Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die DFB-Elf musste gegen Nordmazedonien eine bittere 1:2-Niederlage einstecken.
+
Die DFB-Elf musste gegen Nordmazedonien eine bittere 1:2-Niederlage einstecken.

DFB

Deutsche Nationalmannschaft: Rasant zurück im Krisenmodus

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
    schließen

Die Blamage in der WM-Qualifikation bringt die deutsche Nationalmannschaft ins Wanken. Bundestrainer Joachim Löw steht unter Druck, zumindest zwei aussortierte Weltmeister zurückzuholen.

Joshua Kimmich und Leon Goretzka gelten als junge Anführer der deutschen Nationalmannschaft, die den Weg in eine bessere Zukunft weisen. Mit ihrer Haltung, mit ihrem Engagement. Als die Blamage in der WM-Qualifikation gegen Nordmazedonien (1:2) am Mittwochabend besiegelt war, verschwanden die beiden Vorzeigefiguren als erste im Gleichschritt im Kabinengang. Auf dem Rasen führte der Außenseiter derweil einige Veitstänze auf, während vor dem Duisburger Stadion bereits Autos mit Hupkonzerten auf den Parkplatz bogen. Bald feierte eine Gruppe Landsleute an den Absperrgittern mit Landesflaggen und Gesängen. Wirklich coronagerecht sah die Szenerie nicht aus.

Wenigstens Bundestrainer Joachim Löw trug in dieser verstörenden Nacht im Sportpark Wedau noch seinen Mund-und-Nasenschutz, den er erst abnahm, um in der digitalen Pressekonferenz einen dringenden Appell an ganz Fußball-Deutschland zu richten. „Auf keinen Fall dürfen wir jetzt völlig den Glauben verlieren an die Stärke, die die Mannschaft hat. Auf keinen Fall dürfen wir auch das Gefühl verlieren, dass wir in der Lage sind, ein sehr gutes Turnier zu spielen. Das habe ich eben auch den Spielern gesagt.“ Dabei hatten diese doch alle Warnungen vor dem aufsässigen Widerpart vom Balkan ignoriert, der sich über Umwege auch die Zulassung für die EM-Endrunde erkämpft hat.

Neben der Schwerfälligkeit war eben auch der Schlendrian ein ständiger Begleiter in Löws 33. und letztem WM-Qualifikationsspiel, in dem es erstmals eine Niederlage setzte. Als einziger Makel waren in der Löw-Ära nur zwei Unentschieden gegen Finnland (3:3, 1:1) vor der WM 2010 und ein vogelwilder Auftritt gegen Schweden (4:4) vor der WM 2014 notiert. Der im Sommer scheidende Bundestrainer übergibt seinem noch zu bestimmenden Nachfolger zwar keine unlösbare Aufgabe bis zur WM 2022, doch Deutschland sollte nicht anfangen, die Direktqualifikation für das umstrittene Wüsten-Event in Katar durch weitere Ausrutscher zu boykottieren. Denn der Weg für die Gruppenzweiten ist ausgesprochen steinig, die sich um drei Restplätze balgen. Solche Zitterspiele kann der krisengeschüttelte Deutsche Fußball-Bund (DFB) am allerwenigsten gebrauchen.

Löw muss sich damit gar nicht mehr beschäftigen. Sein Fokus gilt der bevorstehenden EM, für die die Kaderzusammenstellung noch kritischer beleuchtet wird als ohnehin. Womöglich wird die Dachorganisation UEFA als Folge der Pandemie ein XXL-Aufgebot von 25 oder 26 Spielern erlauben, die Entscheidung soll Ende des Monats fallen. Der Bundestrainer sollte schleunigst die Kardinalfrage klären: Können die aussortierten Weltmeister Mats Hummels (32 Jahre) und Thomas Müller (31) für mehr Stabilität in der Abwehr bzw. Klarheit im Angriff sorgen? Jerome Boateng (32) ist nicht nur wegen seiner Verletzungsanfälligkeit intern kein Thema mehr.

