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Demnächst geht’s für Jogis Jungs nach Venlo.

Einwurf

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Der DFB schickt seine Nationalspieler zur Vorbereitung nach Venlo. Warum? Man weiß es nicht. Der DFB sah sich nicht genötigt, Erhellendes zur Erklärung beizusteuern.

Der Deutsche Fußball-Bund ist eine riesengroße Wundertüte. Schauen wir mal eben gemeinsam rein in das gute Stück: Uups, da finden wir ganz aktuell ein Trainingslager Anfang Juni vor dem epochalen EM-Qualifikationsspiel in Weißrussland. Weißrussland ist ziemlich weit im Osten gelegen, eingerahmt von Polen, Lettland, Litauen, der Ukraine und Russland. Und was, bitte schön, tut der DFB? Er schickt seine Nationalspieler zur Vorbereitung ins Hotel De Bovenste Molen nach, genau: Venlo. Das Städtchen befindet sich aus hiesiger Sicht, na logisch, ziemlich weit im Westen. Sogar so weit im Westen, dass es gar nicht mehr in Deutschland gelegen ist. Sondern in den Niederlanden.

Wieso Venlo? Wieso nicht zum Beispiel Mainz, wo drei Tage nach dem Kick im weißrussischen Borissow die nächste Aufgabe wartet (gegen Estland). Oder Berlin, was schon mal knapp 600 Kilometer näher an Weißrussland gelegen ist und dem DFB in Sachen Klimabilanz fraglos bessere Noten eingebracht hätte.

Gern würden wir an diese Stelle für Aufklärung sorgen, wie es zu dieser erstaunlichen Quartierswahl kommen konnte. Hat es was mit der neuen Liebe zu unseren niederländischen Nachbarn zu tun, seit diese sich als überaus freundliche Gastgeber erwiesen haben und die Unsrigen gerade erst in Amsterdam zum 3:2-Sieg einluden? Oder hat der DFB ganz grundsätzlich sein großes Herz für Europa entdeckt, seit Boss Grindel in die ewigen Verbands-Jagdgründe geschickt wurde? Oder will Oliver Bierhoff seine hierzulande überschaubar erfolgreiche Marketingoffensive „Die Mannschaft“ auf Holland ausdehnen? Wahrscheinlicher ist, dass Bundes-Jogi Löw hofft, er könne sich und die Seinen in Venlo besser abschirmen gegen ungebetene und Unruhe stiftende Gäste aus dem Nachbarland Deutschland.

Alles bloß Verdächtigungen, nirgendwo Beweise. Der DFB sah sich nicht genötigt, in seiner dürren Pressemitteilung vom Freitag Erhellendes zur Erklärung beizusteuern. Auch ein pflichtgemäßer Anruf aus der FR-Redaktionsstube in der Verbandszentrale brachte keine Aufklärung, sondern lediglich die Information, dass die zuständigen Öffentlichkeitsarbeiter sich gerade noch im Urlaub befänden. Wahrscheinlich in Holland.

Nach den ernüchternden Darbietungen bei der Weltmeisterschaft und einem allseits spürbar zurückgehenden Enthusiasmus für die Nationalmannschaft hatten deren führende Vertreter versprochen, dass sie sich künftig mit mehr Hingabe und Sensibilität und Nähe um die eigenen Fans kümmern wollten. Prompt gab es in Berlin ein öffentliches Training, in Leipzig einen Schulbesuch, in Wolfsburg Betriebsbegehungen bei Volkswagen, zudem ein bisschen mehr Zeit an den Hoteleingängen für Selfies und Autogramme, also: erste Trippelschritte in die richtige Richtung.

Mag ja sein, dass es nun für den Standort Venlo gute Gründe gibt, aber wenn man als Nationalmannschaft einen solchen ungewöhnlichen Schritt über die Landesgrenzen hinaus geht, sollte man sich zumindest die Mühe machen, ihn ein wenig zu erklären. Und zwar von vornherein und nicht erst wieder als verspätete Reaktion auf Kommentare, die in sozialen Netzwerken Unverständnis signalisieren.

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