Der DFB findet eine neue Medienchefin.
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Der DFB findet eine neue Medienchefin.

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Deutscher Fußball-Bund findet neue Medienchefin

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die passionierte Marathonläuferin Mirjam Berle kommt aus der Flug-, Buch- und Reifenbranche und folgt auf den ausgeschiedenen Ralf Köttker beim DFB.

Frankfurt - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat seine Vakanz auf der wichtigen Führungsposition der Mediendirektion geschlossen. Mirjam Berle wird am 1. August als neue Medienchefin Nachfolgerin des bereits im vergangenen November ausgeschiedenen ehemaligen "Welt"-Redakteurs Ralf Köttker. Dessen Vorgänger war der ehemalige leitende Redakteur der Frankfurter Rundschau, Harald Stenger. Im Übergang hatte nach Köttkers Abgang Nationalmannschafts-Pressechef Jens Grittner ein halbes Jahr lang die Stelle des Mediendirektors interimistisch ausgefüllt, der jedoch keine Ambitionen auf die Gesamtführung hegte.

Nach Informationen der Frankfurter Rundschau soll Berle zeitnah ihren Vertrag unterschreiben und mit viel strategischer Kompetenz ausgestattet werden. Die Mittvierzigerin, auf einem Bauernhof im Allgäu mit drei Geschwistern aufgewachsen, begann nach ihrem Studium der Geschichte und Englisch in Konstanz bei Lufthansa Cargo im Marketing. Später war sie sieben Jahre lang als Leiterin der Kommunikationsabteilung beim Buchshop Thalia tätig. Es folgten fünf Jahre als "Director Corporate Communications" beim Reifenhersteller Goodyear Dunlop. Völlig unterschiedliche Branchen also, in denen sie sich jeweils einen guten Ruf erwarb. Sie selbst beschreibt den "Mut, ins kalte Wasser zu springen" sowie "die Dinge einfach mal in die Hand zu nehmen" als eine ihrer Stärken.

Diese Zupack-Mentalität dürfte ihr auch für den hochgradig anspruchsvollen Job beim DFB hilfreich sein. Eine wahnsinnige Bereitschaft zur Neugier sei auf beiden Seiten von Bedeutung, findet Berle. "Ich musste mir in einem neuen Unternehmen natürlich erst einmal das Vertrauen in meine Kompetenz verdienen" berichtete sie im Branchen-Podcast "Treibstoff" rückblickend auf die bisherige Karriere. Sie hofft mit einiger Berechtigung auf einen "Welpenschutz von hundert Tagen" dann wohl auch im Fußballbusiness. Aber sie dürfte auch schon gespürt haben: Im DFB ist ständiges Krisenmanagement in einer extremen medialen Öffentlichkeit sozusagen just in time gefragt. Gerade wird der Verband wieder von einer mutmaßlichen Korruptionsaffäre vormaliger Führungskräfte durchgerüttelt, über die am Wochenende der "Spiegel" berichtete. Es gibt viel zu tun in einer hochpolitischen und komplexen Organisation, deren Image schwer angekratzt ist.

Sie habe es sich angeeignet, sehr schnell auf Mitarbeiter, zudem auch auf die Fach-Journalisten, zuzugehen, so Mirjam Berle. Ihr Credo: "Fragen statt Sagen". Ein interessanter Ansatz. Sowie: "Never lunch alone", sie nutze Mittagessen gern zu vertiefenden Gesprächen. Klingt verdächtig nach Powerfrau.

Die passionierte Marathonläuferin hält viel von einer gewissenhaften Vorbereitung. Sie habe da auch aus persönlicher sportlicher Erfahrung gelernt. Nachdem sie mehrere Marathons erfolgreich absolviert hatte, hätte sie geglaubt, es funktioniere auch mit nachlässigerer Trainingsbereitschaft, die etwas mehr als 42 Kilometer zurückzulegen. Prompt habe sie bei Kilometer 35 einen Kreislaufkollaps erlitten. "Ich bin in den Armen eines Sanitäters aufgewacht. Ich war nicht gut vorbereitet." Ihr persönliches "Learning" aus dieser Erfahrung sei für sie auch lehrreich fürs Arbeitsleben gewesen: "Man kann eine schwierige Aufgabe nicht halbherzig vorbereiten."

Der DFB - der ebenfalls zum 1. August Holger Blask als kompetenten neuen Marketingchef und Nachfolger des zur TSG Hoffenheim gewechselten Denni Strich von der Deutschen Fußball-Liga abgeworben hat - darf sich also auf eine in Sachen Kommunikation hochprofessionelle und zudem fleißige neue Kraft freuen. Im Verband hofft man auf viele frische Impulse. Präsident Fritz Keller hatte besonderen Wert darauf gelegt, endlich eine weibliche Führungskraft zu finden. Mirjam Berle findet: "Kommunikation ist kein Soft Skill mehr, sondern ein harter Erfolgsfaktor und eine Schlüsselkompetenz." Es sei in ihrem Job wichtig, auch in Drucksituationen "einen klaren Kopf zu behalten". Den wird sie brauchen.

Von Jan-Christian Müller

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