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EM 2020

DFB: Das Festkomitee steht

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Der DFB werkelt fleißig an den EM-Endrunden 2020 und 2024. Lahm und Sasic als Aushängeschilder.

Das Wetter passte so gar nicht zur Hochstimmung der Funktionäre im Bootshaus des Mainzer Ruderclubs, die das DFB-Team mit dem 8:0-Kantersieg am Abend zuvor verursacht hatte. Regen peitschte übers Rheinufer, und als bei einer Windböe ein Zeltgerüst kippte, wurde ZDF-Reporter Boris Büchler in Mitleidenschaft gezogen, glücklicherweise ohne schwerwiegendere Konsequenzen. Das bayerische Blasorchester spielte tapfer weiter, es gab Weißwürste, Semmeln mit Leberkäse und Weizenbier.

Drinnen im Trockenen erfuhren die geladenen Gäste dann exakt ein Jahr vor Eröffnung der EM-Endrunde 2020 einiges über die Pläne der deutschen Mitausrichter dieser in insgesamt zwölf Ländern stattfindenden Mammutveranstaltung. Weil zudem die deutsche Bewerbung um die EM 2024 erfolgreich war, kommt es nun zur beispiellosen Situation, dass der DFB gleich zweimal in Folge EM-Spiele vor Ort ausrichtet: 2020 vier Begegnungen in München, mindestens zwei davon mit Teilnahme der deutschen Nationalmannschaft. Der Kader von Joachim Löw wird deshalb sein Basecamp im Großraum München aufschlagen, wie Manager Oliver Bierhoff aus gegebenem Anlass durchblicken ließ. Man möchte die Anfahrtswege so kurz wie möglich halten. Garmisch-Partenkirchen, das Gebiet um den Tegernsee sowie das fränkische Herzogenaurach, Heimat des Ausrüsters Adidas, gelten als Favoriten.

Anfang nächsten Jahres werden rund 280 Mitarbeiter der am Dienstag gegründeten DFB-Euro GmbH, die als Joint Venture mit der Uefa zusammenarbeitet, in bereits angemietete Münchner Büros einziehen. Mehr als tausend Volunteers werden nun gesucht, Menschen also, die bereit sind, unter Verzicht auf Mindestlohn für das hochkommerzialisierte Event zu malochen. Die Tickets werden seit Mittwoch online verkauft, für die Vorrundenspiele in München werden Preise zwischen 50 und 185 Euro aufgerufen.

Ein Geschäftsführer der neuen GmbH ist Philipp Lahm, der gleichzeitig als Host City Ambassador für München firmiert, so eine Art Grußonkel mit erweiterten Kompetenzen also. Dem Ehrenspielführer zur Seite steht unter anderem Ex-Nationalspielerin Celia Sasic, die in der GmbH die Aufgabe als Special Advisor sowie Volunteer-Ambassador übernimmt. Man sieht: Es geht international zu in der Begrifflichkeit im deutschen Festkomitee. Konkret sagt Lahm über den Job, dessen Dotierung keinesfalls mit einem Volunteers-Gehalt vergleichbar ist: „Celia und ich kennen die Regeln des Fußballs und haben uns immer daran gehalten.“ Nun sind bekanntermaßen die Regeln auf dem Platz andere als abseits des Gevierts. Wie dem auch sei: Hinterzimmer-Deals soll es nicht geben. Die Verantwortlichen um DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius sprechen von Transparenz und offener Kommunikation: „Wir wollen nachhaltig auf das Image des DFB einzahlen“, so Curtius. Das, in der Tat, erscheint notwendig, denn die Image-Kasse dürfte gerade nicht allzu üppig gefüllt sein.

Lahm und Sasic sollen es mit Unterstützung der neuen, jungen Nationalmannschaft richten. „Wir wollen 2020 und 2024 große verbindende Fußballfeste organisieren, die nachhaltig in die Gesellschaft wirken“, sagte Lahm mit gebotenem Pathos. „Wir wollen die Leute mitnehmen“, sekundierte Sasic. Generalsekretär Curtius hat es sich mit Blick auf den Fußballsommer 2024 zum Ziel gesetzt, „dass das Land einen Monat innehält“. Dafür wäre es sicher förderlich, wenn wieder Sommermärchen-Witterung aufkäme. Aber das kann nicht einmal Perfektionist Philipp Lahm versprechen.

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