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Der windige Windhorst

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Von: Frank Hellmann

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Lars Windhorst, Noch-Investor von Fußball-Bundesligist Hertha BSC.
Lars Windhorst, Noch-Investor von Fußball-Bundesligist Hertha BSC. © Christophe Gateau/dpa

Der Investor bietet dem Klub den Rückkauf seiner Mehrheitsanteile an der Hertha BSC GmbH & Co KGaA an. Kostenpunkt: 374 Millionen Euro. Eine Provokation.

Lars Windhorst, der Namen ist vielleicht in diesem Fall wirklich Programm, scheint ein windiger Geselle. Spielt mit Millionen und Investitionen, bedient Interessen und erfüllt Sehnsüchte – oder auch nicht. Ein Jongleur der Finanzwelt, dem viele in diesem Metier misstrauen. Denn was der 45-Jährige ankündigt, hält er nicht immer. Er ist ein Meister im Versprechen, Verschieben und Verschleiern.

Als im Mai bei der Mitgliederversammlung von Hertha BSC die „Windhorst-raus“-Rufe immer lauter wurden, entgegnete er: „Ich gehe nicht weg, das ist gar nicht möglich. Ich bin dabei. Die nächsten zehn, 20 Jahre.“ Wenige Monate später: Der Investor bietet dem Klub den Rückkauf seiner Mehrheitsanteile an der Hertha BSC GmbH & Co KGaA an. Kostenpunkt: 374 Millionen Euro. Eine Provokation.

Der Verein kann das Geld nie und nimmer aufbringen. Und welcher Käufer sollte Interesse haben, für diesen Preis einzusteigen? Zumal der Einfluss ins operative Geschäft – glücklicherweise – begrenzt ist. Man mag sich nicht ausdenken, wenn Windhorst hätte schalten und walten können, wie das in der Premier League für Geldgeber gang und gäbe ist. Wobei: Wirklich viel schneller hätte wohl auch er die Kohle nicht verbrennen können als der geschasste Geschäftsführer Michael Preetz und Konsorten.

Ein Seitenblick in den Osten: Kritik am künstlichen Konstrukt RB Leipzig ist bis heute zwar berechtigt, berücksichtigt aber nicht, dass dort Investitionen in ähnlicher Größenordnung immerhin etwas geschafft haben, wovon die Hauptstadt nur träumte: einen werthaltigen Kader aufzubauen, der dauerhaft Spitzenfußball anbietet und regelmäßig international im Konzert der Großen mitmischt. Für die nächste Zeit wird Hertha mit einem schmaler werdenden Budget kleine Brötchen backen, bedeutende Transfererlöse für den Schuldenabbau erzielen und unbekannte Spieler entwickeln müssen.

Eine Hoffnung gibt es: Mit Cheftrainer Sandro Schwarz und Sportvorstand Fredi Bobic sitzen in der Sportlichen Leitung zwei autarke Entscheider, die in Mainz und Frankfurt bewiesen haben, dass sie aus wenig recht viel machen können. Man muss sie nur in Ruhe eine gewisse Zeit machen lassen. Das aber ist in einer notorisch unruhigen Stadt wie Berlin ein weiteres Kardinalproblem. So lange der windige Investor sich nicht verzieht, wird die Atmosphäre vergiftet bleiben.

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