Attacke

DFB ermittelt gegen HSV-Profi Leistner

Abwehrspieler gibt sich nach Attacke gegen pöbelnden Dresdner Fan reumütig.

Der Kontrollausschuss des DFB hat ein Ermittlungsverfahren gegen Hamburgs Fußballprofi Toni Leistner nach dessen Attacke auf einen pöbelnden Fan eingeleitet. Der Spieler werde zu einer Stellungnahme aufgefordert, hieß es weiter.

Leistner hat nach seinem Ausraster nach dem Pokalaus des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV beim Drittligisten Dynamo Dresden Reue gezeigt. „Ich entschuldige mich in aller Form für mein Verhalten und kann nur versprechen, dass mir – egal was mir an Beleidigungen an den Kopf geworfen wird – so etwas nie wieder passieren wird“, schrieb Leistner am späten Montagabend nach der 1:4 (0:2)-Niederlage bei Instagram.

Ein Video zeigte den Innenverteidiger, gerade erst von den Queen Park Rangers zum HSV gewechselt, wie er auf die Zuschauerränge steigt, einen Dynamo-Fan am Kragen packt und zu Boden stößt. „Ich bin nach dem Spiel von der Tribüne meiner Heimatstadt aus massiv beleidigt worden. Damit kann ich normalerweise umgehen. Doch dann ging es extrem unter die Gürtellinie gegen meine Familie, meine Frau und meine Tochter. In dem Moment sind mir die Sicherungen durchgebrannt“, erklärte Leistner den Vorfall: „So etwas darf mir dennoch niemals passieren.“ Sky-Reporter Jurek Rohrberg bestätigte, Leistner sei „aufs Übelste beleidigt“ worden.

Es könnte sogar möglich sein, dass dies Leistners letztes Pokalspiel für sehr lange Zeit gewesen ist. Denn die Sperre wird höchstwahrscheinlich nur für den Wettbewerb gelten. Es wird somit von der Höhe abhängen. Und da fehlt dem DFB ein vergleichbarer Fall. HSV-Profi Paolo Guerrero traf vor über zehn Jahren einen Fan mit einer Trinkflasche, blieb für den Wurf aber im Innenraum. Der Stürmer musste 20 000 Euro zahlen und wurde für fünf Spiele gesperrt.

In England war Tottenham-Profi Eric Dier vergangene Saison nach einer zu Leistners Auftritt fast identischen Aktion zu vier Spielen Sperre und einer Geldstrafe von umgerechnet fast 45 000 Euro verurteilt worden.

Nationalspieler Leon Goretzka von Bayern München äußerte sich kritisch Richtung Leistner: „Ich glaube, dass wir in so einem emotionalen Kochtopf wie einem Fußballstadion von klein auf solchen Beleidigungen und Schmähungen ausgesetzt sind. Da muss man schon von einem Spieler erwarten können, dass man sich da nicht beeindrucken lässt, die Ruhe bewahrt und drüber steht.“

Einige HSV-Fans fordern vor dem Zweitligaauftakt am Freitag gegen Fortuna Düsseldorf gar den sofortigen Rauswurf des Vizekapitäns, andere zeigten Verständnis.

Leistner ist in Dresden geboren und spielte von 2010 bis zum Zweitligaabstieg 2014 bei den Sachsen, die sich in einem Twitter-Statement auf die Seite des HSV-Spielers schlugen: „Es ist einfach nur beschämend, dass Toni Leistner derart von einem Fan seines Heimatvereins nach dem Spiel beleidigt wurde. Wir suchen die Person, weil wir diesen Vorfall so nicht stehen lassen wollen.“

Ansonsten herrschte blendende Laune bei den Gastgebern. „Das war ein geiles Gefühl, zwischendurch habe ich mich dabei ertappt, wie ich Gänsehaut hatte“, sagte Torschütze Yannick Stark, Neuzugang von Darmstadt 98. Auch Christoph Daferner, Torschütze zum 3:0, war beeindruckt: „Das war für 10 000 Leute schon bockstark! Ich will gar nicht wissen, was hier los ist, wenn wieder 30 000 Zuschauer ins Stadion dürfen.“ Es zahlte sich aus, dass Dynamo viel Energie und auch Geld investierte, um von den Behörden das „Go“ für eine fünfstellige Besucherzahl zu erhalten. (sid/dpa)

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