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Der VfB Stuttgart setzt viel aufs Spiel

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Von: Thomas Kilchenstein

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Unter Palmen lässt es sich gut üben: VfB-Profi Orel Mangala.
Unter Palmen lässt es sich gut üben: VfB-Profi Orel Mangala. © imago images/Pressefoto Baumann

Die abstiegsbedrohten Schwaben fliegen mal flugs ins Trainingslager nach Spanien, dabei sind die Corona-Zahlen bedrohlich wie nie. Ein unnötiges Risiko. Ein Kommentar.

Ein bisschen besser ist das Wetter schon in Marbella, runde 15 Grad, bewölkt, aber allemal angenehmer als hierzulande. Und normalerweise ist es nichts Ungewöhnliches, wenn ein ins Schlingern geratener Klub, sagen wir: der VfB Stuttgart, die im Uefa-Land angesetzte Länderspielpause zu einem Kurz-Trainingslager außer der Reihe nutzt. Ein paar Dinge einstudieren, an Fehlern arbeiten, den Teamspirit verbessern, mal was anderes sehen - es gibt ein paar Gründe für den VfB, nachzujustieren: Abstiegsplatz 17, nur einen Zähler aus den letzten fünf Spielen ergattert, dazu seit mehr als 520 Minuten ohne eigenes Tor. Eine junge, unreife Truppe, mit wenig Erfahrung, corona- und verletzungshalber geschwächt, nicht stabil - die Alarmglocken läuten schrill in Schwaben.

Nun ist ein Trainingslager an sich keine ganz verkehrte Idee. Gerade jetzt, da nur jenseits von Europa internationale Begegnungen angesetzt wurden in jenen Kontinentalverbänden, die eine Länderspielperiode aus dem Sommer 2020 nachholen müssen, ist ja Zeit. Beinahe eine zweite Winterpause, die genauso lang ist wie jene über die Weihnachtsfeiertage, nur dass erste und zweite Bundesliga weiter trainieren. Und manchmal auch im spanischen Süden.

Das Problem dabei ist nur: Es sind halt keine normale Zeiten, es ist immer noch Pandemie mit einem hoch ansteckenden Virus. Und da muss man schon fragen dürfen, ob man das Risiko einer Ansteckung auf sich nehmen will. Wenn eine gut 40 Personen starke Reisegruppe unterwegs ist - am Flughafen, bald sieben Stunden in einem wohl gecharterten Flugzeug, in zwei Bussen zum Hotel kutschiert, bei Teamsitzungen eng beisammen, von Kabine und gemeinschaftlichem Essen ganz abgesehen - dann macht man es dem Virus ohne Kontaktvermeidung leicht. Und es ist ja nicht so, dass einen ein Piks oder eine Blase immer schützt, Beispiele gibt es genug, etwa die Corona-Erkrankungen von Bayern-Spielern, etwa Manuel Neuer, die sie sich in ihren Kurzurlauben eingefangen hatten. Oder krasser: bei der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der EM, als zeitweise 15 Spieler infiziert waren. Und da lag es auf der Hand, dass sie sich - selbst in ihrer Blase - gegenseitig angesteckt hatten.

Der VfB geht also ins Risiko. Ist das kalkuliert? Oder ist die sportliche Not so groß, dass man trotz aller Gefahr den Nutzen höher einschätzt als den Schaden? Es muss sich ja nur ein Mitglied der Reisetruppe infizieren und schon könnte das Virus die Runde machen.

Ob man den Trip der Stuttgarter als Vabanque einordnen mag, sei einmal dahingestellt. Die Gefahr einer Ansteckung jedenfalls ist gegeben, und sollten Profis zum wichtigen Spiel in zehn Tagen gegen Eintracht Frankfurt coroanabedingt fehlen, könnte dem VfB die Spanien-Reise noch einmal übel aufstoßen.

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