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Der Mann mit dem feinen Füßchen

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Von: Daniel Schmitt

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Chef im Darmstädter Mittelfeld: Tobias Kempe.
Chef im Darmstädter Mittelfeld: Tobias Kempe. © dpa

Tobias Kempe schießt die besten Standards in Liga zwei - und führt Darmstadt 98 als Leader an.

Als der siegbringende Eckball vergangenen Samstag optimal temperiert - nicht zu lasch, nicht zu doll, nicht zu niedrig, nicht zu hoch - auf das Haupt von Patric Pfeiffer gesegelt war, als die Zweitligafußballer von Darmstadt 98 durch den Kopfstoß des Verteidigers das Heimspiel gegen Düsseldorf für sich entschieden hatten (1:0), schaute manch Medienkraft verdutzt auf den Notizzettel und fragte sich in tiefstem Hessisch: Hä?

Ja, doch. Es stimmte. Nicht der Name von Tobias Kempe, dem Flanken- und Eckballexperten des SVD, stand da als Vorlagengeber gekritzelt, sondern Fabian Holland. Nun ist Holland im Lilien-Kosmos gewiss kein Niemand, sondern der Kapitän, doch in Sachen Freistöße und Ecken macht Kempe ansonsten niemand was vor – nicht in Darmstadt, nicht andernorts in der Zweitligawelt. Tobias Kempe, 32, geboren in Wesel, ist mit einem der begnadetsten rechten Füße des deutschen Fußballunterhauses ausgestattet, ist einer, dessen Schuss- und Flankentechnik weit über dem Schnitt liegt. In Zahlen ausgedrückt: Bereits sechs Tore bereitete der Mittelfeldspieler in dieser Saison vor, Bestwert, und er schoss dazu noch drei weitere selbst. Lässt sich schon sehen.

Rechte Hand des Trainers

Vergangenes Wochenende also trug sich Fabian Holland nur deshalb in die Scorerliste ein, weil Tobias Kempe kurz zuvor von seinem Trainer Torsten Lieberknecht ausgewechselt wurde - eine Seltenheit, ebenso selten wie durchwachsene Auftritte der Führungskraft. Kempe ist eine Konstante im Spiel des Tabellenzweiten und er wird am Samstag (13 Uhr/Sky) im Gastspiel beim Karlsruher SC wieder zur Darmstädter Startelf zählen - zumal unter anderem die Mittelfeld-leute Klaus Gjasula und Fabian Schnellhardt verletzt fehlen. Ohne den Profi, der in 227 Einsätzen für die Blau-Weißen (manchmal auch die Textmarker-Orangenen) auf 53 Tore und 56 Vorlagen kommt, geht es in Darmstadt kaum mehr. „Reifer, erwachsener, ruhiger“ sei er geworden im Laufe der Jahre, sagt Kempe über sich selbst, was ihm von den Kollegen größten Respekt einbringt.

Der Vater einer Tochter geht voran, verbal wie fußballerisch. Er bestimmt das Tempo im Darmstädter Spiel, er ist es, der auch mal auf den Ball tritt und den Mitspielern damit bedeutet, die Kugel doch lieber durch die eigenen Reihen laufen zu lassen. Er habe viel gesehen und erlebt im Profitum, sagt Kempe, so viel, dass ihm hektische Situationen, dass ihm Druck, nur noch wenig anhaben.

Dimitrios Grammozis, Trainer in Darmstadt von Anfang 2019 bis Mitte 2020, hatte mal versucht, auf Kempe im Team zu verzichten. Ein Fehler, den anschließend kein Lilien-Coach mehr beging. Für Lieberknecht ist Kempe so etwas wie der verlängerte Arm auf dem Rasen. Nicht selten zitiert der Trainer seinen Mittelfeldmann an die Seitenlinie, um mit ihm taktische Dinge zu besprechen.

„Die Lilien sind zu meinem Heimatverein geworden“, sagt Kempe, der in der Jugend für Mönchengladbach und Bremen sowie später für Aue, Paderborn, Dresden und Nürnberg spielte, nicht ohne Stolz. Eines aber hat er nur mit dem SVD geschafft: Luft in der Bundesliga zu schnuppern. 2015 erfüllte er sich jenen Traum, der nach dem prächtigen ersten Saisondrittel auch jetzt wieder geträumt werden darf in Darmstadt. Den entscheidenden Treffer zum Aufstieg erzielte Tobias Kempe selbst, na logisch: per direktem Freistoß.

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