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Es geht auch pfiffig: Eintracht-Fans zeigen ein Banner beim Spiel gegen Werder Bremen.

 Streit

DFB und Fans nach Schmäh-Plakaten wieder im Gespräch

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Nach den Schmäh-Plakaten am vergangenen Wochenende ist ein Anfang gemacht: DFB und Fans bewegen sich aufeinander zu, der Verband ändert seine Rhetorik.

Frankfurt - Der akustische Doppelpass über mehr als die Länge eines Spielfelds in einem vollbesetzten Stadion hat am Mittwochabend gut funktioniert. Die Frankfurter Nordwestkurve, in der sich alle einflussreichen Fangruppierungen von Eintracht Frankfurt sammeln, hatten sich mit dem Bremer Block abgestimmt. Jedenfalls funktioniert es vortrefflich, den Deutschen Fußball-Bund (DFB) wechselhaft mit einem Schmähgesang zu bedenken. Zu diesem Zeitpunkt waren die wichtigsten Protestplakate und Spruchbändern längst enthüllt. Vom ironischen Hinweis an Trainer Adi Hütter, sich bei Bedarf eine Spielunterbrechung zu nehmen bis hin zur Bemerkung, Dietmar Hopp sei Sohn einer Mutter. Das wirkliche Schimpfwort bekam dann kurz darauf der Verband ab.

Beim DFB war da bereits die Botschaft angekommen, dass die speziell von DFB-Präsident Fritz Keller erschreckend pauschal geäußerte Verurteilung nicht nur weit, weit übers Ziel hinaus ging, sondern teilweise die falschen traf. Was das Unverständnis in Fangruppen und -bündnissen nur vergrößerte. Es ist auch besonnenen Köpfen wie Michael Gabriel, dem Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte zu verdanken, dass für Klarstellung gesorgt wurde, um was es den Kurven wirklich ging. Und damit dämmerte auch den letzten, dass nur der Dialog die Lösung sein kann.

DFB und Fans treffen sich in Frankfurt zum Krisengipfel 

Am Donnerstag (05.03.2020) kam es in der Verbandszentrale im Frankfurter Stadtwald zum Krisengipfel. Zu den Teilnehmern gehörten DFL-Chef Christian Seifert und DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius, dazu Vertreter von Fanvereinigungen wie „Unsere Kurve“, „Frauen im Fußball“ und „Queer Football Fans“. Der Runde Tisch sog sich bis weit in den Nachmittag, was indes bei der komplexen Thematik kaum verwunderte.

Während DFB-Chef Keller mit seiner Unkenntnis irritierte, war Liga-Boss Seifert die vergangen Tage tiefer in die Thematik eingetaucht. Am Mittwochnachmittag hatte die DFL ihre Position abgesteckt, die zunächst einmal die Proteste an sich, ohnehin gedeckt vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit, nicht zur Disposition stellte. Eine rote Linie soll aber bei Diffamierungen, Hetze und Hass – gleichgültig in welcher Form – gezogen werden. „Menschen gehören auf Plakaten nichts ins Fadenkreuz“, hieß es. Abzuwarten bleibt, ob freilich alle Fangruppen auf diese teilweise bewusst verübten Grenzüberschreitungen verzichten, mit denen sie überhaupt die Aufmerksamkeit erzeugten. Diskutiert wurde deshalb am Donnerstag über die Grenzen zwischen freier Meinungsäußerung, Beleidigung und Diskriminierung. Hier Festlegungen zu treffen, ist für den so genannten Drei-Stufen-Plan elementar.

Krisengipfel zwischen DFB und Fans: Signale der Verständigung – wichtige Vereinigungen fehlen

Das zweite große Thema waren die Kollektivstrafen, zu denen das DFL-Präsidium der Ansicht ist: „Kollektivstrafen haben im deutschen Fußball noch nie ein Problem gelöst.“ Nur als Ultima Ratio könnten sie „in absoluten Ausnahmefällen in sportgerichtlichen Verhandlungen zwischen DFB und Klubs nicht komplett ausgeschlossen werden“. Der DFB verteidigte sich mit Vizepräsident Rainer Koch: „Es wurde im Übrigen immer klar kommuniziert, dass Zuschauerausschlüsse nicht kategorisch abgeschafft sind.“

Die Zusammenkunft in Frankfurt kann daher nur als Anfang verstanden werden, bundesweite Signale der Verständigung auszusenden. Weiterhin nicht im Dialog stehen die Vereinigung „ProFans“, die Interessenvertretung für Fan- und Ultragruppen, sowie das Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF).

DFB und Fans führen Gespräche – weitere Protestaktionen am Wochenende erwartet

Verbale Abrüstung scheint dennoch der Tenor zu sein, auch wenn weitere Protestaktionen am Wochenende sicher folgen dürften. Beim Topspiel Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund geht Sportchef Michael Zorc davon aus, dass es keine Eskalation geben wird. „Wir haben den Gesprächsfaden aufgenommen.“ Hoffenheims Geschäftsführer Frank Briel erwartet auch beim Spiel der TSG Hoffenheim beim FC Schalke 04 zumindest keine neuerlichen Hasstiraden gegen den Mehrheitseigner und Mäzen Dietmar Hopp. „Wir sind hoffnungsvoll und gewillt, dass man das Thema auf eine andere Ebene bringt. Es muss uns gelingen, einen vernünftigen Weg zu finden, bevor wir harte Linien ziehen“, sagte Briel.

An die Vernunft hatte auch Hubertus Hess-Grunewald, Präsident von Werder Bremen, appelliert, der sich in einem Gastbeitrag im Fachmagazin „Kicker“ „für den Dialog zwischen allen Interessensgruppen“ einsetzte und davor warnte, „mit vorschnellen Pauschalierungen den Konflikt weiter zu verschärfen.“ Sein Eindruck: „Ich empfinde es als positiv, dass sich auch die Berichterstattung der letzten Tage deutlich differenzierter zeigt als direkt nach den Vorfällen, wo aktionistisch anmutende Strafen gegen die Fans in den Kurven auf vielen Kanälen gefordert sind.“ Auch der FC Bayern hat das gemerkt und sich mit seinen Fans auf eine Aktion verständigt, hinter der alle stehen können und müssen: Rassismus die Rote Karte zeigen. 

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