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DFB-Frauen: „Gnadenlos reingehauen“

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Von: Frank Hellmann

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Trainerin mit Ballgefühl: Martina Voss-Tecklenburg.
Trainerin mit Ballgefühl: Martina Voss-Tecklenburg. © Hasan Bratic/dpa

DFB-Frauen offenbaren deutliche Defizite. Die Bundestrainerin aber beschwichtigt.

Schönrednerei hat noch niemand im Leistungssport geholfen. Also legten die ersten deutschen Fußballerinnen noch am Spielfeldrand im Stadion der Wolverhampton Wanderers den Finger in die Wunde.

„England hat uns die Dinger gnadenlos reingehauen“, beschied Giulia Gwinn entwaffnend ehrlich. Sara Däbritz vermisste „Abgezocktheit und Cleverness“ auf deutscher Seite, weshalb die Kapitänin die 1:3-Niederlage im letzten und wichtigsten Härtetests des hochkarätig besetzten Viernationenturniers als „lehrreiches Spiel“ kategorisierte. Abwehrspielerin Sophia Kleinherne begriff die späten Nackenschläge, die dem EM-Gastgeber in letzter Minute noch den Gesamtsieg beim neu erschaffenen Arnold-Clark-Cup bescherten, als Aufforderung, „bis zur EM ein ganz anderes Gesicht zu zeigen“. Denn ansonsten zerplatzen Titelträume bei der Endrunde (6. bis 31. Juli) auf der Insel schon in der Vorrunde, wo gegen Vizeeuropameister Dänemark (8. Juli) und Geheimfavoriten Spanien (12. Juli) frühe Stolpersteine warten.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hatte offenbar eine leicht andere Wahrnehmung vor frohgestimmten 13 436 Zuschauern gewonnen: „Die Niederlage ist sehr ärgerlich, weil unnötig. Ich glaube nicht, dass wir die schlechtere Mannschaft waren. Wir haben uns ein bisschen unter Wert verkauft.“ Immerhin drückte sich die 54-Jährige nicht um die Erkenntnis, dass gegen Spanien (1:1) technische Vorteile, gegen Kanada (0:1) mentale Vorzüge und gegen England körperliche Pluspunkte beim Kontrahenten zum Vorschein kamen. Dass Deutschland in der Endabrechnung den letzten Platz belegte, beunruhigte sie aber mit Blick auf das EM-Turnier in viereinhalb Monaten mitnichten. „Wir wissen, warum wir die Spiele nicht für uns entschieden haben. Ich wäre viel erschrockener, wenn wir meilenweit von den anderen Teams in der Gesamtleistung entfernt gewesen wären.“

Die physische Entwicklung von jungen Talenten bräuchte eben Jahre, es würden ja zahlreiche Akteure zurückkommen, die physisch robuster sind. „Es gibt vielfältige Themen“, beteuerte die Bundestrainerin und hielt vor der Heimreise fast schon trotzig fest: „Sorgen macht mir hier diese Tabelle nicht.“

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