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Der 1. FC Nürnberg und das Ringen um Bedeutung

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Von: Daniel Schmitt

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Der neue starke Mann: Trainer Markus Weinzierl.
Der neue starke Mann: Trainer Markus Weinzierl. © Matthias Balk/dpa

Der Club gönnt sich mal wieder einen neuen Trainer. Allerdings ist der einstmals ruhmreiche 1. FC Nürnberg längst in den Niederungen der Zweiten Bundesliga untergegangen

Vom Fußballtrainer Robert Klauß ist fernab des Frankenlandes vor allem eines bekannt: Er, der einstige Einflüsterer von Julian Nagelsmann, ist ein Taktikfreak. Im Februar 2021 erlangte Klauß bundesweite Aufmerksamkeit, weil er auf einer Pressekonferenz nach einem 1:2 seines 1. FC Nürnberg gegen den FC St. Pauli das tat, was er gerne tut: den Fußball erklären. Einzelne Auszüge: „Pressinglinie eins“, „ballferner Zehner“, „asymmetrischer Linksverteidiger“, „breitziehender linker Zehner“. Wenngleich bei näherere Betrachtung inhaltlich eine durchaus zutreffende Analyse, letztlich in der Außendarstellung doch viel zu viel des Taktik-Ergusses. Häme breitete sich aus im Netz.

Warum das heute, mehr als eineinhalb Jahre später, noch von einer Bedeutung ist? Aus mehreren Gründen. Zum einen wird in Nürnberg niemand ernsthaft behaupten, trotz des dieser Tage getätigten Trainerwechsels von Robert Klauß hin zum bundesligaerprobten Markus Weinzierl, dass der Ex-Coach kein Fußballexperte sei. Ganz im Gegenteil, in Sachen Taktikverständnis, Gegneranalysen, Trainingsmethodik machte ihm in Liga zwei kaum einer etwas vor. Zum anderen aber war eben jener Februar-Tag 2021 der letzte, an dem der FCN im kollektiven Gedächtnis einer breiten Masse hängenblieb.

Nürnberg: ewiger Zweitligist

Dass der Club, ein stolzer Traditionsverein mit leidenschaftlichen Fans, zuletzt derart leidenschaftslos über die Spielfelder trottete, sich dem Schicksal der gefühlten ewigen Zweitligazugehörigkeit fügte, sollte zu denken geben: dem Trainer Klauß, zu dessen Repertoire es offenbar nicht gehört, Spieler menschlich einzufangen, sie mitzunehmen auf seinen anspruchsvollen Weg, dem die Führungsstärke von Leuten wie etwa Torsten Lieberknecht (Darmstadt), Frank Schmidt (Heidenheim) oder Tim Walter (Hamburg) fehlt; aber auch dem Sportvorstand Dieter Hecking, der zuletzt fast krampfhaft um Kontinuität bemüht war und darob vergaß, dass ein Trainer – vor allem in Liga zwei – mehr können muss als nur das Taktik-Einmal-Eins. Kontinuität mit dem falschen Mann an der Spitze.

Bei neun Punkten Rückstand zu Rang drei ist der Traum von der Bundesliga schon jetzt (fast) unerreichbar, wird es für die Franken vorerst nur darum gehen, größeres Übel (Abstiegskampf) zu vermeiden. Letztmals spielten die Nürnberger, wenige erinnern sich, 2018/19 in der Bundesliga. Unter den Trainern Michael Köllner und Boris Schommers sprang der letzte Platz heraus. Zuvor scheiterte der Club 2016 in der Relegation an Eintracht Frankfurt. Es sind diese sportlichen Enttäuschungen, die gleichzeitig in der näheren Vergangenheit des Vereins, die größten Erfolge darstellen. Traurig eigentlich.

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