+
Fritz Keller, neuer DFB-Boss.

DFB

Die Macht im deutschen Fußball: Diese acht Männer ziehen die Fäden

  • schließen
  • Frank Hellmann
    Frank Hellmann
    schließen

Ausschließlich Männer betätigen die Schaltknüppel im DFB und in der Bundesliga. 

Die Männer, die im deutschen Fußball die Fäden ziehen, sind fast durchweg Alphatiere, die sich gegenseitig nicht nur mit Respekt begegnen. Ein Überblick.

Fritz Keller: Der Hoffnungsträger

Als vierter DFB-Präsident seit der Jahrtausendwende soll der 62-Jährige den Verband aus stürmischer See zurück in ruhigere Gewässer manövrieren. Fritz Keller wird, völlig anders als Vorgänger Reinhard Grindel bei dessen Amtsantritt im Frühjahr 2016, mit Vorschusslorbeeren vor allem aus dem Profilager geradezu überhäuft. Er muss sich als scheidender Präsident des Bundesligaklubs SC Freiburg aber vor allem bei den Amateuren noch Vertrauen erarbeiten. Das wird dem vielfach ausgezeichneten Spitzenwinzer und Top-Gastronom des Sterne-Restaurants „Schwarzer Adler“ zugetraut. Leute, die ihn besser kennen, sagen, man könnte ihn (auch wegen seiner großen Gastfreundlichkeit und kleinen Körpergröße) leicht unterschätzen. 

Dabei ist der Mann, der das Familien-Weingut von Vater Franz Keller erbte, ausbaute und seinem Sohn Friedrich überantwortete, in Wahrheit willens- und durchsetzungsstark. Aber auch mitunter übertrieben emotional, was regelmäßig zu brachialen Ausbrüchen vor Schiedsrichterkabinen führte. In der Nische Freiburg hat das kaum jemand mitbekommen, als DFB-Präsident im Rampenlicht der Öffentlichkeit ziemt sich das weniger. Keller, der bescheiden mit ICE und S-Bahn aus Freiburg zur DFB-Zentrale anreisen will, weiß das: „Ich werde mich bemühen, etwas staatsmännischer aufzutreten.“ 

Zudem verspricht er fast gebetsmühlenartig: „Es wird mit mir keine One-Man-Show geben.“ Da will sich einer als Teamplayer mit Führungsqualitäten profilieren. Kritiker des Prozesses, während dessen keine weiteren Kandidaten gehört wurden, monieren, Keller sei auch deshalb von einer sechsköpfigen Findungskommission ausgewählt worden, weil er als unabhängiger Unternehmer zugunsten des ehrgeizigen Bayern Rainer Koch auf lukrativ dotierte internationale Uefa- und Fifa-Ämter verzichtet. Genau das dürfte sich noch als klug erweisen. Statt in der Welt umherzujetten, kann Fritz Keller sich darauf konzentrieren, ein starker Mann der Amateure zu werden.

Karl-Heinz Rummenigge: Der Knallharte

Karl-Heinz Rummenigge.

Der 64-Jährige, Big Boss des FC Bayern und international top vernetzt, steht einem prosperierenden Verein vor, der als einzige deutsche Fußball-Weltmarke in drei, vier Jahren auf den ersten Milliarden-Umsatz der Bundesligageschichte zusteuert. Der frühere Weltklassestürmer hat mit den Amateuren nicht viel am Hut, kritisiert regelmäßig den DFB – und vertritt knallhart die Interessen der Profis, vor allem der Bayern. Die moralische Messlatte liegt tiefer als beim DFB-Präsidenten. „Killer-Kalle“ hat 2013 in Katar zwei Luxusuhren als Geschenk angenommen, ohne, dass es ihn den Job kostete.

Hans-Joachim Watzke: Der Aufsteiger

Hans-Joachim Watzke.

Der Macher von Borussia Dortmund feiert sich gerne dafür, den Traditionsverein vor der Insolvenz bewahrt zu haben. Unter seiner Regentschaft ist der BVB zur zweitstärksten Marke im deutschen Fußball geworden, entsprechend umfangreich hat sich das Selbstbewusstsein von „Aki“ Watzke entwickelt. Kürzlich sorgte er dafür, dass der BVB eine Million Euro für den Ausbau der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel spendete. Er vertritt die Bundesliga seit kurzem in der mächtigen Klubvereinigung ECA. Schwer beleidigt zog er seine Kandidatur für Präsidium und Aufsichtsrat der Liga zurück, als sich abzeichnete, dass er keine Mehrheit bekommt.

