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Will künftig mit der S-Bahn zur Verbandszentrale fahren. Fritz Keller. 

DFL-Generalversammlung

Designierter DFB-Präsident Fritz Keller: „Wessen Hut ich aufhabe, ist klar“

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Der designierte DFB-Präsident Fritz Keller sieht sich als Anwalt der Amateure.

DFB-Vizepräsident Rainer Koch sah besonders zufrieden aus am Mittwochnachmittag bei der großen Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball-Liga im Münchner Maritim-Hotel. Der bestens vernetzte Strippenzieher aus Bayern kam noch vor dem designierten DFB-Präsidenten Fritz Keller zu Wort, nachdem der Kandidat am Morgen nach seiner persönlichen Vorstellung mit 37 von 38 Stimmen der Amateurvertreter der Landesverbände Unterstützung erfahren hatte. Nur der sächsische Verband stimmte nicht für den 62-Jährigen aus Freiburg, der am 27. September in Frankfurt zum neuen Chef des Sieben-Millionen-Mitglieder-Verbandes gewählt werden soll.

Koch verteidigte den von einigen Amateurvertretern kritisierten geheimen Ablauf der Suche. „Aus unserer Sicht ist Fritz Keller mit weitem Abstand die Person, der die Voraussetzungen am besten erfüllt.“ Kellermeister Keller saß neben dem DFB-Vizepräsidenten und sah ein wenig angestrengt aus. Da spürt einer offenbar, was für eine Mammutaufgabe auf ihn zukommt: „Diese Aufgabe stand nicht in meiner Lebensplanung. Es war ein kleiner Schock, als ich gefragt wurde, und dann habe ich mir gesagt, wenn man mir das zutraut, dann mache ich das gerne.“ Er versprach, auf Teamarbeit Wert zu legen: „Mein Motto ist: Nur gemeinsam geht’s. So will ich dieses Amt auch wahrnehmen. Von der Jugend- und Kreisliga bis zur Nationalmannschaft gehört es zusammen.“ Man kennt derlei Vorgaben aus dem Munde eines DFB-Präsidenten zur Genüge. Allein: An der Umsetzung hapert es, was nicht nur am schlechten Management liegt, sondern auch daran, auch deshalb, dass die Lebenswirklichkeiten im Milliardenbusiness Profifußball und dem Dorfsportplatz so ungeheuer weit auseinanderliegen. Keller wird das zu spüren bekommen.

Die Vermutung, es könne sich bei seiner Person lediglich um eine Art Grüßaugust handeln, schob der erfolgreiche Mittelständler gleich mal ungefragt einen Riegel vor. Gleichwohl: „Der Präsident ist keine One-Man-Show. Wir brauchen mehrere starke Schultern. Anders geht das nicht. Sie können Menschen nur mitnehmen, wenn sie Ihnen Freiräume geben, sich zu entfalten.“ Er habe damit gerade bei den Frauen des SC Freiburg sehr gute Erfahrungen gemacht. So hatte Keller auch geschickt das Thema Frauenfußball untergebracht, das er auf Nachfrage vertiefte. „Das Beispiel von Eintracht Frankfurt mit der Zusammenlegung im Frauenfußball finde ich großartig. Es wäre toll, wenn weitere Bundesligavereine diesem Beispiel folgen würden.“

Und auch die Amateurklubs bekamen ihr Zuckerl: „Eine Aufgabe ist es, auch Lobbyarbeit bei den vielen Helden des kleinen Fußballs zu verrichten.“ Auch zu den anstehenden Verhandlungen um den umstrittenen Grundlagenvertrag mit den Bundesligisten äußerte er sich: „Selbstverständlich ist es wichtig, so viel wie möglich für den Amateurbereich reinzuholen. Es wird kontroverse Diskussion geben, wessen Hut ich da aufhabe, ist auch klar.“ Den der kleinen Klubs offenbar. Daran wird der vielfach ausgezeichnete Gastronom sich messen lassen müssen. „DFB muss mehr Lobbyarbeit leisten für seine Vereine. Meine heilige Kuh sind die Vereine.“ Hehre Worte, die so ähnlich auch seine Vorgänger stets bemühten.

Seifert fordert Reformen

Bundesligaboss Seifert kündigte gütige Verhandlungen ums liebe Geld an, vorausgesetzt, er könne erkennen, dass der DFB sich tiefgreifend reformiere. Zuletzt habe er sich mit Blick auf den Mutterverband der DFL und der Geldströme nach unten oft gefragt: „Dienen diese Summen tatsächlich dem Fußball? Denn wenn sie in ein ineffizientes System investieren, erhöhen Sie nicht den Grad der Effizienz, sondern den der Ineffizienz.“

Effizient arbeiten will der neue starke Mann im DFB mit Hingabe. Grundsätzlich, so Keller, sehe er seine Aufgabe im nationalen Bereich. „Ich möchte nicht in Gremien der Fifa und Uefa gehen. Ich habe Herrn Koch gebeten, diese Aufgaben zu übernehmen.“ Ohnehin sei die Aufgabe des DFB-Präsidenten ein Fulltimejob, von dem er sich nicht auffressen lassen will. „Ich möchte auch noch mal eine Bratwurst bei einem Amateurspiel essen. Das will ich mir nicht nehmen lassen.“ Und doch: Er werde die Aufgabe intensiv angehen: „Entweder mache ich es richtig oder gar nicht.“ Zunächst werde einen unabhängiger Vergütungsausschuss ins Leben gerufen, um die Zahlungen an die Präsidiumsmitglieder in einem transparenten Vorgang zu bestimmen.

Bezüglich der Nominierung des im Profilager kritisch gesehenen Amateurvertreters Koch für die Uefa- und Fifa-Regierungsarbeit äußerte Seifert kühl: „Ich halte die Ämter von Fifa und Uefa in Deutschland für überschätzt. Internationale Arbeit besteht darin, Netzwerke aufzubauen. Da hat der DFB in den letzten Jahren signifikant an Einfluss verloren.“ Die DFL unterstütze „Herrn Koch darin, dass wir eine verlässliche deutsche Position einnehmen.“ Das sei zuletzt wahrlich nicht immer der Fall gewesen.

Rainer Koch wird sich Anfang März in Amsterdam um ein Amt im Uefa-Exekutivkomitee bewerben und hofft, sodann auch ins mächtige Fifa-Council entsendet zu werden. Er sei derzeit dabei, sich von seinem Brotberuf als Richter am Oberlandesgericht in München endgültig zu verabschieden.

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