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DFB-Elf: Brajan Gruda, die heiße Aktie auf dem Transfermarkt

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Der Kapitän und der Novize: Ilkay Gündogan (li.) gibt Brajan Gruda wertvolle Tipps.
Der Kapitän und der Novize: Ilkay Gündogan (li.) gibt Brajan Gruda wertvolle Tipps. dpa © dpa

Der umworbene Mainzer Brajan Gruda, gerade 20 Jahre alt, ist ein selbstbewusster Lückenbüßer im DFB-Kader.

Der kleine Steppke vor der Regelschule in Blankenhain kramt die Autogrammkarte heraus, die ihm zwei deutsche Nationalspieler beim Besuch der Sportstunde ziemlich unleserlich unterschrieben hatten. „Ich weiß nicht, wer die waren, aber es war trotzdem gut“, erzählt der Bursche.

Woher soll er sie auch kennen, die überraschend noch für das EM-Vorbereitungscamp nahe Weimar und ab diesem Wochenende in Herzogenaurach nominierten Brajan Gruda von Mainz 05 und Rocco Reitz aus Mönchengladbach. Den ganz großen überregionalen Ruhm haben die beiden kleinen Kerle sich noch nicht erworben. Aber gerade Gruda hat sich im Abstiegskampf der Mainzer derart mutig durch gegnerische Abwehrdickichte gedribbelt, dass längst auch die Großen der Branche auf den jungen Mann aufmerksam geworden sind, der seit diesem Freitag 20 Jahre alt ist.

„Bayern und Leverkusen kämpfen um 50-Millionen-Mainzer“, berichtete „Bild“ diese Woche ein wenig überhitzt. Dass Gruda - in Speyer geboren, mit 15 zu Mainz 05 gewechselt und Deutscher Meister mit der 05-A-Jugend 2023 - durch die Nominierung von Nagelsmann noch mehr ins Blickfeld gerät, macht ihn nicht billiger. Aber auch noch nicht 50 Millionen teuer. Aber halb so viel, das vielleicht schon.

Der Deutsch-Albaner besitzt in Mainz einen Vertrag bis 2026. Das gibt Sportvorstand Christian Heidel eine bequeme Verhandlungsposition. Der sagte kürzlich: „Ich gucke nicht ständig aufs Handy und hoffe, dass wir einen Anruf für Gruda bekommen. Ich wäre überglücklich, wenn kein Anruf käme, weil wir da natürlich ein Juwel haben. Der kann super-super gerne weiterspielen hier.“ Mittlerweile dürften ein paar Telefonate bei Heidel eingegangen sein. Gruda, der mit vier Treffern und drei Assists maßgeblich Anteil an der Mainzer Auferstehung hatte, ist eine heiße Aktie auf dem Transfermarkt.

Müller als Trikotjäger

Lob gibt es aus allen Richtungen. Klubcoach Bo Henriksen hält den Außenstürmer mit den kurzen Hebeln für den derzeit aufregendsten jungen Bundesligaspieler. Bundestrainer Julian Nagelsmann erkennt einen „sehr feinen linken Fuß“. Thomas Müller hat das besondere Talent schon recht früh entdeckt. Im Oktober 2023 siegten die Bayern zwar 3:1 in Mainz, Irrwisch Gruda hatte einigen Münchner Abwehrspielern dabei allerdings Knoten in die Beine gespielt. Müller besorgte sich das Trikot des Toptalents und bedankte sich danach bei Instagram artig mit den Worten: „Arbeite weiter hart, mein Freund!“

Dieser Tage sagte der Altmeister über den just dem Teenageralter entwachsenen Linksaußen: „Wenn man ihn beobachtet, sieht man, dass er etwas Besonderes hat. Deshalb habe ich damals sein Trikot bekommen und es öffentlich gemacht. Ich dachte mir da schon: ,Der ist bemerkenswert gut!‘“

Das ist Gruda tatsächlich. Er wirkt aufgeweckt und selbstbewusst und hat sich auch im DFB-Team schon ein bisschen Respekt verschafft. „Es ist ein überragendes Gefühl, und macht mich stolz, hier dabei zu sein, Ich genieße jede Sekunde“, sagt er. Im Training kann Gruda bisweilen nur durch Fouls gebremst werden. Und er arbeitet inzwischen nach hinten mit. Das hat Trainer Henriksen dringlich eingefordert. Der Spieler hat verstanden.

Für die Heim-Europameisterschaft ist Gruda eigentlich nicht vorgesehen, er sollte gemeinsam mit Rocco Reitz, 22, nur bis Ende Mai die Lücken schließen, weil Spieler aus Leverkusen und Barcelona später angekommen sind und die Champions-League-Teilnehmer aus Madrid und Dortmund erst nächste Woche zum Kader stoßen werden.

Inzwischen hat sich Nagelsmann aber entschieden, dass beide länger als geplant bleiben dürfen. Gruda und Reitz gehören für die Testspiele am 3. Juni in Nürnberg gegen die Ukraine und am 7. Juni in Mönchengladbach gegen Griechenland zum Aufgebot. Den abschließenden EM-Kader muss der Bundestrainer erst danach der Uefa melden. Vielleicht findet Gruda doch noch eine Lücke, durch die er sich ins endgültige Aufgebot dribbeln kann.

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