Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Den Machern des Sommermärchens 2006 ist die gute Laune längst vergangenen.
+
Den Machern des Sommermärchens 2006 ist die gute Laune längst vergangenen.

Geldflüsse rund um die WM 2006

Sommermärchen-Affäre: Der große Schatten

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
    schließen

Gut möglich, dass die dubiosen Geldflüsse rund um die WM 2006 niemals wirklich aufgeklärt werden. Denn eines Tages wissen die Toten mehr als die Lebenden. Ein Kommentar.

Vermutlich werden wir nie erfahren, was mit 6,7 Millionen Euro passiert ist, die 2002 in vier Tranchen von einem Co-Konto von Franz Beckenbauer und dessen damaligen Manager Robert Schwan bei der Raiffeisenbank Kitzbühel über ein Notarkonto in der Schweiz nach Katar ins Reich des korrumpierbaren Ex-Fifa-Mannes Mohamed bin Hammam rausgegangen sind. Geld, das sich Beckenbauer zuvor beim damaligen Adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus geliehen hatte und das dieser drei Jahre später über die verschwurbelte Wege eines geheimen Fifa-Kontos vom DFB zurückerhielt.

Wurde so die WM 2006 gekauft?

Wurde so Sepp Blatters Wiederwahl zum Fifa-Boss gekauft?

Wurde Beckenbauer so heimlich als WM-OK-Chef honoriert?

War es ein Geld für einen gemeinsamen TV-Deal von Beckenbauer und Bin Hammam?

Wurde so das Fifa-Finanzkomitee mit dem korrupten Argentinier Julio Grondona an der Spitze für einen Zuschuss von 170 Millionen Euro an das deutsche WM-OK bestochen?

Bestechung und Korruption?

Eine Vielzahl von Ermittlern und recherchierenden Medien hat diese Frage bislang nicht beantworten können. Die Fifa-Ethikkammer vermutete Bestechung und Korruption. Es bleibt beim Verdacht, die Verjährung schützt die Verdächtigen vor weiterer Verfolgung durch den Weltfußballverband.

Auch Ermittlungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) über 42 involvierte Rechtsanwält:innen der Kanzlei Freshfields brachten 2016 auf 361 Seiten keine klare Antwort, ebenso wenig wie die Anklage der Schweizer Bundesanwaltschaft 2020. Noch anhängig ist ein sich wie ein altes Kaumgummi ziehender Steuerprozess vorm Frankfurter Landgericht gegen die drei ehemalige DFB-Oberen Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach, Horst R. Schmidt, nicht aber gegen Beckenbauer.

Franz Beckenbauer fein raus?

Der Schatten des Sommermärchens liegt bis zum heutigen Tage über dem DFB, der Ende 2019 neuerliche Recherchen in Auftrag gegeben hat. Die Berliner Wirtschaftsforensiker Esecon ermitteln seit Monaten und sollen bald Ergebnisse ihrer Generalinventur präsentieren. Die Verkündung ist bereits zweimal verschoben worden. Insgesamt hat die unangenehme Angelegenheit den Verband inklusive Steuernachzahlungen und Rechtsanwaltskosten schon mehr als 30 Millionen Euro gekostet – und dazu Unmengen an Image.

Auch die Leute von Esecon dürften keine weltbewegenden Neuigkeiten übermitteln, wiewohl Präsident Fritz Keller, der Initiator des Großreinemachens, Hoffnung auf mehr macht. Dem guten Kaiser Franz konnte der Verbandschef zum 75. Geburtstag im vergangenen Herbst die freudige Botschaft nebst Persilschein übermitteln, „dass die Ermittlungen von Esecon nach aktuellem Stand gegen ihn persönlich nichts Belastendes ergeben haben“. Sehr verwunderlich.

Beckenbauer selbst hat zur Aufklärung so gut wie nichts beigetragen, sein ehemaliger Spin-Doctor Schwan ist schon fast 20 Jahre tot, Bin Hammam schweigt still, Louis-Dreyfus lebt seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, Grondona verstarb 2014, von Günter Netzer, der seinerzeit mindestens als Vermittler zwischen Louis-Dreyfus und DFB unterwegs war, kommt wenig, von Blatter kommt nichts, von Beckenbauers einstigem „Mann fürs Grobe“, Fedor Radmann, sowieso nicht. Eines Tages wissen die Toten mehr als die Lebenden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare