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Der nächste Nackenschlag

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Von: Frank Hellmann

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An ihm lag’s noch am wenigsten: Eintracht-Profi Martin Hinteregger (links).
An ihm lag’s noch am wenigsten: Eintracht-Profi Martin Hinteregger (links). © IMAGO/PA Images

Nach der verpassten WM-Qualifikation sind die Tage von Franco Foda als österreichischer Nationaltrainer gezählt - weil eine erkennbare Entwicklung fehlt

Vorweg: An Martin Hinteregger hat es nicht gelegen, dass es in der fürwahr an Tiefpunkten reichen Geschichte des österreichischen Fußballs am Donnerstagabend fast schon erwartet noch einen Nackenschlag gegeben hat. Dass die Nationalmannschaft mit einer 1:2-Niederlage in Wales alle WM-Chancen verspielte, lag nicht an dem Mann, der bei Eintracht Frankfurt zuletzt so gut die Abwehr zusammengehalten hat.

Ihm schrieb beispielsweise der ansonsten kritische „Kurier“ ins Klassenbuch: „Der Frankfurt-Legionäre hatte als Abwehrchef alle Hände voll zu tun und war noch einer der besten Österreicher. Immer wieder fand der Kärntner im Spielaufbau präzise seine Mitspieler. In der Luft oft Sieger.“ Note zwei für den Eintracht-Publikumsliebling.

Doch war er mit seiner guten Leistung eben auch ziemlich alleine. Insgesamt hatten die Österreicher vor allem im Vorwärtsgang mal wieder zu wenig zu bieten. Keine Ideen, keine Inspiration. Und weil sich dieses Manko wie ein roter Faden durch die WM-Qualifikation zog, dürften die Tage des deutschen Trainers Franco Foda gezählt sein.

Der EM-Effekt ist verpufft

Der aufbauende Effekt aus der vergangenen Europameister, als die Kicker aus der Alpenrepublik nach teils überzeugenden Vorstellungen erst unglücklich im Achtelfinale gegen den späteren Europameister Italien scheiterten, hat sich schneller verflüchtigt als Schnee in der Frühlingssonne.

Beobachter gehen davon aus, dass ein Testspiel gegen Schottland am kommenden Dienstag wohl das letzte Länderspiel ist, das Foda verantworten darf. Dass der 55-Jährige am Dienstag aber noch auf der Bank sitzt, bestätigte Gerhard Milletich, Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes, im ORF-Interview. Wer die Auswahl in den Nations-League-Spielen im Juni betreuen wird, ist offen, denn Fodas Kontrakt endet durch die verfehlte WM bereits am 31. März. Auch wenn sich Milletich noch alle Türen offen ließ und Foda der Entscheidung nicht vorgreifen wollte („wichtig ist, dass man nach dem Spiel keine emotionalen Aussagen tätigt“), so macht eine Zusammenarbeit nicht mehr viel Sinn. Zu belastet scheint die Beziehung. Das Team tritt auf der Stelle. Vor allem fußballerisch.

Auch für zahlreiche Bundesliga-Profis ist der „Riesentraum“ von der WM (Sportchef Peter Schöttel) geplatzt: Nur Bayern-Spieler Marcel Sabitzer traf (64. Minute) nach dem sehenswerten Doppelschlag von Wales-Superstar Gareth Bale (25. und 51.). Dass Spieler wie Xaver Schlager (VfL Wolfsburg), Christoph Baumgartner (TSG Hoffenheim), Konrad Laimer (RB Leipzig), Sasa Kalajdzic (VfB Stuttgart) an der Seite eines Weltstars wie David Alaba (Real Madrid) nicht in der Lage waren, einen Gegner wie Wales zu dominieren, spricht letztlich auch gegen den Trainer. Der in Graz beheimatete Foda hat zwar 27 seiner bisherigen 47 Spiele gewonnen - mit dem längst vergessenen Hugo Meisl hat als österreichischer Teamchef eine bessere Bilanz - aber in den vergangenen viereinhalb Jahren hat Foda nicht ein Pflichtspiel gegen ein Team gewonnen, das in der Weltrangliste vor Österreich steht.

Und so musste auch Foda am Ende in Cardiff ernüchtert konstatieren: „Klar war die WM-Qualifikation nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir sind alle extrem enttäuscht.“ mit dpa

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