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Der HSV, Tim Walter und der Weltschmerz

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Von: Jakob Böllhoff

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Erst Gelb, dann Rot: Hamburgs Sportchef Jonas Boldt legt sich mit Schiedsrichter Robert Schröder an.
Erst Gelb, dann Rot: Hamburgs Sportchef Jonas Boldt legt sich mit Schiedsrichter Robert Schröder an. © dpa

Zweitligist Hamburg hadert nach der Niederlage gegen Darmstadt mit dem Schiedsrichter. Paderborn und Karlsruhe feiern ein Torfestival.

Tim Walter nahm geräuschvoll Platz. Fast klang es nach Weltschmerz, dieses Stöhnen des Hamburger Trainers zu Beginn der Pressekonferenz nach dem Heimspiel gegen Darmstadt 98. Vielleicht war es das auch. Walters Team hatte nicht nur das Spiel mit 1:2 (0:2) verloren an diesem Freitagabend, sondern auch den Kampf mit den eigenen Nerven, wieder einmal. Den Beginn des Spiels hatte der HSV irgendwie ignoriert, nach sieben Minuten stand es 2:0 für Darmstadt, Kopfballtore durch Patric Pfeiffer (4.) und Phillip Tietz (7.). Da sahen die Hamburger Rot. Mehrfach. Aaron Opoku und Randson Königsdörffer flogen in Halbzeit zwei wegen klarer Tätlichkeiten vom Feld, Hamburgs Sportmanager Jonas Boldt, weil er sich über den Schiedsrichter aufregte. Was er denn dazu sage, wurde Walter gefragt. „Was soll ich dazu sagen?“, sagte Walter, und: „Kein Kommentar.“ Nächste Frage zum Schiedsrichter, dem die Hamburger Spieler eine unflätige Ausdrucksweise vorgeworfen hatten. Könne er die Beleidigungen bestätigen? Da grinste Tim Walter sogar, sagte nur: „Es gibt Götter in Weiß. So gibt’s auch andere Götter.“ Okay.

Paderborns Sturmlauf

Walter war clever genug, seinen Unmut gegenüber Referee Robert Schröder kryptisch zu verpacken. Denn Umgangsformen hin oder her (Schröder bestritt übrigens jegliche Beleidigungen): Seltsam an den Platzverweisen war höchstens ihre Eindeutigkeit, vor allem bei Opoku, der Lilien-Kapitän Fabian Holland schwungvoll in die Seite getreten hatte. Dass der liegende Holland den Hamburger am Weiterlaufen gehindert hatte, indem er ihm ausgiebig an der Hose zog, mag eine Erklärung für den Ausraster sein, keine Entschuldigung. Umso mehr, da der HSV nach Gelb-Rot gegen Darmstadts Haudegen Klaus Gjasula (57.) selbst erst seit wenigen Minuten in Überzahl war und zur Wende ausholte. Die ging dann unter in einem Gewitter aus Gelben und Roten Karten. Tim Walters Fazit zum Abend: „Wir haben heute ein Spiel verloren, aber am Ende gewinnen wir.“ Was auch immer das wieder bedeuten sollte.

Mit dem letztlich verdienten Sieg waren die Darmstädter an die Tabellenspitze der zweiten Liga gelangt, mussten diese tags drauf aber wieder an den famosen SC Paderborn abgeben. „Die Torgeilheit werde ich gerne weiterlaufen lassen“, sagte Paderborns Trainer Lukas Kwasniok nach dem denkwürdigen 7:2 (5:2) der Ostwestfalen gegen Holstein Kiel. Zwölf Punkte (wie Darmstadt) und 18:6 Tore sind Ausdruck der Torgier und der Offensivfreude des SCP. Aber Kwasniok will sich mit dem derzeitigen Leistungsstand nicht zufriedengeben: „Wenn du gut bist, gibt es immer noch Luft nach oben. Das ist unser Ansatz, wir wollen aus einer Zwei eine Zweiplus machen.“

Erstaunlicherweise beteiligte sich auch der so mühselig in die Saison gekommene Karlsruher SC am Torreigen dieses Zweitligaspieltags. Bei den eigentlich so stabilen Regensburgern gewannen die Badener mal eben mit 6:0 (3:0) und setzten sich ins Tabellenmittelfeld ab.

Von derartigen Befreiungsschlägen kann Arminia Bielefeld derzeit nur träumen. Immerhin: Nach dem Trainerwechsel unter der Woche (Daniel Scherning für Uli Forte) konnte der Bundesligaabsteiger am Sonntag erstmals in dieser Saison Zählbares einsammeln. In Heidenheim spielten die Ostwestfalen 1:1. böl/dpa

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