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Der neue starke Mann in Hoffenheim: Trainer Sebastian Hoeneß überwacht die Gymnastikeinheit.

FR-Bundesliga-Tipptabelle (2)

TSG Hoffenheim: Der Star ist der Name

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die Kraichgauer hoffen mit ihrem neuenTrainer Sebastian Hoeneß auf einen gewissen Nagelsmann-Effekt.

Gerade befindet sich die TSG Hoffenheim mit ihrem neuen Trainer Sebastian Hoeneß ganz in der Nähe des Eigenheims des berühmten Onkels Uli im Sommertrainingslager in Rottach-Egern am Tegernsee.

Wie ist die Stimmung?

Entspannt, wenn nicht gerade Yogalehrer Young-Sun Cho die Profis mit komplexen Dehnübungen herrlich triezt. Zudem mit einiger Vorfreude und Erwartung auf eine Saison, in der die TSG zum dritten Mal binnen vier Jahren auf europäischer Ebene antreten darf. Eine Klasseausbeute, die auf der hervorragenden Arbeit von Sportchef Alexander Rosen fußt. Rosen, einer der besten seines Fachs, hat auch für einen neuen, modernen Besprechungsraum gesorgt, der direkt an die zwischen Mai und August umgebaute Kantine angrenzt. Im innovativsten Klub der Liga wird ständig optimiert. Das gehört zur DNA.

Wie stark ist der Kader?

In der vergangenen Saison war er stark genug für Platz sechs - trotz eines großen Umbruchs mit namhaften Abgängen und unübersehbaren Problemen im Verhältnis Trainer/Team. Nun ist die gewachsene Mannschaft, verstärkt durch die Rückkehrer Ishak Belfodil und Kevin Vogt sowie dem Ex-Frankfurter Mijat Gacinovic als bisher einzigem Neuzugang, zwar ein Jahr weiter und reifer, muss sich in der Zusammenarbeit mit einem jungen, unerfahrenen Chefcoach aber erst finden. Ziel ist neben aufregenderem Fußball auch die Integration weiterer Talente aus der beispielhaft arbeitenden eigenen Akademie.

Worauf steht der Trainer?

Sportchef Rosen hat sich sehr bewusst genau für diesen jungen, unverbrauchten Typen wie den Münchner Drittliga-Meistercoach Hoeneß entschieden. Der 38-jährige Bundesliga-Debütant gehört zur Gruppe der aufstrebenden Trainertalente, die ihre Inhalte auch verbal bestens vorbringen können. Zum Beispiel so: „Wir wollen mit der einen oder anderen Provokation komplex und hart trainieren.“ Bei Bayerns Reserve hat Hoeneß bewiesen, dass er Spieler besser machen und einer Mannschaft einen Mix aus variablem und attraktivem Angriffsfußball mit einer stabilen Defensive verabreichen kann. Die TSG hofft auf einen gewissen Nagelsmann-Effekt und mit entsprechend besserer überregionaler Ausstrahlung.

Wo hapert’s noch?

Das wird man erst im Verlaufe des Trainingslagers klarer sehen. Unzweifelhaft ist jedoch, dass sich die Situation auf der linken Abwehrseite im Vergleich zur vergangenen Saison noch nicht wesentlich verändert hat. Die Lücke, die Nico Schulz mit seinem Abschied zu Borussia Dortmund hinterließ, konnte nie geschlossen werden. Die bisher auf dem Transfermarkt so zurückhaltende TSG dürfte da noch nachlegen.

Die Bundesliga-Tipptabelle der FR-Redaktion für die Saison 20/21

PlatzVerein
1noch nicht gesetzt
2noch nicht gesetzt
3noch nicht gesetzt
4noch nicht gesetzt
5noch nicht gesetzt
6noch nicht gesetzt
7noch nicht gesetzt
8TSG Hoffenheim (6)
9noch nicht gesetzt
10noch nicht gesetzt
11noch nicht gesetzt
12noch nicht gesetzt
13noch nicht gesetzt
14Mainz 05 (13)
15noch nicht gesetzt
16noch nicht gesetzt
17noch nicht gesetzt
18noch nicht gesetzt

In Klammern: Platz in der letzten Saison

Wer sticht heraus?

Es wäre gelogen, wenn man nicht antworten würde: der Trainer. Der Name Hoeneß sorgte bei der Vorstellung des Sohnes von Ex-Hertha-Manager Dieter Hoeneß für einen in Hoffenheim ungewohnten Medienauflauf. Ein halbes Dutzend Fernsehkameras und gut 20 Journalisten sind im Kraichgau sonst nicht Standard. Was den Kader angeht: Es ist sicher keine Geringschätzung anderer gestandener TSG-Profis um Kapitän Benjamin Hübner, wenn man Andrej Kramaric hervorhebt. Das zeigt die Präsenz des Kroaten auf dem Platz, sein Charisma außerhalb des Platzes und seine Tor- und Assistquote in den vergangenen Spieljahren. Schon jetzt gilt er als ein Ausnahmestürmer in der an Ausnahmestürmern sicher nicht armen Bundesliga-Historie der TSG Hoffenheim.

Wie geht’s dem Schatzmeister?

Den der Corona-Krise geschuldeten Umständen entsprechend gut. Es zahlte sich für den erfahrenen Finanzchef Frank Briel aus, dass die TSG in den vergangenen Jahren weitsichtig gewirtschaftet hat und dank der klugen Personalpolitik enorme Transfererlöse generieren konnte - allein letzte Saison weit über hundert Million Euro aus Transfers von Joelinton, Schulz, Demirbay, Amiri und Grifo. Das, der großzügige Mehrheitsgesellschafter Dietmar Hopp und der Gehaltsverzicht von Team und Management haben die TSG in die Lage versetzt, nicht nur sich selbst zu helfen, sondern auch gut 150 Klubs aus der Region, die finanzielle Unterstützung aus einem Hilfsfonds erhielten.

Was ist drin?

Viel hängt davon ab, wie der extrem anspruchsvolle Auftakt auswärts in Köln und Frankfurt und daheim gegen die Bayern und Dortmund verläuft und wie die Mannschaft durch die Phase zwischen Oktober und Dezember kommt, in der ausschließlich Englische Wochen anstehen. Im Vordergrund steht die Weiterentwicklung der Mannschaft mit einem nach vorne ausgerichteten Spielstil. Wenn das - anders als im Vorjahr unter dem Niederländer Alfred Schreuder - erkennbar sein sollte und dabei mal ein Jahr ohne Europapokalplatz herauskäme, wäre das kein riesiger Beinbruch.

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