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Diego Armando Maradona bei einem Training des SSC Neapel im Jahr 1989.
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Diego Armando Maradona bei einem Training des SSC Neapel im Jahr 1989.

Einwurf

Der Luftgeist

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Diego Maradonas Fußball-Kunst wird über seinen Tod hinaus unvergessen bleiben: Erinnerungen an ein Spiel in München, wo er den Gegner schon beim Aufwärmen überflügelte.

Ein großes Spiel, doch welch ein mieses Vorspiel. Herrlicher Zauber sollte wohl vorab gebannt werden durch hässliches Gezänk. Die Bayern, 0:2-Verlierer im Halbfinalhinspiel von Neapel, hatten sich zum Sieger erklärt. Nicht doch, es hatte die Bayern auf dem linken Fuß erwischt. Und das Rückspiel?

Mehr noch als vom Uefa-Cup-Spiel 1989 kursieren Videos vom Aufwärmprogramm Diego Maradonas in Münchens Olympiastadion. Morgens, mit den ersten Schlagzeilen, war er noch verhöhnt worden – im Mittelkreis machte er nun vor, was mancher Nichtmünchner von ihm erwartete. Ein Artist jonglierte mit dem Ball. Die Schnürsenkel, so lang wie seine Unterschenkel, zog er weiterhin ungeschnürt hinter sich her, lässig. Noch aufreizender aber, wie der Ball auf seinem linken Oberschenkel, auf seinem linken Spann, auf seiner linken Hacke, auf der Stirn, auf seinen beiden Schultern tanzte wie am Schnürchen. Der Ball, ein Element der Lüfte. Auch diese Bilder Maradonas sind im Netz zu finden, zur Musik von „Live is Life“, einer Kreisklasse-Komposition, über die ein Magier wahrhaftig weltmeisterlich improvisierte.

Unverschämt überlegen

Was die Videos allerdings nicht zeigen: Für Maradonas Auftritt waren Lautsprecher im Mittelkreis aufgestellt worden – für das heimische Publikum eine Provokation. Ebenfalls dann vom Anpfiff an unübersehbar, wie sehr Maradonas unverschämte Überlegenheit den Körperkontakt suchte. Dass er daraus Energie zog, reizte den Gegner umso mehr.

Wer etwas über die Schönheit des Fußballspiels erfahren möchte, der schaue sich diese Maradona-Performance an. Einen Triumph der Spielkunst, begnadeter Technik und strategischer Fähigkeiten, unermüdlicher Laufbereitschaft, enormer Sprinterfähigkeiten, watteweicher Ballkontrolle bei ungeheurer Dynamik – und wie eben diese einzigartige Schönheit auf die versammelte Hässlichkeit des Fußballsports traf. Denn dem Zauberer hatte der Gegner, der Trainer H., die Zerstörer auf den Leib gehetzt.

Dieses Maradona-Match am 19. April 1989 ist auch deswegen ein Sinnbild für den Fußballer Maradona, weil dieser sich als unfassbar zäh und widerstandsfähig erwies, eine Nr. 10, unwiderstehlich, ein Souverän, – anders als dann jener Maradona, außerhalb des Spielfelds, von Camorra und Kokain, körperlichen und mentalen Problemen an die Kette gelegt.

Der Genius beendete das 2:2 und damit das Weiterkommen der Neapolitaner mit einer gelben Karte für ein böses Foul, zugleich überstand er es nach mehreren, auch brutalen Attacken, an denen sich nicht nur die Haudraufnaturen A., Pf., oder D. beteiligten, sondern auch ein Filigrantechniker wie Wiggerl K. Eben dies, die Hilflosigkeit eines Wirbelwinds gegenüber einem Luftgeist, eines Künstlers angesichts eines Genies, beglaubigt die unermesslichen Fähigkeiten Maradonas. Morgens war er von einer Zeitung Münchens noch als „Maratonna“ verhöhnt worden -wie dann später häufig. Blieb unvergessen wie der Auftritt eines Ariel in tiefer ambrosischer Fußballnacht.

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