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Fritz Keller startet Charmeoffensive und legt den Streit mit Rummenigge bei

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der Verband will „auf Augenhöhe“ in Fanszene und kleine Klubs hineinhorchen. DFB-Präsident hat sich mit Bayern-Boss Rummenigge wieder vertragen.

  • DFB-Chef Fritz Keller lädt zur Talkrunde per Videokonferenz
  • Irritationen mit  Karl-Heinz Rummenigge sind vom Tisch
  • Es geht um die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Profiligen und dem DFB

Die Einhaltung der Abstandsgebote hat der Deutsche Fußball-Bund bei der virtuellen Pressekonferenz am Dienstagmittag betrüblicherweise wenig vorbildlich ausgestaltet. Präsident Fritz Keller hockte unter Missachtung der 1,5-Meter-Regel reichlich eng umrahmt von Generalsekretär Friedrich Curtius und Pressechef Jens Grittner in der Bibliothek der Verbandszentrale.

Kann passieren, sollte aber nicht passieren.

DFB-Chef Fritz Keller lädt zum Talk

Der seit acht Monaten amtierende DFB-Chef hatte aus gegebenem Anlass zum Videotalk geladen. Wenige Tage vor dem am kommenden Montag wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie stattfindenden Außerordentlichen DFB-Bundestag stellte der 63-Jährige einen Fünf-Punkte-Plan vor. Die Überlegungen des Südbadeners sollen dazu beitragen, dem seit fünf Jahren immer wieder arg durchgerüttelten Verband verlorengegangenen Respekt zurückzuerobern. Respekt, der spätestens seit dem Bekanntwerden der Sommermärchenaffäre erheblich verloren gegangen ist. Gerade hat der hochdekorierte Winzer Keller anhand der scharfen Reaktion des Bayern-Vorstands Karl-Heinz Rummenigge zum wiederholten Mal am eigenen Leib erfahren müssen, dass DFB-Präsidenten nirgendwo vergleichbaren Welpenschutz genießen wie Weinbauer. Rummenigge hatte auf moralische Vorhaltungen Kellers bezüglicher der „Großkotzigkeit“ neureicher Fußballmillionäre scharfzüngig gegengehalten, der DFB solle besser vor der eigenen Tür kehren, statt Generalkritik an Klubs und deren Profis zu üben.

Keller bleibt trotz Rummenigges Gegenattacke standhaft

Mit dem Bayern-Boss hat Keller inzwischen telefoniert und vorgeblich Irritationen ausgeräumt. Man sei sich einig geworden, dass Gehaltsobergrenzen eine gute Idee zur Eindämmung von „irrsinnigen Gehältern“ seien, „die nicht mehr von unserer Welt sind“. Keller unterstrich, auch andere führende Klubvertreter hätten eingesehen, „dass die Spirale nach oben nicht unbedingt ins Glück führt“. Und er blieb trotz Rummenigges Gegenattacke standhaft: Er schäme sich fremd, wenn einzelne Fußballprofis ihren Reichtum in Learjets und Luxuskarossen zur Schau tragen würden. Der DFB werde sich in der Sache Gehaltsobergrenze schriftlich an Uefa-Chef Aleksander Ceferin wenden.

Denn: „Provisionen für Spielerberater und immense Transfersummen irritieren die Gesellschaft zunehmend und entfremden sie von unserem geliebten Sport“, der „endlich zufriedenstellende Antworten auf diese Problemstellungen geben“ müsse. Das sind, kein Zweifel, wohlfeile Worte, deren nachfolgende Taten noch kritisch zu bemessen sind.

So sieht es auch Keller selbst. Weitere Punkte auf seiner Agenda: Die Massentestung von täglich bis zu zwei Millionen Fußballspielern als Präventivmaßnahme und zu wissenschaftlichen Zwecken. „So“, glaubt Keller, „können wir weitere Schritte in Richtung einer Öffnung wagen, ohne eine zweite Infektionswelle zu riskieren.“ Der Fußball will so auch gesellschaftlich punkten. Er könne Logistik und Testpersonen dafür zur Verfügung stellen.

Zudem regt Keller unter der Überschrift „Enkel-Denken“ neue Maßstäbe für nachhaltigen Erfolg an. In allzu vielen Klubs reiche das Denken nur für ein paar Wochen im voraus, sowohl personell als auch wirtschaftlich.

Keller will „Dialog auf Augenhöhe“ mit den Fans

Die schon bei seinem Amtsantritt geäußerten Forderungen nach mehr Anerkennung für Ehrenamtliche wiederholte Keller ausdrücklich, ohne neue Aspekte vorzubringen. Sichtbar vorangekommen ist er mit seinem Forderungskatalog an die Politik - Anerkennung von Rentenpunkten, Haftungsausschluss, Lärmschutz, Erlaubnis von Rücklagenbildung für Vereine - bisher indes nicht.

Schließlich setzt Keller, sicher auch als kluge Folge seines missglückten Auftritts im ZDF-Sportstudio nach den Schmähplakaten gegen Dietmar Hopp, auf einen „Dialog auf Augenhöhe“ vor allem mit den Fans, „Wir müssen selbstkritisch sein, uns hinterfragen sowie uns mit dem Blick von außen auf den DFB sagen lassen, was wir in der Vergangenheit falsch gemacht haben.“ Kellers Kernfrage: „Wie können wir Leute zurückholen, die nicht mehr mit uns sprechen wollen?“ Einige gibt es immerhin noch: Er habe zuletzt rund 15 Gespräche mit Fan-Gruppierungen geführt.

Bundesligasaison könnte bis in den Juli gehen

Auch die Kommunikation mit den Vereinen soll verbessert werden. In der heftig entglittenen Debatte um die Dritte Liga ist der DFB aber nicht bereit, im Sinne jener acht Klubs einzulenken, die einen Saisonabbruch wünschen, Generalsekretär Curtius vermeldete den aktuellen Eingang eines Schreibens von neuen Vereinen, welche die Saison unbedingt zu Ende führen wollten. Keller wies am Beispiel Carl Zeiss Jena die derzeit noch renitenten, mehrheitlich abstiegsgefährdeten Vereine auf, in ihren Bundesländern Druck zu machen, dass ein geregelter Trainingsbetrieb in Mannschaftsstärke zeitnah wieder möglich ist. Thüringen erlaubt derzeit erst ab 5. Juni Teamtraining, der DFB möchte den Re-Start der Dritten Liga lieber schon am 30. Mai organisieren,

Curtius wies darauf hin, eine Ausweitung der Saison gar bis zum 30. Juli sei denkbar. Den Vorschlag aus Jena, die Spielzeit abzubrechen und kommende Saison mit 24 oder 25 Teams fortzusetzen, konnte er wenig abgewinnen. „Dann hätten wir nur noch Englische Wochen, die in der Dritten Liga nie beliebt waren.“ Einem Antrag des Saarlandes zum virtuellen DFB-Bundestag auf Zweiteilung der Dritten Liga werden wenig Chancen eingeräumt.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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