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Deutschland gegen Österreich: Torjägerinnen mit Kampfeslust

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Von: Frank Hellmann

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Zeigt gerne mal die Zähne: DFB-Torjägerin Alexandra Popp.
Zeigt gerne mal die Zähne: DFB-Torjägerin Alexandra Popp. © IMAGO/Newspix24

DFB-Stürmerin Alexandra Popp und ihre österreichische Kollegin Nicole Billa besitzen beide besonderes Durchsetzungsvermögen. Jetzt treffen beide im EM-Viertelfinale aufeinander.

Im Londoner Stadtteil Brentford ist bereits alles angerichtet für das EM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Österreich, wenn sich nicht nur viele Bekannte, sondern auch prägende Gesichter des Turniers begegnen. Eine ist Alexandra Popp, die deutsche Torjägerin, deren Konterfei gleich an der Haltestelle Kew Bridge, wo die Buslinien in Richtung Richmond abfahren, auf dem offiziellen EM-Plakat prangt. Mit dem Spruch: „We’re here to win and it means everything.“ Wir sind hier, um zu gewinnen, und das bedeutet alles.

Aber auch Nicole Billa, die österreichische Torgarantin, bekommt besondere Aufmerksamkeit, die sich zwar nicht in Plakaten, dafür aber auf vielen Trikots zeigt. Vergangenen Freitag im Falmer Stadion von Brighton & Hove saßen gegen Norwegen (1:0) mehrere Personen mit weißen, schwarzen und roten Österreich-Jerseys direkt hinter der Trainerbank, alle den Namensaufdruck Billa auf dem Rücken: die Eltern Manfred und Brigitte, Schwester Julia und Bruder Dominik. Klar, dass sie Nicole Billas 44. Tor im 88. Länderspiel frenetisch bejubelt haben.

Jubelt regelmäßig für Österreich: Nicole Billa.
Jubelt regelmäßig für Österreich: Nicole Billa. © dpa

Popp wie Billa verkörpern eine klassische Mittelstürmerin. Die Deutsche spielt ihre physischen Fähigkeiten voll aus und hat in jedem Spiel der Frauen-EM 2022 ein Kopfballtor erzielt. „Es läuft in alter Popp-Manier“, sagt die 31-Jährige von sich selbst. Als sie nach ihrem 56. Treffer im 117. Länderspiel gegen Finnland (3:0) den früheren Interimstrainer Horst Hrubesch und dessen Spitznamen als Kopfball-Ungeheuer erwähnte, rief dieser danach direkt bei der Kapitänin an.

So wie Popp keinen Zweikampf scheut, ist Billa kein Weg zu weit. Sie gilt beim ÖFB-Team als eher introvertierte Persönlichkeit, was wegen ihrer teils sehr extrovertierten Mitspielerinnen sofort auffällt. Ihre Qualitäten zeigte die 26-Jährige zuletzt in der Schlüsselszene gegen Norwegen. Als Spielerin des Spiels kündigte sie sofort an, sich gegen Deutschland „für unser kleines Land aufopfern“ zu wollen. Auch Popp erwartet eine Begegnung, in der Leidensfähigkeit gefragt sein könnte. Denn: „Die Österreicherinnen laufen ja bis zum Umfallen.“ Tatsächlich hat der Gegner mit 344 Kilometer die beste Laufleistung aller EM-Teilnehmer vorzuweisen.

Kickboxende Fußballerin

Ihr Durchsetzungsvermögen haben sich beide Angreiferinnen auf ihre Art angeeignet: Popp lernte an der Eliteschule Berger Feld in Gelsenkirchen als einziges Mädchen unter Jungs, beim Fußball die Ellbogen auszufahren. Billa verdingte sich bis zum 16. Lebensjahr parallel als Kickboxerin, die Tirolerin war dreimalige Europa- und Weltmeisterin bei den Juniorinnen.

Nicht nur einmal ist sie mit einer blutigen Nase nach Hause gekommen. Doch für den Fußball entschied sie sich, weil das Gefühl, in einem Mannschaftssport für andere Verantwortung zu übernehmen, durch nichts zu ersetzen sei. Eine Ansicht, die Popp mit ihr teilt.

Beide haben einen ordentlichen Beruf gelernt. Die eine als Tierpflegerin, die andere als Erzieherin. Beide waren auch schon Deutschlands Fußballerin des Jahres. Popp 2014 und 2016, Billa 2021. Die bereits 2015 zur TSG Hoffenheim gewechselte Angreiferin hat gerade ihren Vertrag bis 2024 verlängert. Und da auch Popp kein Verlangen spürt, den VfL Wolfsburg gegen eine Auslandsstation einzutauschen, wird es das Duell bald schon wieder in der Bundesliga geben. Angesetzt ist die Paarung übrigens gleich für den zweiten Spieltag. Wäre nur schön, wenn ein bisschen was von der Begeisterung aus Brentford bis dahin in den Kraichgau schwappt.

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