1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Der FC Bayern: merkwürdig unrund

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Frank Hellmann

Kommentare

In Unai Emery (rechts) fand Julian Nagelsmann am Dienstag einen Meister.
In Unai Emery (rechts) fand Julian Nagelsmann am Dienstag einen Meister. © dpa

Trainer Julian Nagelsmann lässt sich austricksen, die Stars tauchen einfach unter, der Kader nicht breit genug: Beim 0:1 in Villarreal offenbaren sich beim FC Bayern viele Probleme. Ein Kommentar.

Am Tag danach hat Unai Emery noch einmal ein Radiointerview gegeben. Bei Radio Marca erfuhren die Hörer, was der Trainer vom FC Villarreal mit dem Abstand von einer Nacht über den 1:0-Coup im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Bayern zu sagen hatte. Neben etlichen taktischen Details verriet der 50-Jährige, dass er sich ärgere, „dass unsere Torausbeute nicht höher war.“ Recht hatte er: Der spanische Außenseiter war gegen den deutschen Favoriten nicht nur entschlossener, sondern auch flexibler. Senor Emery hat das direkte Duell gegen Herrn Nagelsmann gewonnen.

Gleich mehrere Handgriffe saßen auf der Gegenseite ja nicht: Mit der Hereinnahme des monatelang mit einem entzündeten Herzmuskel pausierenden Alphonso Davies tat Julian Nagelsmann weder dem Spieler noch der Mannschaft einen Gefallen. Verstörend wirkte der zeitweise Kontrollverlust selbst bei den Stützen: Während Torwart Manuel Neuer in der Harakiri-Phase fast einen Gegentreffer verschuldete, tauchte Weltfußballer Robert Lewandowski fast komplett ab – und der ausgewechselte Thomas Müller fiel erst auf, als er zum Interview erschien. Wenn ein Gegner diese drei FCB-Heroen mit ihren ungeklärten Zukunftsfragen aus dem Spiel nimmt oder der Fassung bringt, hat er alles richtig gemacht.

Noch aber hat der FC Bayern nur das Hinspiel verloren. Und auch bloß mit 0:1. Aber Alarmzeichen, dass es in München nicht mehr richtig rund läuft, gibt es seit längerem. Eine Frage muss lauten, ob Nagelsmann wirklich richtig liegt, wenn er darauf setzt, dass auch die wilden Spiele auf diesem Niveau einen guten Ausgang nehmen. Die anderen Fragen betreffen Versäumnisse, die den Verantwortungsbereich von Sportvorstand Hasan Salihamidzic betreffen, mit dem sich bekanntlich Hansi Flick dermaßen überwarf, dass der heutige Bundestrainer erst zum Wunschkandidaten für den Deutschen Fußball-Bund werden konnte.

Flick hatte die fehlende Kadertiefe bemängelt. Wer jetzt die Ersatzbänke des FC Liverpool oder von Manchester City mit den Ergänzungsspielern des FC Bayern abglich, stellte fest: In diesem Quervergleich besteht ein gewaltiges Qualitätsproblem. Gewiss ist das immer auch eine Kostenfrage, aber Salihamidzic hat zu viele Mitläufer geholt. Noch gibt es keinen Grund, den bayerischen Kurs in Bausch und Bogen zu verdammen, zumal er dem Prinzip des vernünftigen wirtschaftlichen Handelns folgt.

Doch wenn es beim Rückspiel gegen Villarreal zum erneuten sportlichen Versagen kommt, dann sind Grundsatzfragen zu klären. Zu einfach wäre es, dann nur mit dem Finger auf jenen Mann zu zeigen, den Unai Emery jetzt bereits einmal nach allen Regeln der Trainerkunst ausgetrickst hat.

Auch interessant

Kommentare