Christian Seifert: Der Scharfsinnige

Christian Seifert.

Der 50-Jährige ist nicht nur in Personalunion ein weithin anerkannter Ligaboss, DFL-Präsidiumssprecher und DFB-Vizepräsident. Im November vergangenen Jahres wurde er in Mexiko-City auch zum Chairman des World Leagues Forums gewählt, um die Interessen der Profifußball-Ligen weltweit zu vertreten. Seifert ist ein starker Analytiker und gilt als einer der schärfsten und meinungsfreudigsten Kritiker des DFB. Er hat aber auch partnerschaftlich dafür gesorgt, dass ein gemeinsamer neuer Präsident des Verbands gefunden wurde. Kleinere Klubs machen ihn für größer gewordene Gräben mitverantwortlich.

Rainer Koch: Der Umtriebige

Rainer Koch.

Der blitzgescheite, aber auch ein wenig selbstverliebte Multifunktionär ist der Vielflieger unter den DFB-Leuten. Man könnte glatt glauben, es gäbe ihn doppelt oder dreifach, so viel ist er unterwegs. Als Chef des bayerischen und des süddeutschen Fußballverbandes sowie als erster DFB-Vizepräsident kümmert er sich intensiv um die Amateure und gilt deshalb als natürlicher Feind der Profiklubs. Er hat als Match-Delegate für Fifa und Uefa mehr als 100 internationale Spiele begleitet. Seinen Brotberuf als Richter am Oberlandesgericht München will er vom 1. Januar an ruhen lassen, um den DFB in internationalen Top-Gremien zu vertreten.

Oliver Bierhoff: Der Vordenker

Oliver Bierhoff.

Der 51-Jährige wird am Freitag eine programmatische Rede unter der Überschrift „Projekt Zukunft“ halten. Ohne den Diplom-Betriebswirt würde das 150-Millionen-Projekt DFB-Akademie nie und nimmer gebaut werden: Er hat die Funktionäre überzeugt, dass der DFB sonst abgehängt würde. Bierhoff ist in Doppelfunktion Manager der Nationalmannschaft und neuer Geschäftsführer Sport mit mehr als 100 Mitarbeitern. Der Multi-millionär, der am Starnberger See wohnt und sich bestens selbst vermarktet, steht unter dem ständigen Verdacht, nicht immer nur das große Ganze zu sehen, sondern vor allem auch sich selbst.

Peter Peters: Der Diener

Peter Peters.

Er besitzt schon mal die Chuzpe, beim Termin in der DFB-Zentrale seinen Dienstwagen auf den Präsidentenparkplatz zu stellen. Der Geschäftsführer des FC Schalke 04 (Finanzen und Organisation), Typ Netzwerker im Hintergrund, wird aber wichtiger: Weil das Amt von Reinhard Rauball als Liga-Präsident nicht wieder besetzt wird, ist der 57-Jährige nun stellvertretender DFL-Präsidiumssprecher und Aufsichtsratschef der DFL GmbH in Personalunion. Das klingt verdächtig nach Interessenskollision. Und: Peters ist keiner, der Ligaboss Seifert Kontra gibt. Im Gegenteil. Eher Diener. Wird bei vielen Kollegen kritisch gesehen.

Friedrich Curtius: Der stille Macher

Friedrich Curtius (rechts).

Der 43-jährige jugendlich wirkende Jurist agiert lieber im Hintergrund und drängt selten in die Öffentlichkeit. Alles andere als ein typischer Karrieretyp, hat er vielleicht gerade deshalb in den Krisenjahren Karriere gemacht. Er gilt als sozialkompetent, kommunikativ und ausgleichend, anfangs mitunter noch ein wenig naiv. Curtius hat an Kontur gewonnen und wird als Generalsekretär des DFB e.V. und Chef der neuen DFB-GmbH im Zentrum der Macht sitzen. Selbst spielt er lieber Tennis als Fußball. Nun muss er zeigen, dass er einem wie Ligaboss Seifert auch mal die Stirn bieten kann. Wird nicht einfach.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion