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Soll zur beliebtesten Sportliga der Welt werden – die gute, alte Bundesliga, findet zumindest die DFL.

DFL

Ein bisschen träumen

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Die Deutsche Fußball-Liga denkt beim Spobis in Düsseldorf groß, die zweite Liga fürchtet, dabei vergessen zu werden.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) werkelt am ganz großen Wurf. Und zwar nicht nur im Verborgenen im heimeligen Domizil des Frankfurter Westends, sondern auch ganz offensiv beim größten deutschen Sportkongress, dem Spobis in Düsseldorf. Die DFL als Dienstleister der Fußball-Bundesliga hat eine Vision: Sie träumt davon, „die beliebteste Sportliga der Welt“ zu managen. Die Furcht der deutschen Zweitligisten schwingt in diesem Traum allerdings mit: Sie ängstigen sich, bei den Globalisierungsbemühungen hinten herunterzufallen. Und sie finden, dass die DFL den deutschen Lizenzfußball mit 36 Klubs aus erster und zweiter Liga in seiner Gesamtheit nicht ausreichend berücksichtigt. 

Noch ist die Erste Fußball-Bundesliga von der Nummer eins in der Welt ohnehin noch so weit entfernt wie Schalke 04 vom deutschen Meistertitel. Christian Pfennig, der DFL-Direktor Unternehmens- und Markenkommunikation, sagte am Mittwoch beim Spobis, die „gute alte Bundesliga“ sei längst „zu einem Global Player“ geworden, was stimmt. Einerseits. Andererseits gibt es ungleich größere Global Player auf dem Gebiet der großen Sportunterhaltung. Die Vision, aus der Bundesliga die „beliebteste Sportliga der Welt“ zu formen, beeilt sich Pfennig deshalb auch eilig hinzuzufügen, sei sicher kein kurzfristiges Ziel: „Das hört sich ambitioniert an, und das ist es auch.“ Sie mögen Visionäre sein bei der DFL, aber noch lange keine Fantasten, zumal die meisten Topstars woanders in Europa unterwegs sind und die meisten Toptalente schon geraume Zeit nicht mehr aus deutschen Landen kommen. 

Premier League präsentiert sich kopflos

Zudem setzt die deutsche Eliteklasse zwar mehr als drei Milliarden Euro pro Saison um, kommt dabei aber derzeit noch nicht annähernd mit der englischen Premier League mit, die pro Spielzeit nahe an sechs Milliarden Euro einnimmt und auf den internationalen Fußballmärkten wohl auch doppelt so groß wahrgenommen wird. Die englische Topliga musste allerdings zuletzt leichte Rückgänge bei der nationalen TV-Vermarktung hinnehmen, auch die Perspektive Brexit macht den Konkurrenzligen aus Deutschland, Italien und Spanien Mut, dass sowohl finanzielle Rückstände zur Premier League als auch internationale mediale Wahrnehmung verringert werden könnten. In Deutschland baut man zudem auf einen erhofften riesigen Schub durch die erfolgreiche Kandidatur um die Europameisterschaft 2024.

Zumal die Premier League, anders als die von Christian Seifert stabil angeführt Deutsche Fußball-Liga, sich derzeit kopflos präsentiert. Nachdem sich der angesehene und einflussreiche Premier-League-Chef Richard Scudamore schon im Verlauf des vergangenen Jahres zurückgezogen hat, gestaltet sich die Suche nach einer Nachfolge hochkompliziert. Angeblich habe sogar der des Englischen sehr flüssig mächtige Seifert ein Angebot erhalten, dies aber ebenso freundlich wie schriftlich abgelehnt, heißt es in Branchenkreisen. Die Medienmanagerin Susanna Dinnage sagte der Premier League Anfang November erst zu, Scudamores anspruchsvollen Job zu übernehmen, ehe sie kurz vor Weihnachten völlig überraschend wieder absprang.

Derzeit befindet sich die kopflose Premier League wieder auf der Suche und castet Kandidaten. Kein guter Start ins neue Jahr. Während aber in England kein Fragezeichen dahintersteht, dass sich die nationale Eliteklasse nicht im Verbund mit der zweiten Liga, der Football League Championship, vermarktet, managt die Deutsche Fußball-Liga sowohl Erste als auch Zweite Bundesliga. Es ist kein großartiges Geheimnis, dass DFL-Boss Seifert nichts dagegen hätte, könnte er die erste Liga als weltweit konkurrenzfähiges Unterhaltungsprodukt noch intensiver vermarkten – ohne zweite Liga mit im Boot. Seifert denkt als Chairman des World Leagues Forums gerne groß. Sein Credo: „Wie jeder deutsche Mittelständler müssen auch wir über Deutschland hinausdenken. Wie alle deutschen Medienunternehmen müssen wir anerkennen, dass globale Akteure im Wettbewerb um Zeit und Aufmerksamkeit deutscher Sportfans, Zuseher und Leser nicht an Landesgrenzen Halt machen.“ 

Medienbranche übt Kritik an den Zweitligisten

Die deutschen Zweitligisten als größtenteils regionale Marken verfolgen die auch von einigen Erstligisten forcierte Entwicklung ebenso aufmerksam wie kritisch. Es werde eine „Closed Shop“-Strategie zum Nachteil des derzeit noch von der ersten Liga subventionierten Unterhauses gefahren, heißt es vielerorts. Rüdiger Fritsch, Präsident von Darmstadt 98, sagte gestern beim Spobis: „Eine Abspaltung zu forcieren, wäre kein guter Weg. Wir sind gut beraten, erste und zweite Liga weiter gemeinsam zu sehen und zu vermarkten.“ 

Vehemente Kritik aus der Medienbranche müssen die Zweitligamanager indes dafür einstecken, dass sie künftig freiwillig auf die traditionellen Montagsspiele zugunsten eines Samstagsspieles verzichten wollen. Damit habe man ein Alleinstellungsmerkmal und ein wichtiges Marketingtool weggeschenkt, schimpfte Olaf Schröder. Der Boss der Constantin Medien kann diese aus seiner Sicht achtlose Entscheidung kaum fassen. Ohnehin seien die Mediendaten der zweiten Liga rückläufig. Ilja Kaenzig, kaufmännischer Vorstand beim VfL Bochum, konterte spitz: „Wenn unsere Zukunft am Montagsspiel hängt, dann kann man die zweite Liga gleich zuschließen.“ Der Darmstädter Fritsch pflichtete bei. Er sieht den Fußball an einem Scheideweg: „Das Volk sieht den Fußball dahingehen, weil alles nur noch auf den letzten Euro aus ist.“ Es gelte, gesellschaftliche Entwicklungen aufmerksamer zu berücksichtigen: den Wunsch des Fanblocks zum Beispiel.

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