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Serge Gnabry jubelt über sein Tor zum 3:1.

Erfolg gegen Nordirland

Gnabry und Goretzka lassen Frankfurt jubeln: DFB-Elf schießt sich zum Gruppensieg 

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Nach dem Dämpfer kommt der Aufschwung: Die deutsche Nationalmannschaft schlägt Nordirland hoch und geht in Lostopf eins in die EM-Auslosung.

Frankfurt - Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich mit einem 6:1 (2:1) gegen Nordirland als Gruppenerster für die im kommenden Sommer stattfindenden Europameisterschaft qualifiziert und steckt somit bei der Auslosung Ende November im Elitetopf eins. Das DFB-Team schloss die nicht ganz unkomplizierte Qualifikation mit nur einer Niederlage ab - im September daheim in Hamburg gegen die Niederlande, die nach einem ungefährdeten Sieg gegen Estland Gruppenzweiter wurde.

Vor knapp 43.000 Zuschauern in Frankfurt demonstrierten die kräftig durchgewürfelten jungen Deutschen technisch sehr ordentlichen und zudem engagierten Fußball. Zudem herrschte eine deutlich bessere, typisch Frankfurter Atmosphäre als bei den Länderspielen der letzten Zeit im eigenen Land, und, ja, es war auch eine wirklich ansprechende Offensivleistung des DFB-Teams, das laut seine Vorgesetzten Joachim Löw "noch ganz am Anfang" steht. Die Fans traten zufrieden den Heimweg an, niemand hatte bereuen müssen, in der gut heruntergekühlten Frankfurter Arena dabei gewesen zu sein.

Deutschland schlägt Nordirland: Niklas Stark feiert sein Debüt

Die nordirische Nationalmannschaft und deren gewiss nicht spärlich angereiste, angenehm lautstarke Fangemeinde waren überaus freundlich von der Stadionregie empfangen worden, nämlich mit der im heimischen Nationalstadion von Belfast stets in bester Partylaune zelebrierten Hymne "Sweet Caroline" von Neil Diamond. Später wurde es dann ungemütlicher, denn die Gastgeber in kurzen Hosen meinten es nach ein paar Anlaufproblemen weniger gut mit dem Gegner, der zunehmend den Mut verlor.

Löw hatte Manuel Neuer, Matthias Ginter, Robin Koch, Nico Schulz und Timo Werner gegenüber dem 4:0 vom Samstag gegen Weißrussland aus der Mannschaft genommen und André ter Stegen, Emre Can, Jonathan Tah, Jonas Hector und Julian Brandt hineinrotieren lassen. Später feierte auch noch der Berliner Niklas Stark sein Debüt. In der Abwehr blieb also im Grunde kein Stein auf dem anderen, was sicher auch Ausdruck des aktuellen, bei weitem noch nicht beendeten Experiments dort hinten ist. Derweil blieb im Mittelfeld alles beim Alten, auch hier Ausdruck der Zufriedenheit des Bundestrainers mit Toni Kroos, diesmal Kapitän, Joshua Kimmich, Ilkay Gündogan und Leon Goretzka.

Deutschland gegen Nordirland ist für Emre Can ein besonderes Ereignis

Besonders für den in Frankfurt geborenen Emre Can war es ein besonderes Ereignis, verbunden mit einer schönen Erinnerung. Denn in der Arena im Stadtpark hatte der 25-Jährige vor vier Jahren beim 3:1-Sieg gegen Polen sein Debüt für die A-Nationalmannschaft erlebt, seinerzeit als Außenverteidiger. Diesmal verteidigte Can gemeinsam mit Tah innen, und um ehrlich zu sein: Gut sah das bei weitem nicht immer aus. Can produzierte einige überflüssige Fouls und Fehlpässe, Tah war unter anderem mitverantwortlich für den 0:1-Rückstand, als er unnötigerweise den Gästen einen Einwurf herschenkte. In der Folge traf Michael Smith mit einem wahrlich fulminanten 25-Meter-Schuss.

Unhaltbar für ter Stegen (7.), für den es so schuldlos ein eher unglücklicher Abend war. Viel mehr bekam er nämlich nicht zu tun. Nach vorn sah es besser aus, was vor allem an Gündogan, Goretzka und Serge Gnabry lag, auch die Außenverteidiger Hector und Lukas Klostermann, in Wahrheit natürlich Außenstürmer, machten einen zweckdienlichen Job. Julian Brandt schluderte dagegen mehrfach, mal kamen seine Pässe zu kurz, mal zu lang, mal gar nicht. Aber das tat dem zügigen deutschen Angriffsspiel nur selten Abbruch, zumal auch Brandt sich steigerte. So kam es nicht von ungefähr, dass bald der Ausgleich fiel.

Gnabry und Goretzka überzeugen beim Sieg der Nationalmannschaft

Nach Vorarbeit von Leon Goretzka und Hector traf Gnabry sehenswert in den rechten Winkel (19.). Es war genau die Art Tor, die auf Löws Dienstplan ganz weit oben steht. Die Gastgeber versuchten immer wieder über die dominante Zentrale Kroos und Kimmich, messerscharfe Schnittpässe in die nordirische Defensive zu spielen. Das gelang mitunter sehr ansehnlich, auch das 2:1 kurz vor der Pause war eine Folge solchen Zusammenspiels. Diesmal war Kimmich der Ausgangspunkt, wieder war Hector mit dem Fuß am Ball, ehe Goretzka den Ball ins nordirische Tor stichelte. Stark, wie der Münchner da aus recht aussichtsloser Position nachgehakt hatte, der Ball rollte vom rechten Pfosten über die Linie.

Auch nach der Pause hörten die Deutschen nicht auf sich anzustrengen. Kaum war es wieder losgegangen, setzte sich Klostermann zum wiederholten Male rechts außen durch, passte bequem auf Gnabry, dessen perfekter Flachschuss neben dem linken Pfosten einschlug. Wieder so ein Tor, dass der Bundestrainer in die Videovorführung vorbildliche Aktionen vor der EM-Endrunde packen könnte. Gnabry, nach Klassepass von Brandt, erhöhte nach einer Stunde auf 4:1, Goretzka in der 73. Minute auf 5:1, Brandt machte in der Nachspielzeit das halbe Dutzend voll.

Die Gäste von der Insel hatten es der DFB-Elf aber auch leicht gemacht, verständlich, denn Nordirland hatte schon vor dem Spiel keine Chance mehr, sich in der Tabelle am Zweiten, den Niederlanden, vorbeizuarbeiten. Sie schenkten den Deutschen ein paar Räume, die man auf diesem Niveau normalerweise nicht hergibt. Es hätten auch noch ein paar mehr Tore fallen können. Der Bundestrainer klatschte sogar hin und wieder, derart zufrieden war er mit dem Gesehenen. Tatsächlich gab es, bis auf die wenigen Nachlässigkeiten hinten, nicht viel zu meckern.

Das Waldstadion erlebte schon berühmte Schlachten und die einzige Begegnung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die jemals abgebrochen werden musste.

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