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Pure Freude: Florian Wirtz jubelt (rechts). afp
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Pure Freude: Florian Wirtz jubelt (rechts). afp

U21-EM

U21 greift nach Titel: Der frühreife Florian Wirtz

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Zum dritten Mal in Folge greift die deutsche U21 nach dem EM-Titel. Diesmal wird der erst 18-jährige Florian Witz zum Matchwinner, der sich aufs Finale gegen Portugal freut.

Als Florian Wirtz, der jetzt mit seinen beiden frühen Toren die deutsche U21-Nationalmannschaft überraschend ins EM-Finale geschossen hat, noch ein Steppke war und sich kaum selbst die Fußballschuhe binden konnte, ist seinem damaligen Trainer Benedikt Hammans etwas aufgefallen. Klein-Flo war gerade als Achtjähriger von Grün-Weiß Brauweiler, wo sein Vater Erster Vorsitzender ist, zum großen 1. FC Köln gewechselt. Und der Coach hatte bald erstaunt bemerkt, dass in den Trainingsspielen bei U11/U12 stets die Mannschaft gewonnen hatte, in der Florian Wirtz spielte. Die Trainer haben die Teams immer wieder anders zusammengestellt, es änderte aber nichts: Das Team mit Wirtz gewann.

Es wäre vermessen zu behaupten, schon damals habe man sehen können, dass dieser in Pulheim bei Köln geborene Junge das Zeug zu einer außergewöhnlichen Fußballer-Karriere haben werde. Aber das Talent war früh erkannt, was jetzt aber auch nicht so schwer war.

Aber früh genug konnte es Florian Wirtz, dessen Schwester Juliane ebenfalls bei Bayer Leverkusen in der Damenmannschaft kickt, noch nie gehen. Mit 17 gab er bereits sein Debüt bei den Bayer-Profis in der Liga, Trainer Peter Bosz war es, der den Mittelfeldspieler ins kalte Wasser warf, Wirtz war der jüngste U21-Nationalspieler, jetzt erzielte er das schnellste Tor in der Historie der U21, nach 29 Sekunden zappelte am Donnerstagabend die Kugel im niederländischen Netz, sieben Minuten später sorgte der mittlerweile 18-Jährige für ein beruhigendes 2:0. Hinterher sprach der Matchwinner, der seine ersten Tore für die U21-Auswahl erzielt hatte, von „einem so schönen Gefühl“. Und: „Ich musste nach ein paar Minuten gucken, ob das überhaupt stimmt – und wie es eigentlich steht.“ Später war ihm dann im Überschwang der Gefühle gar sein Abitur egal. „Ich würde lieber das Turnier gewinnen als ein gutes Abi zu haben“, sagte Wirtz nach seinem Doppelpack, auf seine Klausurergebnisse des Abtei-Gymnasiums in Pulheim wartet er noch. „Hauptsache bestehen“, sei sein Motto, und angesichts seines aktuellen Marktwertes von 45 Millionen Euro dürfte seine nähere Zukunft ohnehin eher auf dem grünen Rasen liegen.

Dort hatte Wirtz seine Reifeprüfung mit Bravour bestanden, wie er ohnehin auch in der Liga zu überzeugen wusste. 36 Bundesligaspiele hat er absolviert, sechs Tore erzielt, auch international war er dabei, seine Trümpfe auszuspielen. „Bälle in die Schnittstellen spielen“, sagt er selbst, nun offenbarte er auch eine erstaunlicher Abschlussstärke. Genauso erstaunlich ist aber auch, dass der Junge, dessen Vorbilder nicht Messi oder Ronaldo sind, sondern der fast gleichaltrige Portugiese João Felix von Atletico Madrid, den ganzen Trubel um seine Person prima weggesteckt hat: „Die letzten zwölf Monate gingen sehr schnell und mit vielen Erlebnissen vorbei. Aber ich habe von meinen Eltern immer mitgegeben bekommen, dass ich auf dem Boden und immer der Gleiche bleibe. Das wird sich auch nicht ändern“, sagte er, der eine kurze Zeit auch damit spekulieren konnte, sogar den Sprung in den EM-Kader von Joachim Löw zu schaffen.

Dass es im Halbfinale gegen die Niederlande nach dem haltbaren Anschlusstreffer zum 1:2 (67.) noch einmal eng geworden war für die DFB-Riege lag auch an Mergim Berisha oder besser: am Pfosten. In diesem Spiel traf der Salzburger dreimal Pfosten oder Latte, davon zweimal binnen weniger Sekunden. Er habe sich damit für den „goldenen Torpfosten“ beworben, lachte U21-Trainer Stefan Kuntz. „Sein Tor hat er sich fürs Finale aufgehoben.“

Und diese Finale, in das die Auswahl zum dritten Mal in Folge einzieht, wird am Sonntag gegen Portugal (21.00 Uhr/ProSieben) in Ljubljana angepfiffen. Viermal stand das Nachwuchsteam seit 1982 in einem Endspiel, zwei Titelgewinne sprangen dabei heraus, 2009 stellte die U21 sechs Spieler, die ein Jahre später in Rio Weltmeister wurden.

Dabei hatte der aktuellen U21 zu Beginn der EM-Qualifikation kaum jemand einen solchen Siegeszug zugetraut. Doch am Ende machte nicht zuletzt der von Lokomotive Kuntz stets beschworenen Teamgeist den Unterschied. „Da ist es egal, wie teuer die Spieler auf der anderen Seite sind. So ein Team, so ein Wille schlägt immer Einzelleistung“, sagte Abwehrspieler David Raum: „So haben wir es ins Finale geschafft, und jetzt wollen wir mehr.“ Dieses Team kenne „kein Limit“, lobte Kuntz, der es erneut geschafft hat, mit einer umgänglichen, lockeren Menschenführung eine außerordentlich leistungsfördernde Atmosphäre herzustellen.

„Und jetzt will ich das Turnier auch gewinnen“, sagte Florian Wirtz. Die Titelfavoriten Frankreich und Spanien sind bereits ausgeschieden - Spanien flog übrigens gegen Portugal aus dem Turnier. mit sid

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