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Vier Tore: Beim Topspiel der Bundesliga war viel los.

Dortmund gegen Bayern

Der Gipfel war Spitze

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Das Spitzenspiel der Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München erfüllt die hohen Erwartungen. Ein Kommentar.

Jerome Boateng wird am eigenen Strafraum von Marco Reus unter Druck gesetzt, spielt einen geschnittenen Flugball 40 Meter Richtung Kingsley Coman. Der nimmt den Ball, mit dem Rücken zum Tor, auf Rechtsaußen in einer fließenden Bewegung mit, die ihm viel, viel Raum verschafft, rennt 20, 30 Meter entlang der Mittellinie, passt auf Serge Gnabry, der auf Linksaußen an Thomas Meunier vorbeizieht und genau in der Lauf von Robert Lewandowski in die Mitte passt. Tor. Oder später: Raphael Guerreiro schnappt sich den Ball an der Mittellinie, läuft los, chippt auf den perfekt genau an der Abseitsgrenze startenden Erling Haaland, der den Ball mit seinem starken linken Fuß exakt so mitnimmt, dass er dabei kein Tempo verliert und David Alaba deshalb nicht folgen kann, Haaland umkurvt sodann Manuel Neuer und schiebt unter dem verzweifelt hechtenden Münchner Keeper ein. Tor.

Fußball in Perfektion gab es im Spiel des Bundesliga-Ersten beim Zweiten reichlich zu beobachten. Auf beiden Seiten, wie die Beispiele Boateng/Coman, Gnabry/Lewandowski sowie Guerreiro/Haaland eindrucksvoll demonstrieren. Am Ende haben dann wieder die Bayern gewonnen, verdient, auch, weil sie zweimal superknapp aus Abseitsposition und zweimal nur den Pfosten trafen - und auch, weil sie die böse Verletzung von Joshua Kimmich sowohl mental als auch sportlich erstaunlich gut wegsteckten. Dortmund war kaum schwächer, allen voran Haaland und Reus hätten nicht nur einmal, sondern doppelt treffen können, was sie nicht taten.

Kein Mensch, der einigermaßen bei Sinnen ist, könnte danach behaupten, dass BVB-Chefcoach Lucien Favre Schwerwiegendes falsch gemacht hätte. Dem Schweizer wird ja allenthalben eine gewisse Verzagtheit nachgesagt. Mag ja sein, dass das manchmal so war und auch noch manchmal so sein wird, aber am Samstagabend waren auf beiden Seiten ebenbürtige Mentalitätsmonster unterwegs, bestens angeleitet von ihren Trainern,

Man kann sich nur wiederholen: Es ist bemerkenswert, was dieser notorisch gelassene Hansi Flick in München zusammengeklebt hat. Überall im Bayernspiel finden sich Spurenelemente von van Gaal/Guardiola/Heynckes, dazu noch eine Prise Jogi Löw und Spieler, die ihre individuell herausragenden Fähigkeiten mit einer Bereitschaft mischen, mit der sie für fast jeden Gegner zu fast jeder Stunde genau die nötige Portionierung an Leistung abrufen. Gegen Dortmund war viel Leistung notwendig, also wurde viel Leistung gezeigt.

Die Borussen dürfen dennoch stolz auf ihre sorgsam zusammengestellte Mannschaft sein, die gut genug für alle anderen im Land und wohl auch in Europa ist - nur gerade nicht für diese unglaublichen Überbayern. Die lieferten gerade wieder den Beweis: Wenn alles stimmt im Team, schießt Geld Tore.

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