1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Der ewige Kreislauf

Erstellt:

Von: Ingo Durstewitz

Kommentare

Hier wird der Supercup am Samstag ausgespielt: die Arena in Leipzig.
Hier wird der Supercup am Samstag ausgespielt: die Arena in Leipzig. © dpa

Man muss nicht versuchen, dieses erste Pflichtspiel künstlich aufzupumpen und ihm eine Wertigkeit zu geben, das es nicht verdient. Wer den Supercup gewinnt, ist ziemlich schnuppe - nicht aber die Giftpfeile, die von Leipzig nach München fliegen. Ein Kommentar.

Mitten hinein ins erste Pokal-Wochenende hat sich, völlig unbemerkt und klammheimlich, der deutsche Supercup gemogelt. Der Meister trifft auf den Pokalsieger, der FC Bayern auf RB Leipzig. Am Samstag (20.30 Uhr) wird in Sachsen der erste Titel der Saison vergeben, selbst wenn dieser von eher überschaubarer Bedeutung ist. Doch auch hier sind die gefräßigen Bayern nimmersatt, niemand hat so oft die Trophäe gewonnen wie der Abomeister, neunmal, allein fünfmal in den letzten sechs Jahren. Welch Überraschung. Gähn.

Man muss nun auch keine Klimmzüge machen und versuchen, dieses erste Pflichtspiel künstlich aufzupumpen und ihm eine Wertigkeit zu geben, das es nicht verdient. Wer die Partie gewinnt, ist so ziemlich schnuppe.

Viel interessanter sind da die paar klitzekleinen Giftpfeile, die von Leipzig nach München geflogen sind. „Ich hoffe, dass die Bayern auch mal andere Ideen finden und nicht immer unsere Spieler holen“, polterte RB-Boss Oliver Mintzlaff und meinte den von den Münchnern umgarnten Mittelfeldmann Konrad Laimer. Davor hatten die Bayern schon den Leipziger Trainer Julian Nagelsmann für 25 Millionen gekauft. Der hatte daraufhin versprochen, keine Spieler aus Sachsen anzubaggern, was er nicht hat halten können. Der Transfer von Dayot Upamecano an die Isar war zwar schon vor seinem Wechsel eingetütet, doch Marcel Sabitzer galt als des Trainers Wunschspieler. Und nun also noch Konny Laimer, von Nagelsmann als „Monsterballeroberungsmaschine“ gepriesen. 30 Millionen soll diese besondere Spezies kosten – das scheinen die Bayern in ihrer überraschend prall gefüllten Kasse noch drin zu haben. Corona hat um die Säbener Straße offenbar einen Bogen gemacht.

Dass die Münchner freilich sich selbst stärken und gleichzeitig ihre Konkurrenten schwächen, nun ja, das ist nichts Neues. Das haben sie früher schon so gemacht bei Gladbach, Bremen, Leverkusen oder Dortmund. Sie können’s halt, weil sie das Maß aller Dinge sind und auch mehr Kohle haben als alle anderen in Deutschland. Die von außen alimentierten Leipziger müssen gewiss nicht auf die Tränendrüse drücken, sie wissen, wie das Geschäft läuft, mal platt gesagt: Die Riesen holen von den Großen, die Großen von den Mittleren, die Mittleren von den Kleinen. Auch die Sachsen kleckern nicht, letztes Jahr kauften sie André Silva aus Frankfurt für 25 Millionen, jetzt Hoffenheims David Raum für 30 Millionen. So ist der Kreislauf, und so wird er bleiben. Ob man das gut findet oder nicht.

Auch interessant

Kommentare