Bald kein Bayer mehr: David Alaba.
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Bald kein Bayer mehr: David Alaba.

Kommentar

Der Fall Alaba

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Das unwürdig Geschacher um Plus-Minus-Millionen hinterlässt den Österreicher in dieser gesellschaftlich angespannten Lage als geldgierigen Nimmersatt. Ist er das? Ein Kommentar.

David Alabas Berater Pinhas Zahavi ist das Gegenteil von einem Anfänger. Nicht nur bei millionenschweren Transfers von Michael Essien, Petr Cech, Ashley Cole, Rio Ferdinand, Neymar, Gonzalo Higuain und Zlatan Ibrahimovic war der Spieleragent beteiligt. Auch das Milliarden-Engagement von Roman Abramowitsch beim FC Chelsea fädelte der Israeli mit ein. Der Strippenzieher, der stramm auf die 80 zugeht, dreht am ganz großen Rad des Profifußballs. Robert Lewandowski hat sich seine Dienste gesichert, um erfolgreich einen fetten letzten Vertrag beim FC Bayern auszuhandeln. Die Begleitgeräusche waren knirschend hörbar, aber für Arbeitgeber und Publikum erträglich, zumal Lewandowski zuverlässig den Gegenwert des großen Gelds in Toren zurückzahlt.

Im Fall Alaba ist das auch deshalb anders, weil die Corona-Pandemie eine breite Öffentlichkeit hypersensibilisiert hat für die ganz normalen Auswüchse des gehobenen Fußballprofigeschäfts. Die Kultur des „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ wird hier unter dem Brennglas der Öffentlichkeit auf eine gerade in Zeiten von Lockdown und Kurzarbeit für viele schwer erträgliche Spitze getrieben.

Berater, Spieler und Verein haben es gemeinsam nicht geschafft, vertrauensvoll miteinander umzugehen. Spätestens, als Uli Hoeneß den ollen Zahavi in einem seiner gemäßigteren Wutanfälle medienwirksam (und inhaltlich möglicherweise berechtigt) als „geldgierigen Piranha“ beschrieb, geriet neben dem Zahlenwerk auch die Atmosphäre belastend. Alaba sprach davon, er sei „enttäuscht und verletzt“ und dürfte dabei auch die von der Bayern bestätigte Tatsache gemeint haben, dass kurzzeitig über einen Tauschhandel mit Leroy Sané zu Manchester City nachgedacht worden war.

Das unwürdig anmutende Geschacher um Plus-Minus-Millionen eines ohnehin voluminösen Fünfjahreskontrakts hinterlässt den beliebten Österreicher in dieser ja auch gesellschaftlich extrem angespannten Situation als jemanden, dessen Geldgier moralische Messlatten reißt. Messlatten, die für den Profifußball höher hängen als noch vor Corona. Die Spielregeln haben sich verändert, es gibt einfache Profis und kleinere Klubs vieler finanziell viel ärger gebeutelter Sportarten, die viel mehr leiden als Alaba und der FC Bayern.

Die Rhetorik seines Arbeitgebers suggeriert, dass ehrlose Forderungen die Schwelle der Schamlosigkeit weit überschritten hätten. Wahr ist leider aber auch, dass das Profigeschäft wenig Raum für Sozialromantik lässt. Außer vielleicht beim Urbayern Thomas Müller. Aber der soll, so hört man, auch ganz gut verdienen.

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