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Was gibt es schöneres als ein Derbysieg? Foto: dpa
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Was gibt es schöneres als ein Derbysieg?

Bundesliga

Der falsche Held

  • VonAndreas Morbach
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Den überraschend klaren Kölner Derbysieg leitet ausgerechnet ein kapitaler Bock des Mönchengladbacher Florian Neuhaus ein

Für den Tag nach der großen Derbysause in Köln-Müngersdorf hatte Steffen Baumgart einen klaren Plan. Der Chefdompteur des Geißbock-Ensembles wollte am Sonntag mal wieder bei seinem alten Klub vorbeischauen, die Paderborner empfingen am frühen Nachmittag Aufsteiger Rostock. Für die Ostwestfalen, die Baumgart im Sommer nach vier Jahren in Richtung Domstadt verlassen hatte, war es das nächste Kapitel im engen Aufstiegsrennen in der Zweiten Liga. Und in Rostock erblickte Baumgart am 5. Januar 1972 das Licht der Welt. Für den leidenschaftlichen Schiebermützen-Träger war es also eine Art Pflichtbesuch.

Als selbstverständlich erachtete es Mark Uth nach dem prallen 4:1 der Kölner über Gladbach, ihren ärgsten Rivalen im Rheinland, vom Trainer zur Belohnung zwei freie Tage spendiert zu bekommen. Im Hochgefühl des frischen Triumphes verbreitete der 30-Jährige den Gedanken spaßeshalber auch gleich im Fernsehen. Woraufhin Baumgart mit grimmigem Blick seine Autorität untermauerte: „Die Forderung nach den freien Tagen habe ich mir selber gestellt. Dazu brauche ich nicht Uths Meinung. Danke.“

Ein Dankeschön schickten alle Kölner zusammen an Florian Neuhaus. Der Nationalspieler, bei der Borussia im Lauf der Hinrunde in ein frustrierendes Reservistendasein gerutscht, brachte die Gastgeber in der 77. Minute mit einem schlimmen Fehlpass auf die Siegerstraße. Der Fauxpas unterlief dem 24-Jährigen elf Minuten nach seiner Einwechslung – und nur drei Minuten, nachdem Jonas Hofmann die Kölner Führung durch Dejan Ljubicic egalisiert hatte. Kapitän Lars Stindl, kurz zuvor vom Feld gegangen, ballte in dem Moment vor der Gladbacher Ersatzbank die Faust. Weil er, wie wohl die meisten im Stadion, den Rautenklub auf bestem Wege zum nächsten Auswärtssieg in Köln wähnte.

Dieser Eindruck beschlich auch Adi Hütter. „Ich hatte in der Phase des Ausgleichs das Gefühl, dass wir das Spiel noch gewinnen können.“ Doch dann leistete sich Neuhaus den fatalen Fehlpass, den Uth zum 2:1 nutzte. Nur 60 Sekunden später erhöhte Ondrej Duda auf 3:1, Sebastian Andersson wuchtete den Ball in der Nachspielzeit via Lattenunterkante dann zum höchsten Kölner Derbysieg über Gladbach ins Tor. Und Übungsleiter Hütter gestand: „Es ist sehr, sehr unangenehm, dieses Derby als Trainer von Borussia Mönchengladbach in der Form zu verlieren.“

Trotzdem bemühte sich der Österreicher anschließend nach Kräften, in die andauernde Personaldebatte um Neuhaus, dem zuletzt Wechselabsichten nach Neapel nachgesagt wurden, nicht zusätzlich Öl zu gießen. „Wir gewinnen gemeinsam, und wir verlieren gemeinsam. Und ich trage die Verantwortung“, erklärte Hütter, der die Sekunden vor dem zweiten Kölner Treffer aber ebenso unmissverständlich kommentierte: „Das war mit Sicherheit die Schlüsselszene. Direkt davor hatte man das Gefühl, dass das Spiel in beide Richtungen ausschlagen kann.“

Auch der Kollege Baumgart hatte eine Viertelstunde vor Schluss „schon das Gefühl, dass das Spiel kippen könnte“. Der Mann, den die entzückten Kölner Fans Südkurve nach Spielschluss zu einer exklusiven Jubel-Einlage zu sich zitierten, unternahm aber zugleich den dezenten Versuch, Neuhaus zu verteidigen. „Vielleicht“, mutmaßte Baumgart, „haben wir den Fehler vor dem 2:1 auch ein bisschen erzwungen.“

Völlig sicher war sich der FC-Coach dagegen, dass Salih Özcan die Hauptrolle im jüngsten Kölner Heldenepos gespielt hatte. Vier Derbys spielte der bärtige Mittelfeldakteur bislang gegen Gladbach, alle vier hat er gewonnen. Und das nicht ohne Grund. „Ich bin keiner, der einzelne Spieler heraushebt, aber bei Salih mache ich das heute. Als kölscher Junge hat er ein überragendes Derby gespielt, die Stimmung im Stadion für sich genutzt – und viel Spaß an seinen Zweikämpfen gehabt. Das war sehr wichtig für uns“, betonte Steffen Baumgart – ehe er dem kölschen Rasenpersonal zwei freie Tage spendierte.

Kommentar Seite S4

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