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Will an die DFB-Spitze: Peter Peters (links), hier bei der Verabschiedung von Ex-Bundestrainer Joachim Löw.
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Will an die DFB-Spitze: Peter Peters (links), hier bei der Verabschiedung von Ex-Bundestrainer Joachim Löw.

Hochspannung beim DFB

Der Kampf um die Führung

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Wer sich zum DFB-Oberhaupt küren lassen will, soll sich sofort melden, die Frauengruppe macht da nicht mit.

Montag, der 15. November 2021, ist ein nicht ganz unbedeutender Tag im Deutschen Fußball-Bund. Am Morgen wird Schatzmeister Stephan Osnabrügge die Geschäftszahlen bekanntgeben. Es wird einen Gewinn von zwei Millionen Euro für das Corona-Jahr 2020 ausgewiesen. Aber es steht auch an, dass wegen der Pandemie die Messlatte von 150 Millionen Euro für den DFB-Campus gerissen wird. Die Baustelle soll nächsten Sommer fertiggestellt werden. Es droht, einige Millionen teurer zu werden.

Im Verlauf des weiteren Montags sollen sich dann die Bewerber:innen um das Präsident:innen-Amt bei einer im Oktober in Hamburg eingesetzten fünfköpfigen Kommission gemeldet haben. Und zwar über ihre Landesverbände, von denen es 21 im DFB gibt. Erwartet wird, dass Bernd Neuendorf, der Präsident des Mittelrheins, ebenso dazugehören wird wie Peter Peters aus Westfalen. Auch Ute Groth aus Düsseldorf, die bereits 2019 gerne gegen den im Frühjahr zurückgetretenen Fritz Keller kandidiert hätte, von ihrem Landesverband aber nicht aufgestellt wurde, hat ihre Bereitschaft angekündigt.

Die Vorsitzende des Vereins DJK Tusa 06 gehört der Gruppe „Rettet die Amateure“ an, die sich zuletzt in einer zweistündigen Videokonferenz neu vernetzte. Die Initiative fordert von den Profiklubs viel mehr als eine bei sechs Millionen Euro jährlich gedeckelte Überweisung. Außerdem ist es ihrer Sicht überfällig, den DFB grundlegend zu reformieren, auch personell, was ein Ende der Amtszeiten der Spitzenfunktionäre Peter Peters und Rainer Koch zur Folge hätte. Engelbert Kupka, 82, der Initiator von „Rettet die Amateurvereine“, sagt: „Der Verband ist moralisch abgesackt. Das wird sich rächen.“ Der Ehrenpräsident der Spielvereinigung Unterhaching glaubt, es werde „wieder gekungelt“ und am Ende „irgendein Landesfürst als Präsident“ dastehen.

Peter Peters hat seine Kandidatur für die Wahl zum DFB-Oberhaupt am 11. März in Frankfurt angekündigt. Der derzeit mit Koch als Co-Interimspräsident dienende 59-Jährige erhält Unterstützung aus seinem Landesverband Westfalen. Peters, der als Delegationsleiter der Nationalmannschaft die Verabschiedung von Joachim Löw vornahm und das Rampenlicht sichtlich genoss, hat alles gegeben, um das Profilager hinter sich zu bringen. Gelungen ist das dem passionierten Klavierspieler dem Vernehmen nach nicht flächendeckend. Aber aufgeben will Peters deshalb noch lange nicht. Das wurde bei seinem irritierenden Auftritt in der Kultsendung „Bembel & Gebabbel“ des Frankfurter Medienmanagers Bernd Reisig deutlich.

Gut möglich, dass es erstmals zu einer geheimen Kampfabstimmung kommt. Zumal die von Ex-Nationaltorhüterin Katja Kraus koordinierte Fraueninitiative „Fußball kann mehr“ nicht locker lässt. Die Gruppe hat viele Gespräche mit Vereinen und Verbänden geführt. Sie plant, ihre Erkenntnisse als „Angebot zur Erneuerung“ im Dezember vorzustellen. Und nicht nur das: Sie wird ein Team aus einem Kandidaten und einer Kandidatin als Doppelspitze präsentieren.

Die 21 Landesverbandspräsidenten können dem nichts Gutes abgewinnen. „Eine Doppelspitze schließt die Präsidentenkonferenz aus“, hieß es in einem jüngst veröffentlichten Kommuniqué.

Die Deadline 15. November der DFB-Kommission wird die Frauengruppe ohnehin nicht einhalten, sondern den DFB weiter vor sich hertreiben. Man darf gespannt sein, welche Namen dann im Dezember präsentiert werden. Die angesehenen Ex-Nationalspieler Marco Bode und Thomas Hitzlsperger sind es eher nicht.

