1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Pep Guardiola: Geschickter Schachzug

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Frank Hellmann

Kommentare

Vom Absteiger in Deutschland zum Meister in England: Stefan Ortega.
Vom Absteiger in Deutschland zum Meister in England: Stefan Ortega. © dpa

Warum Pep Guardiola den Torwart von Arminia Bielefeld zu Manchester City holt. Ein Kommentar.

Es sind emotionale Worte, mit denen Stefan Ortega Moreno geht. Via Instagram verabschiedete sich der Torwart von Arminia Bielefeld, schrieb „von unglaublichen zwölf Jahren und einer unbeschreiblichen Reise“ mit dem ostwestfälischen Traditionsverein – und erneuerte das Versprechen, für immer ein Arminia-Fan zu bleiben. An diesem Donnerstag endet nach 67 Erstliga- und 170 Zweitligaeinsätzen eine Ära mit einem Tormann, den auf der Alm die meisten nur „Tego“ gerufen haben, in einem Verein, der sich in der vergangenen Saison – trotz Ortegas Klasseleistungen – letztlich nicht in der Bundesliga halten konnte.

Der 29-Jährige hat zwei Spielzeiten beweisen, dass ihm mit dem Fuß nur der Münchner Nationaltorwart Manuel Neuer und der Bochum Manuel Riemann das Wasser reichen können, auf der Linie ist an guten Tagen auch kaum einer besser als dieser beweglichen Keeper mit seinen super Reflexen.

Sein beeindruckendes Repertoire hat vergangenen Saison den Ex-Bundestrainer Joachim Löw animiert, Ortega als vierten Keeper auf Abruf bei der EM bereitzuhalten. Nachfolger Hansi Flick zieht hinter der gesetzten Troika mit Neuer, Marc-André ter Stegen und Kevin Trapp aber lieber den stilleren Oliver Baumann als Backup vor.

Das Fachmagazin „Kicker“ führte Ortega in seiner Sommerrangliste an Position sechs – darüber ließe sich streiten. Zumal ihm ja attestiert wurde, in seinen Kernkompetenzen, der Abwehr von Bällen aus Nahdistanz und der Spieleröffnung, erneut herausragend agiert zu haben. Nein, weder der in der internationalen Klasse geführte Gregor Kobel (Borussia Dortmund) und erst recht nicht Marvin Schwäbe (1. FC Köln) waren besser.

Dem tüchtigen Torhüter wird die Einstufung recht egal sein, denn andere haben seine Wert erkannt. Längst ist hinter den Kulissen der Wechsel zu Manchester City fest verabredet, um offiziell als Nummer zwei hinter dem brasilianischen Stammkeeper Ederson anzuheuern. Im Gegensatz zu vielen sündhaft teuren Transfers – wie jene für stolze 49 Millionen Euro plus Bonuszahlungen getätigten Verpflichtung des spielerisch doch arg limitierten Abräumers und Nationalspielers Kalvin Philipps von Leeds United – könnte der Ortega-Deal noch richtig wertvoll werden.

Trainer-Guru Pep Guardiola steht auf einen Torwart, der wie ein verkappter Feldspieler agiert. Das kann Ortega - und er wird beim englischen Meister vermutlich rasch das Trainerteam und die Mitspieler von seinen Qualitäten überzeugen – und dann ist mal gar nichts ausgeschlossen. Auch nicht der Stammplatz im Luxuskader der Skyblues. Es ist davon auszugehen, dass Guardiola sich genau überlegt hat, wen er da aus der deutschen Provinz in einen Klub mit Weltgeltung holt. Gut möglich, dass man den Katalanen für diesen geschickten Schachzug noch feiern wird.

Auch interessant

Kommentare