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Herr der Zahlen: DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge. Foto: dpa
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Herr der Zahlen: DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge.

Kassensturz beim Fußballbund

DFB erzielt trotz Corona-Pandemie weiter Millionen-Gewinne

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Schatzmeister Osnabrügge ärgert sich über „Kriminalisierung“ des DFB, gibt Fehler in der Personalauswahl zu, kann aber trotz Corona einen Gewinn von zwei Millionen Euro ausweisen.

Frankfurt - Der Deutsche Fußball-Bund hat das Corona-Jahr 2020 trotz erheblicher Mindereinnahmen mit einem Gewinn von zwei Millionen Euro abgeschlossen. Das gab der nach sechs Jahren im März scheidende Schatzmeister Stephan Osnabrügge am Montag in einem volle 90 Minuten plus Nachspielzeit währenden Pressegespräch bekannt. 2019 waren noch 405 Millionen Euro in die Kasse geflossen und fast 20 Millionen Euro Gewinn übriggeblieben, 2020 kamen 51 Millionen Euro weniger beim DFB an.

Ein Beispiel: In den fünf Heimspielen sanken die Erlöse aus Eintrittskarten von im Vorjahr 7,2 Millionen Euro auf null Cent. Es durfte ja kein einziger zahlender Fan kommen, sondern nur ein paar Medienleute bei freiem Eintritt. 11,7 Millionen Euro fehlten aufgrund der Geisterspiele obendrauf an Einnahmen aus Sponsoring. Weil der Verband seine Teams nicht zu Turnieren schicken durfte und keine Maßnahmen stattfinden konnten, sparte er auch eine ganze Menge Geld und konnte seine Ausgaben gegenüber dem Vorjahr um 33 Millionen Euro auf 352 Millionen Euro senken.

DFB zahlt mittlerweile deutlich mehr Steuern als in den vergangenen Jahren

Hatte der DFB zur Jahrtausendwende dank nachsichtiger Beurteilung des Finanzamtes kaum mehr als eine Million Euro Steuern auf seine Erträge zu zahlen, waren es 2020 18,2 Millionen Euro. Osnabrügge spricht von „deutlich veränderten Sichtweisen der Steuerbehörden“.

Fragt man den DFB-Finanzchef nach dem Steuerbescheid für das Jahr 2006, verdüstert sich seine Miene. Aufgrund der bis heute nicht aufgeklärten Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die im Zusammenhang mit dem Sommermärchenskandal in Katar versandeten, musste der Verband im Jahr 2017 exakt 22,57 Millionen Euro ans Finanzamt nachzahlen. Denn das hatte dem DFB nachträglich für 2006 die Gemeinnützigkeit aberkannt. Der DFB hat umgehend Einspruch erhoben. Über den ist bis heute noch immer nicht beschieden worden, was Osnabrügge betrübt. Er fürchtet nämlich, dass das auch bis zum Ende seiner Amtszeit nicht passieren wird.

Beim DFB fühlt man sich von Medien skandalisiert und kriminalisiert

Ein gewisser Frust über die andauernd negative Presse ist beim von diesem Dienstag an 51 Jahre alten Bonner herauszuhören,: „Entgegen aller pauschaler Behauptungen herrscht beim DFB kein Chaos. Die Kriminalisierung, Skandalisierung, die laufende Strafverfahren und Durchsuchungen belasten die gesamte Arbeit unseres Hauses.“ Alle Strafverfahren seien bisher eingestellt worden, das interessiere dann aber niemanden mehr. „Die Behauptung. ,alles Verbrecher und alle unfähig´“ dürfe man „ungestraft öffentlich tätigen“.

Zuletzt hatte sich Osnabrügge über ein Interview des Ex-DFB-Präsidenten Fritz Keller geärgert, der ihm in einer öffentlichen Abrechnung auf recht schlichtem Niveau unter anderem Ahnungslosigkeit unterstellte. Der Schatzmeister gab in seiner Replik zu erkennen, dass für verschiedene Führungspositionen „leider die falschen Personen ausgewählt“ worden seien. Dass Keller dazugehörte, ließ sich leicht aus dieser Aussage schließen, ohne dass Osnabrügge den Namen erwähnte.

DFB: Frust über China-Engagement - „Projekt eingestellt“

Kritisch beurteilte er das gescheiterte China-Engagement des DFB. Der Verband hat dafür rund eine Million Euro aufgewendet. „Da ist sehr viel Enttäuschung zurückgeblieben.“ Zusagen seien von chinesischer Seite nicht eingehalten worden. „Wir haben das Projekt eingestellt.“

Etwas schmallippiger wurde Osnabrügge, als es um Fragen nach kolportierten Kosten von 372.000 Euro für den umstrittenen Berater Kurt Diekmann ging. Die „Rechtsbeziehung zur Diekmann-GmbH“ sei „erschöpfend beleuchtet worden“. Die Wirtschaftsprüfer hätten sich noch einmal intensiv mit dem Thema beschäftigt „und dem DFB ein uneingeschränktes Testat erteilt“. Diekmann sei als Spin-Doctor für den Verband unterwegs gewesen. Er, Osnabrügge, habe veranlasst, dass keine Pauschalen überwiesen wurden, sondern in den Rechnungen gesondert die Leistungen nachgewiesen werden mussten. Zudem habe er auf eine Begrenzung der Summe und der Arbeitszeit Diekmanns gepocht. Der hat offenbar dennoch gut am DFB verdient. (Jan-Christian Müller)

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