Am Montag, 22. November, treffen sich die Präsidenten der 21 Landesverbände in Frankfurt, um sich ihre Liste zu besehen. Bis dahin will die Such-Kommission mit Vertretern der Deutschen Fußball-Liga gesprochen haben. Für die DFL sollen Oliver Leki (SC Freiburg) und Steffen Schneekloth (Holstein Kiel) als Vereinsvertreter mit am Tisch als sitzen, zudem DFL-Justiziar Jürgen Paepke. Denn der zum Jahresende scheidende DFL-Boss Christian Seifert hat sich aus den offiziellen Gesprächen herausgenommen, dürfte aber hinter den Kulissen noch tätig sein.

DFB-Vertreter Peter Frymuth findet, die Unterredung mit der DFL sollte nicht als virtuelle Sitzung, sondern von Angesicht zu Angesicht stattfinden. Die Terminsuche habe sich indes als schwierig entpuppt. Der Präsident des Westdeutschen Fußballverbandes, von 2004 bis 2015 Vorstandschef bei Fortuna Düsseldorf, sagt, der Austausch mit der DFL sei „wichtig und richtig“.

Bei der Liga sieht man das, freundlich formuliert, etwas zurückhaltender. Denn die Amateurvertreter haben längst erklärt, „die kandidierende Person“ soll jemand von der Basis werden, nicht wieder ein Mann der Profis, wie es zuletzt der nach weniger als zwei Jahren gescheiterte Keller war. Die Liga sieht sich insoweit vor vollendete Tatsachen gestellt, was sie nicht goutiert.

Das Gespräch der DFL mit der DFB-Kommission verspricht, konträr zu werden. Man versteht in der Bundesliga nicht, warum der DFB eine Doppelspitze rundheraus ablehnt. Zumal es eine solche bereits gab: Von 2004 bis 2006 amtierten der so entmachtete Gerhard Mayer-Vorfelder und der aufstrebende Theo Zwanziger gemeinsam, wenn auch beileibe nicht in inniger Freundschaft.

Eine gemeinsame Spitze gibt es derzeit auch, weil Peters und Koch nach Kellers Rücktritt übergangsweise übernommen haben. Keiner von beiden sagt es laut, aber dass Peters und Koch sich gegenseitig unterstützten und mögen, kann niemand ernsthaft behaupten. Peters gilt als treuer Erfüllungsgehilfe von Seifert. Peters möchte seinen erst im Frühjahr eroberten, gut dotierten Platz in der Fifa-Exekutive behalten.

Koch, der seine hohe Richterposition am Münchner Oberlandesgericht zugunsten der Funktionärslaufbahn im Fußball ruhen lassen hat, will in der Uefa-Exekutive bleiben. Die Ämter im Fußball sind Koch und Peters heilig, sie sind beide seit mehr als anderthalb Jahrzehnten dabei. Vor allem Vielflieger Koch ist unentwegt Tag und Nacht unterwegs.

Der Druck auf den 62-Jährigen ist jedoch immens. Die Ex-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel finden. Koch hätte hinterlistig ihren Rücktritt mit befördert. Die Initiative „Rettet die Amateure“ will ihn weghaben, die DFL möchte ihn loswerden. Auch die Frauengruppe ist nicht bereit, mit ihm zusammenzuwirken. Die Initiative hatte Anfang Juni gegen den Bayern Anzeige vor der DFB-Ethikkommission angestrengt, weil Koch die ehemalige Bundesligaschiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb zuvor ohne Ankündigung in ein Gespräch mit der „Sportbild“ zugeschaltet hatte. Diese Anzeige wird aber nach FR-Informationen nicht zu einer Verurteilung durch die Ethikkammer des DFB-Sportgerichts führen. Als strafbar wird das Vergehen dort nicht eingeschätzt. Die Akte soll wegen Geringfügigkeit geschlossen werden.

Auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat jüngst die im Oktober 2020 nach einer Steuer-Razzia der DFB-Zentrale aufgenommenen Untersuchungen gegen Koch eingestellt. Koch hatte stets beteuert, für die Steuerfragen im Verband nicht zuständig zu sein. Weder verbandsgerichtlich noch strafrechtlich liegen also Ermittlungsergebnisse gegen ihn vor. Koch hat bislang alle Angriffe an sich abprallen lassen. „Er wird darum kämpfen, im DFB-Präsidium einen Platz zu behalten“, sagt ein Insider.

Der Kampf um die Führung wird auch über die zum 1. Januar geplante neue DFB-GmbH & Co. KG ausgetragen. Koch und Schatzmeister Osnabrügge wollen die von den Steuerbehörden geforderte Umfirmierung des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs bis dahin umsetzen. Peters blockiert. Die DFL will mehr Macht im Aufsichtsrat. Es bleibt hochspannend.

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