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Läuft weiterhin nicht alles nach Wunsch: Bundestrainer Joachim Löw, einfach mal durchpusten.

EM-Qualifikation

Deutschland ist noch mal abgerutscht

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Deutschland steckt bei der Ziehung der EM-Qualifikationsgruppen nur im zweiten Lostopf.

Am Ende war es dann für Joachim Löw fast zu wenig. „Ich würde gerne noch einige Länderspiele mehr machen“, sagte der Bundestrainer am vergangenen Sonntag im Sportzentrum Kamen-Kaiserau fast beiläufig. Unabhängig vom Jahresabschluss gegen die Niederlande (2:2) war beim 58-Jährigen bereits die Erkenntnis gereift, dass der Erneuerungsprozess einen langen Atem braucht, bei dem ihm die Mischung aus Testspielen und der neuen Nations League ganz gelegen kam.

Allerdings: So geht es 2019 nicht weiter. Sondern: Bereits im Frühjahr beginnt die EM-Qualifikation, für die insgesamt zehn Termine jeweils mit Doppelspieltagen im März, Juni, September, Oktober und November 2019 reserviert sind. Kommt Deutschland bei der Auslosung am 2. Dezember in eine Sechser-Gruppe – und die Wahrscheinlichkeit ist hoch – dann ist kein Platz mehr für Freundschaftsspiele.

Es gehört wohl zur Ironie des historisch schlechten Länderspieljahres 2018, dass indirekt ein Spieler aus der Bundesliga dafür gesorgt hat, dass Deutschland bei der Ziehung der EM-Qualifikationsgruppen in Dublin nur noch im zweiten Topf steckt. Bei einer 1:0-Führung der Portugiesen gegen Polen leistete sich ausgerechnet Renato Sanches vom FC Bayern einen sehr gewagten Querpass, der über Umwege zum Bumerang wurde: Der Portugiese Danilo Pereira zog die Notbremse gegen Arkadiusz Milik, der Pole verwandelte den Strafstoß im zweiten Versuch zum 1:1-Endstand. Damit hatte die ohne Bayern-Torjäger Robert Lewandowski angetretenen Polen noch das DFB-Team überflügelt, da in der Setzliste nur das Abschneiden aus der Nations League zählt. Mickrige zwei Zähler bedeuteten unter einem Dutzend Teams aus allen A-Gruppen nur den vorletzten Rang für Deutschland. Auch das ist letztlich dumm gelaufen.

Nachbarn wie Schweiz, Niederlande, Belgien oder Polen sind allesamt im ersten Lostopf und damit genauso mögliche Gegner in der Qualifikation wie Spanien, Frankreich oder Portugal. Aus dem dritten Topf kommen Kaliber wie Türkei, Irland, Serbien, Norwegen, Finnland oder Israel infrage. Dazu ein Team aus der vierten Kategorie wie Kosovo, Mazedonien, Luxemburg oder Armenien, bei einer Sechser-Gruppe würde noch ein Underdog Lettland, Liechtenstein, Andorra, Malta oder San Marino auffüllen. Davor wird niemand bange sein, aber allein das Abrutschen in den zweiten Lostopf muss die Sinne schärfen, dass es mit dem Werteverfall beim entthronten Weltmeister 2014 irgendwann gut sein sollte.

Ganz gleich, wer als Gegner wartet – Löw wird übernächsten Sonntag im Convention Center der irischen Hauptstadt vor Ort sein –, ist die sportliche Leitung nicht übermäßig besorgt. Anders als bei den EM-Turnieren mit 16 Teams lösen nach der Ausweitung auf 24 Mannschaften alle Gruppenersten und –zweiten die Zulassungsberechtigung zu der über ganz Europa verteilten EM 2020, in der Baku, Bilbao oder Budapest genauso Spielorte sind wie London oder München, wo Deutschland zwei Gruppenspiele austragen würde. „Wir werden uns qualifizieren“, verspricht Löw, der auch beteuert: „Wir werden nächstes Jahr eine gute Mannschaft auf den Platz schicken, die wieder erfolgreichen und guten Fußball spielt.“

Der Südbadener will 2019 soweit es irgendwie geht auch zum Experimentieren zu nutzen. Beispielsweise hat er den Bremer Mittelfeldspieler Maximilian Eggestein als einen Kandidaten auserkoren, der nach enger Absprache mit U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz als nächstes getestet werden soll. Ferner sind von ihm bereits die Leipziger Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg, dazu Jonas Hofmann aus Mönchengladbach genannt worden.

Für den bislang unwahrscheinlich Fall, dass sich die Schaffenskrise noch verschlimmern sollte und die deutschen Fußballer nur Gruppendritter würden, ginge über Playoffspiele noch ein Hintertürchen auf. Die letzten vier EM-Tickets werden nämlich mit Nachrückern aus der Nations League erst vom 26. bis 31. März 2020 vergeben. Gedankenspiele, die im deutschen Fußball keiner will. Und Länderspiele, die nicht mal Joachim Löw noch braucht.

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