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Alles im Blick: Bayern-Trainer Hans-Dieter Flick.

BVB - FC Bayern

Der Quotenbringer

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Der ewige Klassiker zwischen Borussia Dortmund und Bayern München wird am Samstag mal wieder zu einem wichtigen Wegweiser für die Spannung in der Fußball-Bundesliga.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass es sich bei Bayern München und Borussia Dortmund um die größten Zugpferde der Fußball-Bundesliga handelt. Was die Reichweite angeht, macht ihnen keiner etwas vor. Der Bezahlsender Sky, in Vergangenheit und Zukunft wichtigster Finanzier der Branche, verzeichnete in der vergangenen Saison bei Spielen mit Bayern-Beteiligung in Schnitt 1,17 Millionen Zuschauer, mit BVB-Zutun waren es 910 000. Die Bestwerte der Liga. Zum Vergleich: Eintracht Frankfurt liegt in diesem Ranking auf Platz fünf mit 530 000 Interessenten.

In der laufenden Spielzeit liegt die höchste TV-Quote bei jenen 1,7 Millionen, die Anfang Oktober das verrückte 4:3 der Bayern gegen Hertha sahen. Es ist davon auszugehen, dass nun das Gipfeltreffen zwischen Dortmund und Bayern (Samstag 18.30 Uhr) für ein neues Rekordinteresse sorgt. Denn pünktlich zum herbstlichen Showdown haben sich beide vorne in der Tabelle eingenistet. Bayern Erster, Dortmund Zweiter. Der Herausforderer hat an den letzten Vergleich vom 28. Spieltag der Vorsaison – ebenfalls in einem leeren Dortmunder Stadion – nicht die besten Erinnerungen.

Trotz anfänglicher Wackler genügten den Bayern ein Geniestreich von Joshua Kimmich zum 1:0. Kaum war damals der Re-Start angelaufen, war die Meisterschaft auch schon entschieden. Auch jetzt dürfte erneut ein wegweisendes Signal ausgehen. „Wir sind wie immer sehr selbstbewusst“, sagte Bayern-Trainer Hansi Flick am Freitag, der seine Mannschaft rühmte: „Die Mentalität, der Siegeswille sind einfach top. Es ist schon herausragend, was wir in den letzten Wochen und Monaten geleistet haben.“ Der 55-Jährige freut sich auf den Geister-Gipfel, der auch das Wirrwarr um die (falsch) positiven Corona-Tests von Serge Gnabry, dann Niklas Süle, nun Joshua Zirkzee verdrängt. Das Spiel sei für die Trainer, Spieler und Fans „ein Leckerbissen“, sagt Flick, der einst am 9. November 2019 mit einem beeindruckenden 4:0 gegen den BVB startete und seitdem von 48 Plichtspielen sagenhafte 44 gewonnen hat.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich ungeachtet der hohen individuellen Qualität auf beiden Seiten eine unterschiedliche Ausrichtung herausgebildet hat. Die Bayern setzen ganz auf ihre Offensive: Mit 54 Chancen, im Schnitt neun pro Partie, spielen sie sich die meisten heraus, sie verwerten diese auch am besten: Fast 45 Prozent führten zu Toren. Was natürlich mit der Klasse eines Torjägers wie Robert Lewandowski zu tun hat. Andererseits haben die Münchner aber auch bereits neun Gegentore kassiert. Das bisweilen luftige Deckungsverhalten führte am Dienstag in der Champions League bei RB Salzburg zu zwei Gegentreffern, denn Benjamin Pavard verteidigt rechts hinten nicht so aufmerksam wie in der französischen Nationalmannschaft, dazu ist Abwehrchef David Alaba die Debatte um seine Person irgendwie anzumerken.

BVB-Defensive steht gut

Aber kann ein Erling Haaland daraus Kapital schlagen? „Er ist nicht der Einzige, auf den wir aufpassen müssen“, wollte sich Flick nicht allein auf den norwegischen Himmelsstürmer fokussieren. Der blutjunge Giovanni Reyna, Jadon Sancho und Marco Reus verkörpern allesamt genügend Potenzial. Der BVB habe eine herausragende Mannschaft, die derzeit beste Abwehr der Liga und ein klasse Umschaltspiel in der Offensive, lobte Flick.

Tatsächlich wirken die Westfalen so stabil wie lange nicht. Ihr Optimismus speist sich aus der neuen Qualität der Defensive, die trotz großer Personalprobleme – der Einsatz von Mats Hummel sollte aber klappen – in fünf von sechs Ligaspielen eine weiße Weste behielt und gegen Freiburg, Schalke und Bielefeld dem Gegner nicht eine einzige Torchance gestattete.

Ob die deutlich verbesserte Defensivstruktur auch gegen den Primus besteht, wird eine spannende Frage. Trainer Lucien Favre registriert zufrieden, dass „alle Spieler bereit sind, zu verteidigen.“ Man habe das in letzter Zeit „sehr, sehr gut gemacht“. Gerade in den Spitzenspielen gegen die Bayern bot Favre mit seiner mitunter vorsichtigen Taktik durchaus Angriffsfläche. Kritiker rieben ihm fehlenden Mut unter die Nase.

Aber Angriff ist gegen die Bayern selten die beste Verteidigung, weil Raumdeuter wie Thomas Müller oder Sprinter wie Kingsley Coman nur darauf warten, dass sich Lücken bilden, in denen der Triplesieger über präzises Passspiel wie mit dem Seziermesser eindringen kann. Letztlich geht es, der 63 Jahre alte Favre weiß es, mal wieder um die richtige Balance. Oder vielleicht auch nur den einen Moment, den am 26. Mai wohl nicht ganz zufällig Münchens immer siegeshungriger Musterschüler Kimmich erwischte. (mit dpa/sid)

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