+
Das Volksparkstadion, Heimat des HSV.

Einwurf

Länderspiel in Hamburg: Start-up im Volkspark

  • schließen

Das Hamburger Stadion nimmt eine wichtige Rolle ein in der Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft.  

Im Hamburger Volksparkstadion hat es schon einige bedeutungsvolle Länderspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegeben - und einige weniger bedeutungsvolle ehrlicherweise auch. Denken wir gemeinsam an ein 0:0 gegen Polen kurz vor der dann so überaus erfolgreichen Weltmeisterschaft 2014. Seinerzeit hieß die ehemalige Betonschüssel gerade Imtech Arena, nachdem sie vorher schon unter den Namen AOL-Arena und HSH Nordbank Arena firmiert hatte. Man kann nicht behaupten, dass die Namensgeber dadurch berühmt geworden wären. Eher berüchtigt. AOL übernommen, HSH Nordbank abgewickelt, Imtech pleite.

Wie dem auch sei: Damals, im Mai, ließ Bundestrainer Joachim Löw ein besseres B-Team auflaufen, und die ruhmreiche „FAZ“ titelte gnadenlos: „Trostloses Resultat nach überflüssigem Spiel.“ Ehrlicherweise fanden junge Männer wie Sebi Jung, Maxi Arnold, Christian Günther oder Oliver Sorg die Partie überhaupt nicht überflüssig. Es sollte nämlich ihre erste und einzige für Deutschlands A-Team bleiben. So was nimmt einem niemand mehr weg.

Ballacks Beschwerde über das Hamburger Publikum

Auch Christoph Kramer wird sich immer gern an die Nullnummer und die Imtech Arena erinnern. Der Mönchengladbacher spielte derart gut gegen Polen in Hamburg, dass der Bundestrainer ihn flugs für Brasilien nachnominierte, wo Kramer sogar im Finale dabei sein durfte. Dabei hatte der bis dahin einer breiten Bevölkerung völlig unbekannte Mittelfeldspieler zuvor noch nicht mal zum vorläufigen 30-Mann-Kader gehört. Von wegen überflüssiges Länderspiel. Die 90 Minuten haben sein Leben verändert. Er ist jetzt Weltmeister und wird es irgendwie immer bleiben, auch wenn er sich nicht mehr an alles erinnert. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft kassiert in Hamburg einen Dämpfer und verliert 2:4 gegen die Niederlande

Zurück von Rio nach Hamburg. Auch 2009 gab es dort ein auf den ersten Blick schreckliches Länderspiel. Eigentlich hatten alle zahlenden Zuschauer vorher gehofft, die Begegnung gegen Finnland würde entscheidend für die WM-Qualifikation 2010 sein. Doch dann hatten die Deutschen ein paar Tage zuvor heroisch auf Kunstrasen in Moskau gewonnen und waren schon für Südafrika qualifiziert. Entsprechend lust- und emotionslos agierte die damals noch von Michael Ballack angeführte Mannschaft beim öden 1:1. Es gab schrille Pfiffe, weil die Fans nicht kapierten, wie Profis halt ticken, und hinterher beschwerte sich Ballack bitterlich übers ungnädige Hamburger Publikum.

Der alte Herr Löw kehrt zurück

Das war allerdings an gleicher Stätte schon vier Jahre zuvor, beim 1:0 gegen China, bis an den Rand der Geduldsgrenze genervt worden. Ein Spiel, mit Verlaub, zum Vergessen. Und hey, wer erinnert sich bitte schön noch daran? Nur wir hier heute an dieser Stelle.

Aber es wäre natürlich unfair von der ewig nörgelnden Frankfurter Rundschau, die Festtage dieses Jahrtausends auszulassen. Das 3:0 gegen Island im Oktober 2003 zum Beispiel, das den Unsrigen eine EM-Teilnahme 2004 sicherte, über die wir lieber schamvoll schweigen. Oder ein 3:0 am 15. November 2011 gegen den ewigen Rivalen, der auch heute wieder vorstellig wird. Es war von einigen guten das vielleicht beste Länderspiel unter Joachim Löw. Ein wahrer Sturmwirbel einer Mannschaft, deren Produktlebenszyklus knapp drei Jahre später seinen Höhepunkt erreichte, ehe die Marke im Sommer 2018 vom Markt verschwand. 2019 kommt der alte Herr Löw mit einem Start-up-Unternehmen zurück nach Hamburg. Es dürfte spannend werden.

Deutschland gegen Holland

Luca Waldschmidt: Auf Umwegen zu Joachim Löw
Deutschland - Niederlande: Die Rückkehr des Konterspiels

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion