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DFB: Der Nächste, bitte!

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Von: Jan Christian Müller

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Klarer Favorit auf den Posten als DFB-Präsident: Bernd Neuendorf.
Klarer Favorit auf den Posten als DFB-Präsident: Bernd Neuendorf. © dpa

Fragen und Antworten zur ersten Kampfabstimmung über den Präsidentenposten seit Verbandsgründung vor 122 Jahren

Am Freitag ab zehn Uhr wird im World Conference Center nahe des Rheins in Bonn ein neuer DFB-Präsident mitsamt Gefolgschaft gewählt. Der Ort ist geschichtsträchtig: Ebendort fand am 1. Juli 1999 die letzte Sitzung des Deutschen Bundestages in Bonn statt, ehe dieser nach Berlin umzog. Die FR beantwortet drängende Fragen zum mit Hochspannung erwarteten großen Wahltag des Deutschen Fußball-Bunds.

Wie viele DFB-Präsidenten gab es schon?

In 122 Jahren nur 13. Die letzten vier traten allesamt vorzeitig zurück. Die letzten drei, Wolfgang Niersbach, Reinhard Grindel und Fritz Keller, kamen mit abnehmender Tendenz zusammen nur auf eine Amtszeit von knapp neun Jahren. Kontinuität und Vertrauensbildung? Pustekuchen!

Wer will Verbandschef werden?

Haushoher Favorit ist Bernd Neuendorf (60). Der SPD-Politiker und Ex-Parlamentsreporter aus Bonn ist im Fußball ein Quereinsteiger. Erst seit knapp drei Jahren führt er den kleinen Verband Mittelrhein. Hat sich durch Besonnenheit Respekt verschafft. Erkennungsmerkmal: Trägt ständig seine Lesebrille auf der Stirn. Sieht auf Dauer komisch aus.

Außenseiter Peter Peters (59) trägt drei Bürden. Erstens: Er gehörte bis vor kurzem 15 Jahre lang dem DFB-Präsidium an und ist somit mitverantwortlich für das miserable Außenbild. Zweitens: Er tütete als ehemaliger Schalker Finanzchef den Gazprom-Deal mit ein. Drittens: Er übergab Schalke 04 2020 mit mehr als 200 Millionen Euro Schulden.

Worüber sind sich beide Kandidaten überhaupt nicht einig?

Neuendorf ist bereit, mit dem Bayern Rainer Koch weiter zusammenzuarbeiten. Peters lehnt das ab. Koch verbreite ein „Klima der Angst“. Neuendorf kann das nicht bestätigen. Peters sagt, mit Koch im DFB-Präsidium sei ein Neubeginn nicht möglich.

Wieso ist Koch so eine Reizfigur?

Menschen, die Koch gut kennen, sagen: „Sein Regime ist knallhart.“ Drei Ex-Präsidenten glauben, sie seien auch über Intrigen von Koch gestolpert.

Zudem steht der Vorwurf im Raum, Koch habe einen Deal mit dem ihm gut bekannten Kommunikationsberater Kurt Diekmann („Hallo Kurt, lass uns im Filmcafé treffen“ – „Lieber Rainer, hoffe, du amüsierst dich gut in Paris“) eingefädelt, der dem DFB vermeintliche Scheinrechnungen über mindestens 360 000 Euro bescherte und vergangene Woche zu mehreren Razzien führte.

Wie geht Koch mit der Kritik um?

Er entgegnet den Ex-Präsidenten, diese hätten ihre unehrenhaften Rücktritte schon selbst zu verantworten. Er fühlt sich von einer Medienkampagne „in den Dreck gezogen“ und verweist darauf, dass alle Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft wegen schwerer Steuerhinterziehung gegen ihn fallengelassen wurden. Er räumt ein, einen solchen Vertrag wie mit Diekmann würde er heute nicht mehr abschließen,

Koch setzt zum Gegenangriff an: Er verstehe nicht, wieso dieser vergleichbar geringe Aufwand so sehr skandalisiert werde. Viel skandalöser sei die Vergabe der Bandenwerberechte 2014 bis 2018. Ein um rund 20 Millionen Euro höheres „Angebot des besten Anbieters“ sei „unbeachtet“ geblieben, das Präsidium nicht informiert worden, „die Akten beim DFB nicht mehr vorhanden“, „Wieso schreibt niemand darüber?“ Stattdessen machten sich die Medien zu „willfährigen Handlangern“ seiner Kritiker.

Ebenfalls laut Koch viel kritikwürdiger als die Diekmann-Sache: Es gebe in der Sommermärchenaffäre nach wie vor „einige bis heute unauffindbare Akten“, die offenbar „vorsätzlich beseitigt worden sind“. Brisant: Die „besonders relevanten Unterlagen aus der Münchner Außenstelle des WM-Organisationskomitees 2006 würden „noch immer komplett fehlen“.

Um weniger Angriffsfläche zu bieten, will Koch künftig nur noch einfacher und nicht mehr erster DFB-Vizepräsident sein. Er hat aber dafür gesorgt, dass sein langjähriger treuer Wegbegleiter, der Nordbadener Ronny Zimmermann, das übernimmt. Tenor: Zimmermann sei eindeutig ein Befehlsempfänger von Koch.

Wo kann es noch spannend werden?

Sollte Peters wie erwartet nicht gewählt werden, muss die zu dessen Team gehörende Professorin Silke Sinning entscheiden, ob sie dennoch in eine geheime Kampfabstimmung gegen Rainer Koch um einen Vizepräsident:innen-Posten geht. Sie werde „vor Ort entscheiden, was mein Bauch und mein Herz mir zurufen“. Koch wäre Favorit, aber es könnte einen Denkzettel für ihn geben.

Welche Rolle spielt die Deutsche Fußball-Liga?

Sie ruft dazu auf, Peters zu unterstützen, ohne dabei Fraktionszwang auszuüben. Die Topklubs sind für Peters, die Mittelklasse etwa unentschieden für Peters oder Neuendorf, die zweite Liga sieht Peters eher kritisch. Der neue starke Mann in der DFL. Aki Watzke, und Neuendorf schätzen sich, wollen es gemeinsam anpacken und den Streit zwischen DFB und DFL als gemeinsame Win-Win-Situation beilegen.

Von der Bundesliga unterstützt, dennoch nur Außenseiter: Peter Peters.
Von der Bundesliga unterstützt, dennoch nur Außenseiter: Peter Peters. © imago images/Martin Hoffmann

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