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Der Multitasker

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Von: Jan Christian Müller

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Von der großen Bühne herab alles im Blick: Hans-Joachim Watzke.
Von der großen Bühne herab alles im Blick: Hans-Joachim Watzke. © dpa

Allmacht Aki Watzke, Aufsichtsratschefs der Bundesliga und Geschäftsführer des BVB, erklärt den deutschen Fußball, fordert Oliver Kahn zu mehr Engagement auf – und kündigt einen Rückzug an.

Hans-Joachim Watzke hält im Ballsaal Hof. Das erscheint sowohl dem bedeutenden Anlass angemessen als auch der zentralen Position seiner Person im deutschen Profifußball: Pressekonferenz des Aufsichtsratschefs der Bundesliga im Hotel Kempinski Gravenbruch, der in Personalunion auch Geschäftsführer von Borussia Dortmund, DFB-Vizepräsident, Mitglied der Gesellschafterversammlung des DFB, Vorstandsmitglied beim mächtigen europäischen Klubverband ECA, künftig Mitglied der Uefa-Exekutive und seit 28 Jahren Präsident des Amateurligisten Rot-Weiß Erlinghausen ist. Und gerade ganz besonders: Chef-Sanierer des daniederliegenden deutschen Fußballs. Mehr geht gerade nicht für einen, der sich eine Menge zutraut, aber sich klonen, nein, das kann selbst ein Aki Watzke natürlich nicht. Und: Ein Superman-Kostüm ist unter seinem beigen Anzug in dem abgedunkelten Raum der noblen Herberge ebenfalls nicht auszumachen.

Es ist keinesfalls übertrieben zu behaupten: Beim 63-jährigen Allrounder laufen ziemlich viele Fäden zusammen. Weil so einer laut Selbstauskunft gerade „30 bis 40 Anfragen für Exklusivinterviews“ vorliegen hat, die selbst ein fleißiger Mensch wie der Sauerländer unmöglich alle erfüllen kann, lädt er der Einfachheit halber in jenen Ort ein, an dem er am Vortag: a) Hansi Flick nach Aussprache im Amt des Bundestrainers bestätigte, b) Donata Hopfen in Abwesenheit aus deren Amt einer Bundesligachefin verabschiedete, c) Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt sowie Oliver Leki vom SC Freiburg übergangsweise für die überforderte Frau Hopfen installierte, ehe d) am 1. Juli kommenden Jahres am besten zwei Neue gefunden werden für die trotz magerer Leistungsdaten fürstlich abgefundene Ex-CEO.

Watzke will sich mit ein paar Kollegen selbst auf die Suche machen und nicht wieder sündhaft teure Headhunter auf die Jagd schicken (die dann genau die falsche Wahl treffen). Sein Credo nach dem Reinfall mit Hopfen: „Es wäre nicht schlecht, eine Geschäftsführung zu installieren, die nicht komplett fußballfremd ist.“ Wer weiß, vielleicht finden der Frankfurter Hellmann und/oder der Freiburger Leki so viel Gefallen am Interimsjob, dass sie ihn gleich ganz übernehmen.

Manche in der vielstimmigen Branche fürchten nämlich durch Multitasker Watzke und die erstaunliche Unsichtbarkeit des FC Bayern gerade eine Dortmundisierung der Bundesliga, Watzke pariert eine solche Vorhaltung lässig, sagt, er hätte es gern, wenn der Branchenführer sich auch in Person ihres bekanntesten Gesichts mehr mit einbringt. Geht ganz einfach in einer Demokratie, kleiner Seitenhieb auf Oliver Kahn: „Die unkomplizierteste Lösung ist, wenn man in unserem Präsidium um ein Amt kandidiert.“ Telefonisch hat Netzwerker Watzke das mit dem Bayern-Boss längst geklärt. „Ich habe Gespräche mit Kahn und auch mit Rummenigge geführt, weil mir wichtig ist, dass der größte Klub in alle Entscheidungen mit eingebunden ist.“ Alles paletti soweit, wiewohl Kalle Rummenigge gar kein Amt bei den Bayern mehr innehat.

