1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Der Metro Man

Erstellt:

Von: Frank Hellmann

Kommentare

La’eeb ist als offizielles Maskottchen auch am Souq Waqif präsent - wie Abubakr Abbas als unoffizielles.
La’eeb ist als offizielles Maskottchen auch am Souq Waqif präsent - wie Abubakr Abbas als unoffizielles. © AFP

Abubakr Abbas ist zur Kultfigur rund um die WM. Wie? Er weist den Fans Souq Waqif den Weg zur U-Bahn auf eingängige Art und Weise.

Am Anfang hat Abubakr Abbas auch nur einfach auf seiner erhöhten Position gesessen, die ihm ein Stuhl ermöglicht, den die Schiedsrichter beim Tennis besetzen. Davon gibt es mehrere am Souq Waqif, einem der zentralen Plätze von Doha. Dessen belebter Markt mit einer an die katarische Geschichte erinnernden Architektur dient zugleich eine Drehscheibe für die WM-Gäste, von denen viele beim Rückweg nach Orientierung suchen. Deshalb hocken hier Einweiser, die Reflektorenjacke tragen, in der einen Hand einen Schaumfinger halten und in der anderen ein Mikrofon. Ihre Aufgabe: die Ströme der Menschen optisch wie akustisch zum Labyrinth aus Absperrgittern in die Metrostation lenken.

Dem gebürtigen Kenianer war offenbar zu langweilig, tagaus, tagein spaßbefreit dasselbe anzuzeigen und aufzusagen. Der 23-Jährige erfand eine Art Sprechgesang, der so geht: „Metro? This way! Metro? This way!“ Immer mit starker Betonung auf der ersten Silbe. Irgendwann klang das so melodisch, dass Hunderte des vorbeistreifenden Fußvolkes einfach mit einstimmten. Und wenn dann noch die ersten anfangen, danach zu tanzen, kann aus einer kleinen Geste dank Sozialer Medien wie TikTok sofort etwas Großes für eine WM entstehen.

Kultfigur am Souq Waqif

Inzwischen hat die Fifa über den offiziellen Twitter-Kanal das Video geteilt, internationale Zeitungen widmeten dem „Metro Man“ eine Geschichte. Wenn La’eeb das offizielle Maskottchen der WM ist, sei Abbas das ungekrönte Maskottchen der Metro, hieß es. Weil da einer mit Freude seinen Job macht und die Gäste zum Lachen und zum Mitmachen animiert.

Seitdem herrscht vor allem beim Abgang aus den meisten der mit der Metro zu erreichenden WM-Stadien eine andere Atmosphäre. Zwischen den langen Gängen und vielen Rolltreppen entfalten die „Metro? This way!“-Klänge einen besonderen Hall. Und wenn gerade afrikanische Helfer in Kleingruppen im Takt tanzen und Fangruppen nachmachen, wirkt das belebend. Die Kurzclips verbreiten sich aus Doha wie ein Lauffeuer. Staus bilden sich jetzt, wenn zu viele Menschen solche Aufläufe filmen.

Abubakr Abbas ist zur Kultfigur geworden, den auch der arabische Sender Al Jazeera schon abgefeiert hat. Es sind Begebenheiten, die auch einiges über die Lebensfreude derjenigen verrät, die als Begleitpersonal an der WM nicht viel verdienen, aber irgendwie erfreut beitragen, dass sich Besucher aus aller Welt willkommen fühlen. Mittlerweile wird der „Metro Man“ fast häufiger fotografiert als die nachgebauten Kulissen am Souq Waqif.

Auch interessant

Kommentare