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Der Mainzer Autoscooter-Fußball

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Von: Jan Christian Müller

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Jubelnde Joker: Marcus Ingvartsen und Jean-Paul Boetius.
Jubelnde Joker: Marcus Ingvartsen und Jean-Paul Boetius. © AFP

Mit massiver Körperlichkeit ringen die Nullfünfer auch Bayer Leverkusen gnadenlos nieder. Die Joker Marcus Ingvartsen und Jean-Paul Boetius avancieren zu Matchwinnern.

Der Mainzer Sportdirektor Martin Schmidt hat das freie Wochenende nach dem heldenhaften 3:2-Sieg über Bayer Leverkusen umso mehr genießen können. Schmidt, ein Skifahrer der Extraklasse aus dem Wallis, war in seiner Heimat auf 3100 Meter Höhe unterwegs. Der 54-Jährige hatte sich das verdient. Seit er gemeinsam mit Bo Svensson und Christian Heidel die Geschicke bei Mainz 05 leitet, läuft es wie am Schnürchen. Das 3:2 gegen Leverkusen nach 0:1 und 1:2-Rückstand war nur ein erneuter Höhepunkt der an Höhepunkten reichen Geschichte ihres gemeinsamen Wirkens.

Am Freitagabend um kurz vor halb elf hatte Schmidt zum Ende der Nachspielzeit hin wie verrückt gewinkt, „damit der Schiri endlich abpfeift“. Gerade erst hatten die beiden Joker Jean-Paul Boetius und Marcus Ingvartsen binnen vier Minuten aus dem Rückstand eine Führung gemacht, wenig verwunderlich, dass die Emotionen danach überschwappten.

Schmidt sprach von einem „richtig großen Schritt, um in der Liga zu bleiben“. Man kann das nur als Understatement bezeichnen. Denn tatsächlich haben die Nullfünfer mit dem Sieg über die formstarken Leverkusener zum wiederholten Mal bewiesen, dass sie mit diesem Trainer, dieser Mannschaft und dieser Spielweise gut genug für Europa sind. Gemeinsam mit dem SC Freiburg, dem 1. FC Köln und der TSG Hoffenheim steht Mainz 05 weit über dem, was vor Saisonstart zu erwarten gewesen wäre. Alle vier Überperformer haben auch an diesem Wochenende wieder gewonnen.

Die große Stärke der Rheinhessen ist ihre Körperlichkeit, die sie daheim viel mehr zum Ausdruck kommt als auswärts. Es ist eine Art Autoscooter-Fußball. Die Mainzer Profis bremsen vor dem Körperkontakt nicht ab. „Sie sind es gewohnt, dass sie zuerst auf den Mann gehen und erst dann auf den Ball“, interpretierte Bayer-Trainer Gerardo Seoane sichtlich angefressen. Das ist zwar zugespitzt formuliert, aber das ist auch das, was die Mainzer in der Liga so gefürchtet macht. Und das, was Svensson von ihnen Woche für Woche verlangt - und entsprechend enttäuscht ist, wenn es nicht angeboten wird.

Gegen Leverkusen kam hinzu, dass der kleine Spanier Aaron Martin sein erstes Bundesligator für Mainz 05 erzielte. Der linke Verteidiger war schon als teuerster Fehleinkauf der Klubgeschichte bezeichnet worden und hatte seien Lustlosigkeit weit sichtbar vor sich hergetragen. Aber Svensson hat ihn wieder hingekriegt.

Martins erstes Tor

Auch der lange am Schambein verletzte Marcus Ingvartsen demonstrierte mit seinem Kunsttreffer Jokerqualitäten. Dass die Mainzer unter der Woche Adam Szalai nach Basel abgegeben haben, war unter der Woche in einer kurzfristig einberufenen Konferenz der Macher Svensson, Schmidt und Heidel besprochen worden. Schließlich hatte das Trio zugestimmt, weil der im Sommer von Union Berlin verpflichtete Däne Ingvartsen endlich wieder fit ist. Und dann ist da ja noch der lustige Niederländer Boetius. Der war jahrelang Stammkraft. Statt Frust zu schieben, schießt er lieber Jokertore.

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