Auch mit Hansi Flick, dem zuletzt ein wenig renitent daherkommenden Bundestrainer, sei es am Vortag harmonisch zugegangen. „Eine Trennung stand überhaupt nicht zur Diskussion.“ Das ist insoweit eine interessante Interpretation, als der derzeit auffällig unsichtbare DFB-Präsident Bernd Neuendorf vor einer Woche am Airport in Doha die Zukunft von Flick noch in einen Forderungskatalog gekleidet hatte. Nur leere Worte? Flick war zur Sitzung am Mittwoch jedenfalls noch nicht mal mit einem Laptop unterm Arm erschienen. Eine Tiefenanalyse, wie von Neuendorf angekündigt, kann eher nicht stattgefunden haben.

Axel Hellmann packt es an

Was in der FR schon umfangreich berichtet wurde, ist nun offiziell: Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann wird gemeinsam mit Oliver Leki vom SC Freiburg interimsmäßig zum DFL-Geschäftsführer berufen. Eine Anerkennung seiner Toparbeit, wie Liga-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke ausdrücklich unterstrich.

Axel Hellmann ist tatendurstig: „Wir befinden uns im deutschen Profifußball in einer herausfordernden Lage, in der Entscheidungen getroffen werden müssen, die eine große Bedeutung für die Zukunft haben. Es ist für mich selbstverständlich, dass ich mich gemeinsam mit Oliver Leki dieser Herausforderung stelle und Verantwortung übernehme.“ Seine komplexen Hauptjobs: die Forderungen des Kartellamts bezüglich 50+1 zu befriedigen und ein Investorenmodell zu entwickeln, dass der Bundesliga Milliardenerlöse bescheren soll.

Eintracht-Aufsichtsratschef Philip Holzer sagte: „Wir sehen in der Berufung eine Anerkennung seiner Arbeit bei Eintracht Frankfurt und der positiven Entwicklung unseres Klubs. Zugleich ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, der DFL in einer schwierigen Situation zu helfen.“ jcm

Watzke rät dem geschätzten Kollegen Neuendorf, noch ein wenig zuzuwarten, er der DFB-Chef sich dann auch mal öffentlich etwas umfangreicher äußern sollte als bloß zwei Minuten in Doha mit Aussagen, die sich bald darauf als den vorbereiteten Text nicht wert herausstellten. Er wolle „den handelnden Personen im DFB nicht reinquatschen“, so Watzke, habe aber selbst die Erfahrung nach verlorenen Finals gemacht: „Es ist immer besser, wenn du erst mal ein paar Tage lang die Klappe hälst.“ Denn: „In den ersten zwei, drei Tagen der Enttäuschung kannst du mit jedem Satz viel mehr zerstören, als du jemals wieder aufbauen kannst.“ Man kann Watzkes Worte auch so interpretieren: Neuendorf hat am Flughafen schon mal einen Kardinalfehler begangen.

Wie dem auch sei: Watzke findet außerdem, dass in der Suche nach einem Bierhoff-Nachfolger Eile mit Weile verbunden gehört: „Es wäre schön, wenn wir vor Weihnachten irgendeine Lösung hätten. Ich glaube aber nicht, dass wir das schaffen.“ Kein Grund, in Hektik zu verfallen, die Nationalmannschaft spielt sowieso erst wieder nächsten März.

Ohnehin sieht der BVB-Klubchef keinen Anlass zur Hyperaktivität. „Es war nicht alles schlecht. Wir sind nicht sang- und klanglos ausgeschieden. Es war unbefriedigend. Aber wir haben uns auch nicht komplett in Schutt und Asche gelegt.“ Die Fundamentalkritik des Kollegen Oliver Ruhnert von Union Berlin, der den Deutschen Fußball-Bund „im Gesamtbereich schlecht aufgestellt“ sieht, kann Watzke nichts abgewinnen. Die sei „sachlich nicht richtig“, und es sei auch ungerecht zu behaupten, es sei „alles Mist“ beim DFB. „Da muss man auch mal an die vielen Leute denken, die da ehrenamtlich arbeiten und sich die ganze Woche abrackern.“

Im März will Watzke übrigens sein Präsidentenamt bei Rot-Weiß Erlinghausen niederlegen. Wird doch alles ein bisschen viel gerade.

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