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HSV-Trainer Daniel Thioune.
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HSV-Trainer Daniel Thioune.

Zweite Bundesliga

St. Pauli gegen HSV: Derby mit Druck

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der noch führende Hamburger SV kommt leicht ramponiert zum nahen Auswärtsspiel beim kecken FC St. Pauli.

Das „Hamburger Abendblatt“ schenkt dem Derby wie gewohnt schon seit Tagen eine ganze Seite. In Hamburg scheint die Sonne, die Menschen zieht es raus an die Außenalster, den Stadtpark und die Elbe. Davon, dass am Montagabend der FC St. Pauli auf den Hamburger SV trifft, reden sie dieses Frühjahr weniger als sonst. Es gibt gerade andere Themen, noch nicht einmal vermummte HSV-Fans wurden im St.-Pauli-Revier gesichtet, um dort Andenken der Rothosen an Verkehrsschildern zu verkleben, die prompt von Anhängern der Gegenseite enttarnt und abgedeckt würden. Nicht die richtige Zeit für Rituale wie diese.

Der Sportteil des Abendblatts schreibt tapfer gegen die pandemiebedingte Dösigkeit an. „Der Beste gegen den Allerbesten“ lautete gerade eine der Schlagzeilen. Gemeint ist das Stürmerduell Guido Burgstaller gegen Simon Terodde. Burgstaller, im Herbst mit einer Nierenverletzung lange raus, hat in den letzten sieben Spielen sämtliche seiner acht Saisontore erzielt, die Kiezkicker gewannen sechs der letzten sieben Begegnungen und schlugen sich vom weihnachtlichen vorletzten Platz bis ins gesicherte Mittelfeld durch.

So ist aus einer Truppe, die nach dem desolaten 0:3 gegen Fortuna Düsseldorf im letzten Spiel des vergangenen Kalenderjahres schon fast abgeschrieben war, die Mannschaft der Stunde geworden.

HSV-Stürmer Simon Terodde mit starker Saison

HSV-Mittelstürmer Terodde, schon 19 Treffer und somit der Führende der Zweitliga-Torjägerliste, stand bis zum vergangenen Wochenende einem Tabellenführer vor, der elf Spiele in Folge ohne Niederlage geblieben war. Diese Genügsamkeit sorgte dann dafür, dass es beim Tabellenletzten in Würzburg eine 2:3-Niederlage gab, die noch schmeichelhaft ausfiel. Und weil zuvor zwei Unentschieden in Aue und gegen Fürth hinzukamen, ist draußen im Volkspark schon wieder ordentlich Druck auf dem Kessel.

Nach zwei vergeblichen Anläufen wäre ein erneutes Scheitern im Aufstiegsrennen für den HSV eine Demütigung, die bei jedem St.Pauli-Fan Freudentränen auslösen würde. Dem gerade etwas wankenden Riesen im Derby eins auszuwischen, würde kollektive Schadenfreude im verwaisten Kiez erzeugen. Das Derby ist ohnehin negativ behaftet für den HSV.

Den letzten Sieg am Millerntor gab es 2019, 4:0 sogar, zwei Tore von Pierre-Michel Lasogga, danach der Einbruch, Köln, Paderborn und Union Berlin stiegen auf. Der HSV blieb. Vergangene Saison gewann St. Pauli gleich beide Derbys. Bielefeld und Stuttgart stiegen auf. Der HSV blieb nach einem debakulösen 1:5 gegen den SV Sandhausen im letzten Saisonspiel.

HSV-Trainer Thioune bleibt cool

Im Hinspiel dieser Saison gab es ein mühsames 2:2 gegen St. Pauli, Ausgleich kurz vor Schluss durch, natürlich: Terodde. Aber stabiler als seinerzeit unter Hannes Wolf und Dieter Hecking wirkt der Ex-Dino unter Daniel Thioune dennoch. Der noch relativ unerfahrene, zu Saisonbeginn aus Osnabrück verpflichtete Trainer präsentiert bisher eine gesunde Mischung aus Selbstbewusstsein, innerer Ruhe, Stolz auf den Job beim großen HSV und Fachkenntnis. Die Zusammenarbeit mit Sportchef Jonas Boldt wirkt stabil.

Die Mannschaft muss jetzt aber zeigen, dass sie im Infight mit den drei punktgleichen Verfolgern Fürth, Bochum und Kiel dem Druck standhalten kann. Auch für Thioune (46) ist das an einem der unruhigsten aller Standorte im deutschen Lizenzfußball neu. Während einer Schwächephase nach einem traumhaften Saisonstart hat er die typischen Reflexe hanseatischer Ungemütlichkeit aber immerhin schon mal kurz kennengelernt.

Rodrigo Zalazar: Eintracht-Leihgabe überzeugt

Ein klein wenig mehr Schutz bietet da der vom Bunker geschützte Standort am Heiligengeistfeld, der Heimat des FC St. Pauli. Sicherlich ist es auch dem besonnenen Sportchef Andreas Bornemann zu verdanken, dass Trainer Timo Schultz (43) noch da sein darf. Das ist gewiss keine Selbstverständlichkeit, nachdem kurz nach dem Jahreswechsel nur magere neun Punkte aus 14 Spielern auf der Habenseite standen.

Doch statt den beliebten Ostfriesen rauszukicken, wurde der Kader verstärkt und Burgstaller kehrte gesundet zurück. „Er ist sicherlich das Gesicht der Wende“, sagt Bornemann. Auch der von Eintracht Frankfurt ausgeliehene Uruguayer Rodrigo Zalazar gehört zu den Aktivposten und bringt etwas Wildes ins starke Angriffsspiel,

Der HSV wird also auf einen Gegner treffen, dessen Brust gerade nicht breiter sein könnte. Das gilt auch für die Vereinsführung. Beim Derby vor einem Jahr saß Pauli-Präsident Oke Göttlich trotz des 2:0-Sieges noch wie ein Häuflein Elend auf der Tribüne. Später erfuhr er, dass er sich den Coronavirus eingefangen hatte. Wochenlang ging es ihm schlecht. Inzwischen ist der Klub auf allen Ebenen gesundet. Der gerade etwas kränklich daherkommende HSV soll das unangenehm zu spüren bekommen.

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