Berlins Max Kruse (vorne) und Hoffenheims Kevin Akpoguma kämpfen um den Ball.
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Berlins Max Kruse (vorne) und Hoffenheims Kevin Akpoguma kämpfen um den Ball.

Kommentar

Der dicke Max

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Max Kruse bleibt sich und seiner so eigenwilligen wie erfolgreichen Art treu – und steht damit sinnbildich für die kluge Strategie von Union Berlin für die Wiederholung des Klassenerhalts. Der Kommentar.

Die Diskussion kennt Max Kruse ja zur Genüge. Ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen? Ein luftiges Trikot, das einen leichten Bauchansatz verdeckt? Ein stattlicher Oberkörper, der eben nicht nur aus Muskeln besteht? Das gab es alles schon. Bei Werder Bremen verteidigten sie ihren Alleskönner fast bis aufs Blut, bis Trainer Florian Kohfeldt ausplauderte, dass es eigentlich nur einen in seiner Mannschaft gebe, der morgens gerne am Nutella-Glas sitze. Und auch jetzt bei Union Berlin ernährt sich der 32-Jährige offenbar immer noch nicht ganz sportlergerecht. Sonst hätte Trainer Urs Fischer nicht gesagt: „Wenn es um die Fitness geht, sind wir noch nicht ganz da, wo wir hin wollen – wo auch Max hin will.“

Trotzdem ist Kruse schon wieder gut genug, um den Unterschied zu machen. Mit einem verwandelten Strafstoß und zwei Torvorlagen erledigte der coole Norddeutsche den Europa-League-Teilnehmer TSG Hoffenheim quasi im Alleingang. Bemerkenswert, ist nicht nur seine Elfmeterquote – 15 Versuche, 15 Tore –, sondern auch seine Uneigennützigkeit. Nicht viele Bundesligaprofis legen den Ball so quer wie der 14-fache Nationalspieler beim 3:1 in der Nachspielzeit.

Seine Begründung: Wenn er selbst schieße, sei der Ball zu 99 Prozent drin, wenn er rüber lege, zu 100 Prozent – und dann hat er sich eben für die 100 Prozent entschieden. Die Sprüche vom Pokerface kommen gut an. Das hebt die Stimmung, so wie Kruse auch einen durchschnittlichen Bundesligisten auf ein höheres spielerisches Niveau hievt. Sein Ex-Verein Werder wäre in der Vorsaison ohne ihn beinahe abgestiegen und hatte die Abhängigkeit lange nicht wahrhaben wollen.

Es ist vom Vorjahresaufsteiger aus Berlin-Köpenick überaus clever gewesen, sich das Gegenstück eines Musterprofis ins eiserne Haus geholt zu haben. Denn nur mit Kampf auf dem Rasen und Geschrei auf den Rängen, das ergab die Analyse der Union-Verantwortlichen, würde es wohl kein zweites Mal mit dem Klassenerhalt klappen. Dementsprechend wurde der Kader umgebaut. Kruse ist das kluge Puzzleteil, das perfekt passt. Seit fünf Spieltagen ist Union ungeschlagen, spielt überaus passabel nach vorne und steht auf Platz sieben – fünf Punkte vor der neureichen Hertha übrigens.

Dass der bisweilen eigenwillige Altstar zwischendrin mit Fans eine Shisha-Bar besuchte, war ganz sicher nicht sonderlich schlau. Aber wer diesen Typ verpflichtet, der muss mit dessen Eskapaden leben. So lange Kruse vorbereitet und vollstreckt, kann er rauchen und so viel wiegen, was beziehungsweise wie er es für richtig hält.

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