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Sorgen für volle Kassen beim DFB: Die A-Nationalmannschaft der Männer.

Equal Pay

Die Männer als Melkkühe

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DFB-Schatzmeister Osnabrügge stellt die Bilanz 2018 vor und wehrt sich gegen Vorhaltungen, der Verband tue nicht genug für seine Frauenteams.

Draußen vor der Verbandszentrale am Rand des Frankfurter Stadtwalds zog Generalsekretär Friedrich Curtius die Regenbogenflagge hoch, um die Vielfalt des Verbandes zu dokumentieren. Drinnen trug der Schatzmeister das wichtige Zahlenwerk vor, mit der unter anderem so eine Fahne (mitsamt begleitender Medienkampagne) finanziert wird. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat sich ausreichend Fett angefuttert, aber er gibt seit Jahren mehr Geld aus, als er einnimmt. Das ist ein Fazit aufs dem Bilanzpressegespräch von Schatzmeister Stephan Osnabrügge mit Journalisten am Donnerstag.

Der Finanzexperte wehrte sich aus diesem Anlass mit Nachdruck dagegen, der Verband tue nicht genug für seinen weiblichen Nachwuchs und die Frauen-Nationalmannschaft. Allein im Jahr 2018 seien „mehr als zehn Millionen Euro zur Förderung des Mädchen- und Frauenfußballs“ geflossen. „Wir investieren sehr wohl überproportional in die Entwicklung des Frauenfußballs.“

Die Kritik am DFB auf diesem Feld sei „nicht berechtigt“. Auch sei die Forderung nach „equal pay“ (gleicher Bezahlung) nicht angebracht. Denn: „Unsere Nationalspieler und Nationalspielerinnen sind keine DFB-Angestellten. Deshalb ist ,equal pay‘ der falsche Begriff, es geht um ,equal share’“ – darum also, von den Gesamteinnahmen aus den Fifa-Töpfen und dem Sponsoring vergleichbar große Anteile an die Nationalspieler und -spielerinnen zu verteilen. So erklärt sich die Diskrepanz: Die Männer hätten für den WM-Titel 2018 je 350.000 Euro erhalten, die Frauen 2019 75 000 Euro. Beide Expeditionen misslangen bekanntlich. Zum Vergleich: Für die Frauen-WM 2019 lobte die Fifa insgesamt für alle Teams Prämien von 26 Millionen Euro aus, 2018 kassierte allein Männer-Weltmeister Frankreich 32 Millionen Euro aus dem Fifa-Prämientopf.

Frauenfußball kostet dem eine ganze Stange Geld

Während der Frauenfußball dem DFB also im Saldo eine ganze Stange Geld kostet, trägt die A-Nationalmannschaft der Männer mit 58 Millionen Euro Gewinn (hauptsächlich aus der TV-Vermarktung) dazu bei, dass der Verband Geld nach unten verteilen kann. Auch der DFB-Pokal (im Jahr 2018 plus 14 Millionen Euro) und die Sponsoringeinnahmen (plus 41 Millionen, hauptsächlich dank der großen Werbekraft von Jogis Jungs) sind Melkkühe der aktuellen DFB-Bilanz.

Bei der Männer-WM in Russland kam der DFB immerhin finanziell mit einem blauen Auge und am Ende mit einer schwarzen Null davon. Insgesamt musste der Verband für das Geschäftsjahr 2018 aber 5,5 Millionen Euro aus seinen Rücklagen (von nunmehr noch immer stolzen 132 Millionen Euro) holen, um den Jahresverlust auszugleichen. Im Jahr 2017 hatte der DFB sogar 21 Millionen Euro Verlust ausgewiesen, weil ein Betrag in etwa dieser Höhe ans Finanzamt nachgezahlt werden musste – Nachwehen des WM-Skandals 2006, in dessen Zuge dem Verband die Gemeinnützigkeit für das WM-Jahr aberkannt worden war.

Schatzmeister Osnabrügge geht zuversichtlich davon aus, dass der Einspruch des DFB gegen den Bescheid Erfolg haben wird. Noch ist darüber nicht entschieden. Sollte es so kommen, müssten das Finanzamt dem Verband den gesamten Betrag (genau 22,57 Millionen Euro) zuzüglich sechs Prozent Zins und Zinseszins zurücküberweisen. Geld, das der DFB gut gebrauchen könnte.

DFB-Akademiebau in Frankfurt geht gut voran

Denn er hat mit seinen 350 Mitarbeitern, die 40 Millionen Euro Personalkosten verursachen, einiges zu wuppen. Mehr als 43 Millionen Euro hat der DFB nämlich für den ideellen Bereich aufgewendet. Allein rund 17 Millionen Euro flossen in die Talentförderung und die Trainerausbildung. Mit 15 Millionen Euro wurden die 21 Landesverbände gefördert, so großzügig wie nie zuvor. Deutlich gestiegen ist die Steuerlast des gemeinnützigen Verbandes: Im vergangenen Jahr waren es rund 24 Millionen Euro. Kosten verursachten auch die erfolgreiche EM-Bewerbung für 2024 (fünf Millionen Euro, von denen drei Millionen schon wieder von der Uefa zurückflossen), das DFB-Museum in Dortmund, das in Teilen missglückte China-Projekt und vor allem die Bauvorbereitungen für die der neuen Akademie an der alten Frankfurter Galopprennbahn.

Das große Zukunftsprojekt kostet 150 Millionen Euro, 75 Millionen holt der DFB dafür aus seinen eigenen Rücklagen, 75 Millionen nimmt er über Kredite auf, Osnabrügge berichtet nicht ohne Stolz von „weniger als 0,5 Prozent Zinsen“. Da kann mancher Häuslebauer direkt neidisch werden. An der Galopprennbahn komme der Bau zügig voran, „im Moment sind wir vor der geplanten Zeit und voll im Finanzrahmen, der Beton fließt, die Platten sind gelegt“. Am 26. September, einen Tag vor dem DFB-Bundestag zur Wahl des neuen Präsidenten, wird der Grundstein an der Galopprennbahn gelegt. Der Spatenstich war bereits Anfang Mai erfolgt.

„Im Grunde wären wir in der Lage, den Neubau aus Eigenmitteln zu finanzieren“, erläuterte Osnabrügge gestern, aber das Gebot der Gemeinnützigkeit verbietet es dem DFB, die Rücklagen uneingeschränkt für das Mammutprojekt zu nutzen. Sie müssen zu großen Teil dem Amateurfußball zukommen, in die neue Akademie zieht aber auch die Nationalmannschaft ein, die zweifellos kommerziellen Ansprüchen genügen muss. Im DFB hat man wenig Lust, nach dem Desaster mit der WM-Affäre 2006 noch einmal fundamentalen Stress mit den Finanzbehörden zu bekommen.

Wegen des neuen Generalsponsorvertrags mit Volkswagen, der seit 1. Januar 2019 gilt, erwartet Osnabrügge für das laufende Geschäftsjahr steigende Sponsoringüberschüsse, Der Finanzchef nennt keine konkreten Zahlen, dem Vernehmen nach kommen aber allein aus dem Vertrag 20 Millionen Euro mehr in den DFB-Haushalt als zuvor bei der Partnerschaft mit Mercedes. Bei einem ein wenig abgeschmolzenen Eigenkapital von noch immer 150 Millionen Euro und solchen Aussichten kann der selbstbewusste Osnabrügge mit Fug und Recht verlautbaren, dass er seine Kasse gut im Griff hat.

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