ungarn in der Nations League.
Stehen vor dem Duell mit Italien gehörig unter Druck: Bundestrainer Hansi Flick (r) und DFB-Star Timo Werner. © Matthias Koch/imago

Das 1:1 gegen Ungarn hat einmal mehr verdeutlicht: Das DFB-Team zählt aktuell nicht zu den Top-Nationen im Fußball. Das Italien-Spiel kann die Wende sein.

Mönchengladbach – „Ist das wirklich alles?“: Achilles blickt erzürnt gen Triopas und seiner Armee. Es ist die Anfangsszene aus dem Historienspektakel Troja. Am vergangenen Samstagabend, über 3000 Jahre später, freilich fiktiv, mochte man diese Frage gerne an die deutsche Nationalmannschaft stellen. Wir schreiben das Jahr 2022, WM-Jahr. Und das Team von Bundestrainer Hansi Flick hat vor wenigen Tagen nur 1:1 gegen Ungarn gespielt. Ist das wirklich alles?

Dabei war es weniger das Ergebnis, denn die Art und Weise, die der Achilles-Frage Berechtigung ermächtigte. Spielerisch ideenlos, offensiv zahnlos, insgesamt leidenschaftslos. Ungarn genügte ein beherzter Auftritt. Und Flicks Mannen müssen sich nun die Frage gefallen lassen, ob dieses Niveau ausreicht. Denn in fünf Monaten startet die WM 2022.

DFB-Team seit fünf Jahren ohne Sieg gegen Top-Nation

Der letzte DFB-Sieg gegen eine echte Top-Nation datiert vom 22. März 2017. Das ist jetzt über fünf Jahre her. Ein 1:0 gegen England. Es war das Abschiedsspiel von Lukas Podolski. Ein Freundschaftsspiel. Zählt das überhaupt? Ungarn gehört in jedem Fall nicht in diese Riege. Und Deutschland aktuell eben auch nicht.

7:3 Torschüsse pro Ungarn sprechen Bände. Das Kicker-Sportmagazin wählte Manuel Neuer zum Spieler des Spiels. Das ist selten ein gutes Zeichen. Hatte der couragierte Auftritt gegen England (1:1) Flick noch Grund zur Hoffnung gegeben, bedeutete der Auftritt in Ungarn mindestens zwei Schritte zurück. Der Bundestrainer verwies im Anschluss an das mangelnde „Vertrauen in die eigene Qualität“.

Zur spielerischen Ideenlosigkeit gesellten sich am Samstag personelle Totalausfälle. Timo Werner blieb in der Offensive alles schuldig, Kai Havertz war unsichtbar, Muskelprotz Leon Goretzka fehlte die Power. Die Liste ließe sich durch die Aufstellung weg weiterführen – Neuer exklusive.

Nations League: Darum ist das Italien-Spiel für die DFB-Elf so wichtig

So kann man nur zu dem Schluss kommen, dass die DFB-Elf derzeit von Weltklasse so weit entfernt ist wie Katar von Menschenrechten. Zumindest an jenem Samstagabend in Ungarn. Genau diese Weltklasse wird es aber brauchen, soll die WM im Spätherbst nicht im nächsten Turnier-Debakel enden.

WM 2022

Der Spielplan zur WM 2022 steht fest. Bei der FR finden Sie alle Termine und Gruppen.

Einen Akt hat der Sommer vor der Fußball-WM allerdings noch über. Italien heißt der Gegner am Dienstag (14. Juni, im ZDF live im TV), eine Top-Nation, zumindest auf dem Papier. Ein Sieg, gerne ein überzeugender, könnte mit Blick auf die WM die Initialzündung für die Nationalmannschaft sein.

„Dieses Erfolgserlebnis, das brauchen wir einfach“, brachte es Neuer am Montagnachmittag auf den Punkt. Dann könne man sagen: „Wir haben eine große Mannschaft geschlagen.“ Und so mutiert das Italien-Spiel trotz der sportlichen Nachrangigkeit der Nations League zum vorerst wichtigsten Gradmesser der noch jungen Ära Flick. Mit einem Sieg wäre das DFB-Team freilich nicht direkt wieder Weltklasse. Die Richtung dahin wäre aber vorgegeben. (Nico Scheck)

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