Trotz des wachsenden Drucks blieb Löw zunächst bei seiner üblichen Rhetorik. „Wir haben gesagt, dass die Entscheidung insgesamt dann im Mai fällt.“ Nicht mehr zu negieren ist, dass auch unter dem Eindruck des wieder aufgerufenen Nations-League-Desasters in Spanien (0:6) noch einmal alles auf den Prüfstand muss. „Wir werden uns die nächsten Tage, die nächsten Wochen intensiv Gedanken machen, werden alles nochmal überprüfen und dann Entscheidungen treffen“, kündigte der 61-Jährige an. Die Ratlosigkeit war ihm dabei ins nicht mehr faltenfreie Gesicht gemeißelt.

Fest steht, dass sein Team zu weniger Ankerspieler hat, wenn kleinste Korrekturen – wie jetzt der vorgezogene Linksverteidiger Robin Gosens – die gesamte Statik ins Wanken bringen. Selbst der bei Manchester City seit Wochen in Hochform spielende Ilkay Gündogan – Elfmeterschütze zum zwischenzeitlichen 1:1 (63.) – ist von der Verzwergung bedroht, sobald der erfahrenste Feldspieler das DFB-Dress anzieht. Insgeheim hatte Löw sicherlich gehofft, dass drei souveräne Siege in der WM-Qualifikation – garniert mit dem verbindenden Engagement für die Einhaltung der Menschenrechte – wieder einen Gemeinsinn herstellen, der die Rückholaktion der Routiniers Hummels und Müller gar nicht erforderlich macht.

Doch diese Hoffnungen haben sich schneller verflüchtigt als ansteckende Aerosole der gefährlichen Virusvarianten. Der Bundestrainer befindet sich – fast analog zur Bundeskanzlerin Angela Merkel - wieder unvermittelt im Krisenmodus. „Das war ein richtiger Rückschlag“, gestand Löw ein, der sich von der Verantwortung fürs erneute Versagen nicht freisprechen konnte. Zum einen hatte er die teils durchwachsenen Vorstellungen gegen Island (3:0) und Rumänien (1:0) geschönt, zum anderen die fehlende Frische einiger lahmender Leistungsträger selbst verschuldet: Neun der zehn Feldspieler standen in drei Partien binnen sieben Tagen – garniert mit einer geraubten Nacht nach der Rückreise aus Bukarest – in der Startelf.

In Rumänien tätigte der Bundestrainer bis zur Nachspielzeit nur einen einzigen Wechsel. Das fiel einer schwergängigen Mannschaft auf die Füße, die bei den Gegentoren von Altstar Goran Pandev (45.+2) und Eljif Elmas (85.) nahezu apathisch wirkte. Die Ursachenforschung muss auch die schlampige Chancenverwertung aufgreifen, die sich in der verstolperten Gelegenheit zum 2:1 durch Timo Werner zeigte (79.). Löw verortete hier „ein bisschen einen Knacks“ für seine Mannschaft; der Stürmer vom FC Chelsea würde sich „selbst die größten Vorwürfe“ machen. Ansonsten empfahl er, sich bloß nicht „irgendwelche Alibis zu suchen“, sondern sich Gedanken zu machen, „was können wir verbessern?“ Seine Prognose im Hinblick auf die für den 25. Mai im österreichischen Seefeld beginnende EM-Vorbereitung wirkte gleichwohl ausgesprochen optimistisch: „Wenn wir etwas Zeit haben, dann werden wir da schon auch Konstanz reinbringen.“ Wenn das nicht gelingt, könnte es in einer Gruppe bereits nach den Auftaktspielen gegen Weltmeister Frankreich (15. Juni) und Europameister Portugal (19. Juni) ein böses Erwachen bei Löws letztem Turnier geben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare