Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

DFB-Auswahl

Deutschland blamiert sich gegen Nordmazedonien - Joachim Löw in Bedrängnis

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
    schließen

Die deutsche Nationalmannschaft kassiert in der WM-Qualifikation gegen den Außenseiter Nordmazedonien eine fatale 1:2-Niederlage. Wie konnte das nur passieren?

Duisburg - Den Weg ins Duisburger Stadion weisen dezente Hinweisschilder, auf denen steht: „Deutsche Fußball-Route NRW“. Im Sportpark Wedau hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM 2022 in Katar einen fast historischen Rückschlag erlitten, der erneute Grundsatzdiskussionen um das Aushängeschild nach sich zieht:

Die 1:2 (0:1)-Heimniederlage gegen Außenseiter Nordmazedonien bringt vor allem auch den im Sommer scheidenden Bundestrainer Joachim Löw wieder in Bedrängnis. Mit der von Goran Pandev (45. +2) und Eljif Elmas (85.) besiegelten Pleite beim zwischenzeitlichen Ausgleich von Ilkay Gündogan (63./Foulelfmeter) wackelt wieder das gesamte Konstrukt. Zitterspiele um die Zulassung zur umstrittenen Wüsten-WM braucht im krisengeplagten Verband eigentlich niemand.

DFB-Team mit Niederlage gegen Nordmazedonien -

Ausgerechnet in seinem 33. und letzten WM-Qualifikationsspiel büßte Löw nach einer zerfahrenen Darbietung den Nimbus der Unbesiegbarkeit ein: Der 61-Jährige hatte zuvor 29 Siege eingefahren, nun aber seinem noch zu bestimmenden Nachfolger keine einfache Hypothek hinterlassen, schließlich qualifiziert sich nur der Gruppenerste direkt. Letztlich hatte der Südbadener mit seiner Warnung vor dem unbequemen Widerpart Recht behalten – der nur zwei Millionen Einwohner zählende Balkan-Staat hat sich über die Hintertür für die EM 2021 im Sommer qualifiziert.

Der Anfang vom Ende: das 0:1.

Vor Anpfiff zoomten die Kameras erneut auf eine Botschaft aus der Mannschaft für die Einhaltung der Menschenrechte: Diesmal rollte das Team ein Transparent aus, auf dem stand: „Wir für 30“ – ein klar verständliches Zeichen an die 30 Artikel. Gegenüber den Partien gegen Island (3:0) und Rumänien (1:0) tauschte Löw auf zwei Positionen: Neben Torwart Marc-André ter Stegen für Manuel Neuer rückte Robin Gosens für Lukas Klostermann in die Startelf. Emre Can besetzte die Abwehrzentrale. Daran lag es aber nicht, dass das deutsche Spiel von Beginn an merkwürdig schwergängig wirkte.

Deutschland gegen Nordmazedonien - es fehlen die Überraschungsmomente

Es fehlten Überraschungsmomente und Tempowechsel, um die tief verteidigenden Gäste auseinanderzureißen. Hinzu kam abermals das Manko einer schludrigen Chancenverwertung: Leon Goretzka traf nur die Latte (9.). Danach dauerte es, bis Serge Gnabry am guten Schlussmann Stole Dimitrievski scheiterte (27.). Und abermals war es der bisher im DFB-Dress doch so treffsichere Gnabry, der den Ball auf die Hintertor-Tribüne jagte (31.). Von derlei Verschwendungssucht befallen, vergaß die DFB-Auswahl bald das aufmerksame Verteidigen.

Nachdem Torhüter ter Stegen bei einem Freistoß von Ezgjan Alioski noch prächtig reagierte hatte (40.), stand in der Nachspielzeit plötzlich Ausnahmekönner Pandev nach einem zuvor selbst inszenierten Angriff nach Zuspiel von Enis Bradhi mutterseelenallein am Torraum. Der in der Serie A in Genua tätige 37-Jährige konnte seinen Führungstreffer selbst kaum fassen.

Deutschland verliert gegen Nordmazedonien: Amin Younes und Timo Werner von der Bank

Die wieder in gewohnter schwarz-weißer Spielkleidung angetretenen Deutschen verzettelten sich auch im zweiten Durchgang viel zu häufig. Löw reagierte aber erst nach 57 Minuten und brachte Timo Werner und Amin Younes für den enttäuschenden Havertz und den mutlosen Gosens, dem die Verletzungspause anzusehen war. Doch auch die neu aufgestellte Offensive – Werner rückte sogleich auf die Mittelstürmerposition, Younes ordnete sich auf der linken Flanke ein – sollte zunächst keine wesentliche Besserung bringen. Eine Einzelaktion musste helfen: Als Alioski den Fuß gegen den einfädelnden Sané nicht wegziehen konnte, zeigte der russische Referee Sergei Karasev auf den Elfmeterpunkt. Gündogan verwandelte souverän zum 1:1.

Doch ein echter Ruck ging nicht durch das deutsche Ensemble, das sich beim dritten Spiel binnen sieben Tag viel zu oft verzettelte. Riesenglück noch, dass eine Abwehraktion von Can mit dem abgespreizten Arm nach einer Ecke nicht zu einem Strafstoß führte. Dass es keinen Videobeweis bei den WM-Qualifikationsspielen gibt, kam dem Gastgeber hier zugute (76.). Auf der Gegenseite hätte eigentlich Werner treffen müssen, vergab aber nach Gündogan-Zuspiel fast kläglich (79.). Diese verstolperte Möglichkeit sollte sich bitter rächen, als Elmas erneut die defensive Unordnung mit dem frenetisch bejubelten Siegtreffer des Weltranglisten-65. bestrafte. Abermals hielten die deutschen Abwehrspieler einen Corona-Sicherheitsabstand, der nicht angebracht war.

Joachim Löw hat nicht viel Zeit: Rufe nach Weltmeistern werden lauter

Löw muss nun rasch einige Grundsatzüberlegungen anstellen. Thilo Kehrer und Julian Draxler von Paris St. Germain, Marco Reus und Julian Brandt von Borussia Dortmund sind diesmal nicht berücksichtigt worden. Die Rufe nach den Weltmeistern Mats Hummels und Thomas Müller werden gewiss wieder lauter. Vor allem letzterer würde vermutlich auch zu Fuß von München ins Trainingslager nach Seefeld gehen, wo am 25. Mai der Feinschliff für eine EM beginnt, das aus deutscher Sicht mit vielen Fragezeichen behaftet ist.

Wenn schon der Neuling Mazedonien solche Schwierigkeiten macht, was passiert dann erst in einer Gruppe mit Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal? (Frank Hellmann)

Rubriklistenbild: © AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare