1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Der doppelte Bo Svensson bei Mainz 05

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jan Christian Müller

Kommentare

Durchlebt fordernde Tage: Mainz-Coach Bo Svensson.
Durchlebt fordernde Tage: Mainz-Coach Bo Svensson. © IMAGO/Kirchner-Media

Trainer von Mainz 05 ringt mit sich vor dem Spiel gegen den Meister / „Muss drauf achten: Was braucht die Gruppe? Und nicht, was brauche ich selber.“

Bo Svensson sieht gerade aus wie jemand, der einen Schreck über sich selbst bekommen hat. Nach dem schon zur Pause fixierten 0:5 vor einer Woche beim VfL Wolfsburg hatte der Trainer von Mainz 05 sich schnurstracks ins Studio von Mainz-05-TV begeben und dort mit schreckgeweiteten Augen mit der Mannschaft und sich selbst abgerechnet: Die Leistung der ersten Halbzeit habe „nullkomma null damit zu tun, was wir hier sehen wollen. Alles, wofür wir uns hier auf die Schulter klopfen, wird durch so eine Leistung in Frage gestellt.“ Es sei „in meinen 15 Jahren als Spieler und Trainer der bitterste Moment überhaupt“ gewesen.

Übrigens: Mit unserem Fußball-Newsletter erhalten Sie zweimal die Woche ausgewählte Texte und Kommentare von FR-Autoren aus der Welt des Fußballs. Hier geht es zur Anmeldung.

Der Däne ist ein auffällig selbstreflektierter Mensch. In den Tagen nach dem Wolfsburg-Schock und seinem Statement im eigenen Fernsehstudio hat er tiefgründig nachgedacht. Und es scheint so, als finde er die Tonalität des Auftritts inzwischen nicht mehr ganz so gelungen. Er müsse gerade jetzt umso mehr darauf achten: „Was braucht die Gruppe? Und nicht, was brauche ich selber.“ Andererseits bleibt er dabei: Er habe in seiner Ansprache an die Spieler „deutliche Worte gefunden. Die Mannschaft muss auch mal die Wahrheit ertragen.“

Kritik von Bo Svensson an Videoassistenten

Aber Samstagnachmittag (15.30 Uhr, Sky) steht der FC Bayern als nicht ganz leicht zu überwindende Hürde im Weg. Da heißt es für den zu allem Überfluss gerade entsetzlich an einer Birkenpollenallergie leidenden Svensson, Aufbauarbeit zu leisten. Das tat er denn auch bei der Spieltags-Pressekonferenz. Die ist in der Regel nach einer Viertelstunde beendet, diesmal aber dauerte sie mehr als doppelt so lang, weil es so viel Gesprächsbedarf gab. Svensson legte nun Wert darauf: Die Partie in Wolfsburg sei „ein Spiel, das wir ausklammern müssen, wenn wir über die Mannschaft sprechen“. Er werde jetzt nicht „alles schlechtreden“. Er habe „Respekt vor der Situation, die wir vor 18 Monaten erlebt haben“. Damals, als er eine abgewirtschaftete Truppe im Keller übernahm. Also: Alles ist relativ, auch im Trainerleben des nachdenklichen Bo Svensson.

Apropos Keller: Svensson übte dezidiert Fundamentalkritik am Videoassistenten im Kölner Keller. „Spielentscheidende Szenen werden zu oft falsch beurteilt. Dafür haben wir viel zu viele Beispiele. Das ist für mich ein großes Problem.“ Er empfinde keine spontane Freude mehr bei Toren, „weil man die maximale Gerechtigkeit wollte“. Wenn man aber erkenne, dass maximale Gerechtigkeit nicht erreicht würde, „dann ist das unglücklich“. Allzu oft würden die Leute im Stadion gar nicht erkennen können, was gerade geprüft würde. „Das Erlebnis für die Fans wird so schlechter. Wir müssen das System verbessern.“

Auch interessant

Kommentare