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Der feinste Zocker

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Von: Daniel Schmitt

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Simply the Best: Jamal Musiala zerlegt die Eintracht fast im Alleingang.
Simply the Best: Jamal Musiala zerlegt die Eintracht fast im Alleingang. © dpa

Jamal Musiala, zarte 19, prägt die Offensive des FC Bayern, die in beachtlicher Frühform ist.

Die Fußballer der Frankfurter Eintracht bemühten sich ja nach Kräften. Früh an diesem Freitagabend wollten sie ihm noch mit fairen Mitteln begegnen, ihn ablaufen, mit Körpereinsatz abprallen lassen, schließlich ist er nicht gerade das schwerste Schwergewicht. Etwas später dann, die Bälle hatten schon mehrfach im Frankfurter Tornetz gezappelt, versuchten sie es auch noch deutlich gröber, rabiater, sogar unfair. Sie traten erst gar nicht mehr nach dem Ball, sondern nur nach ihm, dem Gegenspieler. Hauptsache diesen so verdammt guten Jamal Musiala irgendwie stoppen, ihn nicht zum x-ten Mal von dannen ziehen und Unheil stiften lassen. Es gelang ihnen nicht, er ließ sich nicht aufhalten, nicht einmal per Foulspiel, war der Jungstar von Bayern München einfach viel zu schnell für die Eintracht-Profis.

Jamal Musiala, immer noch erst zarte 19 Jahre alt, ragte in einer früh in Topform spielenden Münchner Mannschaft noch heraus. Sowohl im Supercup in Leipzig (5:3) als auch beim Bundesliga-Eröffnungsspiel in Frankfurt (6:1) verdiente er sich die Note eins. In Frankfurt gefiel der gebürtige Stuttgarter, der als Kind auch für kurze Zeit im osthessischen Fulda aufwuchs, in allen Facetten seines Spiels.

Er war körperlich präsent, fußballerisch seinen Gegner überlegen, schnell, wendig, abschlussstark mit zwei eigenen Toren, schlicht überragend. Gerade die kurzen Auftaktbewegungen des offensiven Mittelfeldspielers, die geschmeidigen Ballmitnahmen, die ihm stets einen Vorsprung vor den hinterher wetzenden Verteidigern verschafften: ganz große Fußballkunst.

Thomas Müller, der bayerische Komiker in Fußballschuhen, unkte während eines Interviews seines jungen Mitspielers im Hintergrund: „Dich hab‘ ich gerade verkauft“. Verkauft in einem Online-Managerspiel. Dumm gelaufen, Herr Müller. Wird einige Punkte kosten.

Die Qualitäten des Jamal Musiala, der vor drei Jahren als Jugendspieler für rund 200 000 Euro vom FC Chelsea nach München geholt wurde, sind nun wahrlich keine Überraschung mehr. Der jüngste Nationalmannschafts-Debütant seit dem unlängst verstorbenen Uwe Seeler ist die größte Zukunftshoffnung des deutschen Fußballs. Bei Bundestrainer Hansi Flick, am Freitag ebenfalls im Stadion, dürfte eine stabile Form vorausgesetzt trotz einiger Konkurrenz bei der WM kaum ein Weg an Musiala vorbeiführen. Bei Julian Nagelsmann und dem FC Bayern ist er ohnehin gesetzt, Leroy Sané etwa muss dagegen von der Bank zuschauen.

Lewa fehlt (noch) nicht

Überhaupt ist die Attackeabteilung des FC Bayern trotz des Abgangs von Robert Lewandowski in beachtlicher Frühform. Elf Treffer erzielte der Rekordmeister in den ersten beiden Spielen, es hätten sogar noch ein paar mehr sein können. Und die Gegner waren ja nun auch keine Leichtgewichte - immerhin deutscher Pokalsieger und Europa-League-Triumphator. „Das größte Glücksgefühl für mich ist, dass man sieht, wie sich die Jungs freuen“, sagt Trainer Julian Nagelsmann, dessen Angriffsreihe vor allem mit Tempo, Technik und Flexibilität überzeugt.

Nie waren Sadio Mané, Serge Gnabry, Thomas Müller oder Jamal Musiala für die Eintracht-Verteidiger zu fassen. Später im Spiel durften auch noch Sané und der 17-jährige Neuzugang Mathys Tel mitwirbeln. „Wenn die vier, fünf Leute vorne ins Zocken kommen, macht es Spaß zuzuschauen“, so Nagelsmann. Nicht nur ihm.

Hasan Salihamidzic, der Sportvorstand, strahlte hinterher in der Mixed Zone des Waldstadions über beide Wangen. Seine ganz persönliche Sommer-Zockerei um Lewandowski, Mané und viele, viele Millionen ist - Stand jetzt - ein voller Erfolg. „Wir sind froh, dass unser Spiel so läuft und funktioniert. Der Trainer hat die richtigen Knöpfe gedrückt.“ Und er hat eine Jamal Musiala in Bestform.

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